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Whatsapp in der Kritik Welche Alternative empfehlen Sie, Herr Zemp?

Legende: Audio Whats App: Chatten zwischen Lehreren und Schülern ist nicht das Ziel abspielen. Laufzeit 03:02 Minuten.
03:02 min, aus SRF 4 News aktuell vom 05.02.2019.

Winterthur verbietet Whatsapp als Kommunikationsmittel für die Schulen. Datenschützer kritisieren schon länger, dass der Kurznachrichtendienst persönliche Daten sammelt und weiterleitet. Auch Beat Zemp, Präsident des Dachverbandes der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer, ist gegen Whatsapp an den Schulen.

Beat Zemp

Beat Zemp

LCH-Präsident

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Beat Zemp ist Lehrer für Mathematik und Geographie am Gymnasium Liestal. Zugleich sitzt er als Präsident dem Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz LCH vor.

SRF: Sind Sie für ein schweizweites Verbot an Schulen?

Beat Zemp: Ein schweizweites Verbot ist nicht durchsetzbar, weil niemand dieses Verbot für alle Schulen aussprechen könnte. Wir haben in der Schweiz Kantonshoheit, bei den Schulen auch Gemeindehoheit. Deswegen ist es wichtig, dass die Schulpflege in Winterthur dieses Verbot ausgesprochen hat. Es ist aber Sache jeder Schule und jedes Kantons hier eine Lösung zu finden. Wir sagen seit 2015: Whatsapp eignet sich nicht, für die schulische Kommunikation.

Warum eignet sie sich nicht?

Es werden Daten an Facebook geliefert, die im Adressbuch stehen. Man kann nicht alle Benützer dort fragen, ob sie damit einverstanden sind. Dazu kommt, dass ab Februar 2019 die fünfjährige Sperrfrist abgelaufen ist, in der man keine Werbung schalten konnte. In Zukunft ist es möglich, dass eben Instagram, Whatsapp und Facebook Messenger zusammengeschlossen und dann Nutzungsprofile erstellt werden. So kann den Whatsapp-Benutzern dann personalisierte Werbung zugespielt werden und das geht gar nicht für die Schule.

Alle diese Dinge müssen sauber geregelt sein – dann kann man auch einen Messenger-Dienst für die Schulen empfehlen.

Warum wollen Lehrkräfte überhaupt mit Eltern und Schülern in einer Kurznachrichten-Gruppe kommunizieren können. Man könnte auch zuhause anrufen.

Es ist halt bequem, wenn man eine Kommunikation zeitverschoben und gleich über eine ganze Gruppe machen kann – dafür habe ich Verständnis. Man könnte natürlich auch eine E-Mail schreiben, aber das ist sehr formal. Andererseits muss man sagen, dass Whatsapp letztlich ein Chat-Programm ist und wir nicht im Sinn haben, mit den Schülern, den Lehrpersonen und den Schulleitungen zu chatten. Es ist eine offizielle Kommunikation. Es braucht einen Messenger-Dienst, der wirklich den Datenschutzbedingungen entspricht. Es muss alles sauber geregelt sein und da eignet sich Whatsapp einfach nicht.

Welchen Messenger-Dienst würden Sie empfehlen?

Die kantonalen Datenschützer haben auf Alternativen verwiesen. Ich will jetzt hier kein Produkt nennen. Aber es ist so, dass mehrere Firmen – auch Start-up-Unternehmen – in der Schweiz diese Lücke entdeckt haben. Neue Lösungen kommen. Wichtig ist, dass die Daten wirklich geschützt sind, dass die Server in der Schweiz sind, dass die europäische Datenschutzgrundverordnung und das Mindestalter eingehalten werden. Alle diese Dinge müssen sauber geregelt sein – dann kann man auch einen Messenger-Dienst für die Schulen empfehlen.

Das Gespräch führte Andrea Jaggi.

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Mario Fux (unormal)
    Mir ist zwar nicht klar, wieso mein letzter Beitrag nicht freigeschaltet wurde, in dem ich auf eine Open Source/Freie Software-Alternative (mit Link) hingewiesen habe, wobei hier ständig Werbung für Microsoft, Apple und Co gemacht wird, aber ich versuche es nochmals: Eine weitere Alternative wäre Matrix.org: frei, offene, förderiert, multi-plattform, kann selber gehostet werden und Frankreich steigt gerade darauf um (den Link zu einem guten Artikel dazu wage ich nicht nochmals einzufügen.
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  • Kommentar von Pascal Fischer (Pafi)
    Ich denke, dass die Schüler jegliche Chattools in der Mehrheit ablehnen. Wir hatten auch solche Tools. Selten bis nie genutzt. Der Vorteil an WA ist (bei allen nicht abzusprechenden Datenbedenken), dass ich es auch in der Freizeit brauche. Ich will nicht zwei, drei oder vier Chattools. Solange also keine flächendeckende "Lösung" erscheint, können die "Erwachsenen" diesem Problem endlos nachrennen.
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  • Kommentar von Thomas Steiner (Tom Stone)
    Empfehlungen sind schön und gut. Nur finde ich, dass es nicht wirklich eine Plattform braucht! Die Kinder sind täglich in der Schule und erhalten da genug Infos. Dass dann in der unterrichtsfreien Zeit auch noch ein Chat her muss, ist nicht wirklich nötig. 24/7 für Lehrpersonen? Nein, danke.
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