In den letzten fünf Jahren ist die Zahl der gemeldeten Wespennester in der Schweiz während der Sommermonate um das Fünffache gestiegen. Von 27 auf 134 Nester pro 100'000 Haushalte. Das geht aus einer Auswertung der Mobiliar-Versicherung hervor. Sie bezahlt als Versicherung die Entfernung der Wespennester.
«Stand heute haben wir bereits mehr Schadensaufwand als im gesamten letzten Jahr», sagt Robin Locher, Mediensprecher der Mobiliar. Und der Trend werde anhalten, schliesslich folgen noch ein bis zwei heisse Monate.
Regional kann es grosse Unterschiede geben. So gab es letztes Jahr am wenigsten Meldungen an die Mobiliar aus den Kantonen Nidwalden, Glarus, Basel-Stadt und Graubünden. Am meisten aus Freiburg, Neuenburg und dem Jura.
Trockenheit raubt den Wespen ihre Nahrung
Der Anstieg habe mit der Hitze und dem Insektensterben zu tun. «Dadurch, dass es so heiss ist, bilden sich keine Pfützen und dementsprechend gibt es keine Mücken», erklärt Schädlingsbekämpfer Thomas Iseli. Wespen jagen andere Insekten, insbesondere Mücken seien Nahrung für ihren Nachwuchs.
Fehlen die Mücken, suchen die Wespen andernorts ihre Nahrung. Und diese besteht aus Fleisch respektive Protein. Das heisst: «Wenn wir grillieren und ein Steak essen, müssen wir es entweder teilen mit der Wespe oder man hat die ganze Zeit Wespen um den Tisch.»
Wir werden damit leben müssen, dass wir mehr Wespen sehen.
Über die Verfünffachung der Zahl an Wespennestern musste Seraina Kopfstein, Biologin beim Naturhistorischen Museum Basel, etwas schmunzeln: «Das ist vielleicht schon etwas übertrieben.» Ganz so stark ist die Zunahme also womöglich nicht, aber wegen des Klimawandels wachse die Populationen, erklärt Kopfstein. Die Wespen könnten früher im Frühling mit wachsen beginnen, weil die Temperaturen steigen. «Wir werden also damit leben müssen, dass wir mehr Wespen sehen.»
Wespen sind nicht nur lästig
Irgendwann werde es den Wespen aber zu heiss und trocken, zudem könne Starkniederschlag ganze Nester zerstören, so die Biologin.
Wespen seien aber nicht nur lästig. Denn sie seien sehr gute Insektenjäger, sagt Kopfstein. «Wenn man im Garten Mühe hat mit Läusen, sollte man es begrüssen, wenn man ein Wespennest in der Nähe hat.»