Zum Inhalt springen

Header

Video
Knifflige Ferienplanung in Coronazeiten
Aus Kassensturz vom 28.04.2020.
abspielen
Inhalt

Wer den Schaden hat ... Reiseversicherungen lassen Kunden hängen

Reiseversicherungen sollen Ferien versichern. In Coronazeiten zeigt sich: Nicht alle übernehmen angefallene Kosten.

Werner und Russell Meier mussten ihre dreiwöchigen Ferien auf den Philippinen Ende März absagen. Das Coronavirus hatte sowohl die Airlines als auch die Philippinen lahmgelegt. Werner Meier macht sich keine Sorgen: Er hat eine Reiseversicherung, die die Annullationskosten übernimmt.

Expertenchat: Ferien in Coronazeiten

Box aufklappenBox zuklappen
Expertenchat: Ferien in Coronazeiten

Im «Kassensturz»-Chat beantworteten vier Expertinnen und Experten Fragen aus dem Publikum zum Thema Reiserecht. Hier geht es zum Protokoll.

Nicht alle Versicherungen zahlen

Den Meiers geht es wie so vielen in den letzten Tagen und Wochen: Gartenferien statt Strandurlaub. Stay at Home statt Verwandtenbesuch. Für Rückforderungen der Anzahlungen, Annullations- oder Stornokosten und Rückführungen haben viele Konsumenten und Konsumentinnen deshalb eine Reiseversicherung abgeschlossen, die in Not helfen soll. Doch die Coronakrise offenbart: Nicht alle Versicherungen übernehmen unkompliziert die angefallenen Kosten.

Epidemie versus Pandemie

Auch Werner Meier muss kämpfen: «Die Flüge bekomme ich irgendwann erstattet von den Airlines. Für die Rückforderung der Hotel-Anzahlung habe ich meine Reiseversicherung angeschrieben, sie solle sich darum kümmern.» Passiert ist lange nichts. Nach Wochen bekommt Werner Meier ein Mail – ohne persönliche Anrede, ohne Schadensnummer. «Zuerst habe ich es für ein Werbemail gehalten», sagt Meier.

Video
Werner Meier erhielt ein unpersönliches Antwortschreiben von Smile.travel
Aus Kassensturz vom 28.04.2020.
abspielen

Das Mail ist von der Europäischen Reiseversicherung ERV, die für Smile die Schadensfälle abwickelt. «Behördliche Verfügungen» seien ein Ausschlussgrund. Deshalb würden «keine Annullationskosten übernommen», schreibt die ERV.

Stellungnahme der Europäischen Reiseversicherung ERV:

Box aufklappenBox zuklappen

«In den Versicherungsbedingungen von smile.travel versichert sind Ereignisse infolge von Epidemien. Im Glossar wird der Begriff zwecks Verständlichkeit als örtlich und zeitlich begrenzte Infektionskrankheit definiert. Die Pandemie ist in den Versicherungsbedingungen als Ereignis weder ein- noch explizit ausgeschlossen. Es ist offensichtlich, dass eine Pandemie das diesem Versicherungsprodukt zugrunde liegende und klar definierte Risiko (Epidemie) begrifflich übersteigt. Im vorliegenden Fall ist das aber unerheblich. Die AVB von smile.travel halten explizit fest, dass Ereignisse, die eine Folge behördlicher Verfügungen sind (z.B. Einreisesperren), nicht versichert sind.»

Andere Reiseversichere schreiben, als die Reise Ende Februar gebucht worden sei, sei es «voraussehbar» gewesen, dass sich das Coronavirus zur weltweiten Pandemie entwickle. Oft schreiben die Versicherer aber ganz einfach, es seien nur Epidemien abgedeckt. Covid-19 sei aber eine Pandemie, das sei nicht versichert. Darum müsse der Versicherungsnehmer die Kosten selber berappen.

AVBs müssen deutlich sein

Stephan Fuhrer hat für «Kassensturz» diverse Allgemeine Versicherungsbedingungen (AVB) unter die Lupe genommen. Der renommierte Professor für Privatversicherungsrecht an der Universität Basel sagt: «Wenn der Versicherer Epidemien abdeckt, kann er nicht sagen, bei Pandemien steigen wir aus. Das kann er nur, wenn er einen klaren und eindeutigen Ausschluss von Pandemien hat.» Diese Deutlichkeit würden die allerwenigsten Reiseversicherungen in ihren AVB ausweisen.

Video
Versicherungsrechts-Professor Stephan Fuhrer über die Deckung bei Pandemie
Aus Kassensturz vom 28.04.2020.
abspielen

Auch der Passus «behördliche Verfügungen» käme nicht zum Tragen. «Denn hier ist eben nicht das Ereignis die Folge der behördlichen Verfügung, sondern die Ursache der Verfügung. Die Epidemie ist ja nicht darauf zurückzuführen, dass der Bundesrat den Lockdown beschlossen hat», so Professor Fuhrer.

Video
Für Rechtsprofessor Stephan Fuhrer ist diese Argumentation unhaltbar
Aus Kassensturz vom 28.04.2020.
abspielen

Künftige Ferien?

Doch wie sieht es mit Reisen diesen Sommer, Herbst oder Winter aus? Was passiert mit bereits gebuchten Reisen? Klar ist: Werden Pauschalreisen wegen dem Coronavirus abgesagt oder können nicht angetreten werden, so stehen die Reiseveranstalter in der Pflicht, den Betrag zu erstatten. Wer für den Sommer oder Herbst schon gebucht hat und jetzt aus Angst lieber nicht reisen möchte und storniert, der bleibt momentan aber auf seinen Kosten sitzen.

Die wichtigsten Informationen zum Coronavirus:

Box aufklappenBox zuklappen
Die wichtigsten Informationen zum Coronavirus:

Kassensturz, 28.04.2020, 21:05 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von Annette Tschanen  (atschanen)
    Es ist klar, dass Versicherungen keine gemeinnützigen Organisationen sind und Geld verdienen müssen. Eine Ablehnung ist aus Sicht der Versicherung nachvollziehbar. Auch mag ich die Doppelmoral der Versicherungsnehmer nicht -- sie haben die AVB so akzeptiert und heulen jetzt, dass die Versicherung nicht zahlt...
    Es liegt aber in der Hand der Konsumenten, OB sie eine Versicherung abschliessen und MIT WELCHER Versicherung sie das tun. Die wahre, langfristige Macht liegt also in ihren Händen!
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Urs Widmer  (pinkpoet)
    In meinen Augen ist die grosse Tragik, dass Versicherungen zuviele Schlupflöcher in Ihren AGBs haben. Man müsste mal eine gross angelegte Untersuchung starten und die Anträge auf Deckung vergleichen mit den wirklich übernommenen Deckungen.
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    Die Versicherungen können bis heute die Pandemie-Risiken nicht versichern, da diese Risiken geografisch nicht beschränkt sind. Die Risikoprämie müsste ein x-faches einer normalen Epidemieprämie betragen und würde so nicht zahlbar sein für den Versicherungsnehmer, oder wenn die Prämie nicht risikogerecht wäre, würde das zum Kollaps der Versicherer führen. Aber warum nicht die Risiken einer Pandemie durch eine kleinräumige geografische Aufteilung der potenziellen Schadenräume reduzieren?
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten