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Digitale Spionage Wie Facebook sich seine Informationen besorgt

Wieder wird dem Social-Media-Konzern vorgeworfen, sich illegal Daten beschafft zu haben. Diesmal im Rahmen einer Studie.

Legende: Audio Facebook verschafft sich Vorteile am Markt abspielen. Laufzeit 05:13 Minuten.
05:13 min, aus SRF 4 News aktuell vom 30.01.2019.

Worum geht es? Facebook (Fb) hat seit 2016 Personen zwischen 13 und 35 Jahren monatlich Geld – angeblich 20 US-Dollar – bezahlt, um sich im Rahmen einer so genannten Studie Zugang zu den gesamten Aktivitäten auf ihren Smartphones zu verschaffen. Der Technologieblog TechChrunch berichtete letzte Nacht kritisch über diese Aktion. Das Projekt wird nun eingestellt.

Was hat das Unternehmen davon? Die Daten geben Fb eine sehr tiefe Einsicht in den Markt. «Weil das Unternehmen weiss, nach was die Leute im Internet suchen, welche Apps die User benutzen und weil es sogar weiss, was in Chats über eine App geschrieben wird, weiss Facebook sehr viel mehr als die Konkurrenz», sagt Jürg Tschirren, SRF-Digitalredaktor.

Worum ging es beim Projekt Onavo?

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Worum ging es beim Projekt Onavo?

Onavo war auf eine gewisse Weise ein Vorläufer der nun bekannt gewordenen Studie. Auch mit der Facebook-eigenen App Onavo wurde der Datenverkehr via ein VPN umgeleitet, das von Facebook kontrolliert wurde. Onavo verstiess aber gegen die Regeln von Apple, deshalb wurde diese Anwendung im letzten August aus dem App-Store entfernt.

Daten aus dem Vorgängerprojekt Onavo (siehe Box) sollen Facebook dazu gebracht haben, WhatsApp zu kaufen, weil der Konzern erkannt habe, dass ihm ein gefährlicher Konkurrent erwachsen könnte. Dank Onavo soll Fb auch erfahren haben, dass Snapchat an Nutzern verliert, noch bevor die App selber es bekannt geben musste.

Wer ist betroffen? Laut dem TechCrunch-Blog könnten auch Daten von Personen, die nicht an der Studie teilgenommen haben, eingesehen worden sein, da sämtliche Interaktionen in gewissen Apps erfasst wurden. Zudem habe Fb die Aktion über Drittfirmen abgewickelt und so versucht zu verstecken, dass es hinter dieser Aktion steht, sagt Tschirren. Weiter seien die Nutzer zwar darauf aufmerksam gemacht worden, dass Fb die Daten mitlesen kann, aber es habe nie deutlich gemacht, dass auch verschlüsselte Daten darunter fallen.

Wie ist der Konzern vorgegangen? Fb hat seine Kunden dazu gebracht, den Internetverkehr auf ihrem Smartphone über ein so genanntes VPN umzuleiten. Ein VPN ist ein virtuelles privates Netzwerk. Im konkreten Fall war es ein von Facebook kontrollierter Knotenpunkt zwischen dem Smartphone und den Webseiten und Diensten. Bei IOS-Geräten von Apple musste die Anwendung über eine externe Seite heruntergeladen werden. IOS ist das Betriebssystem von Apple.

Hat Fb die neuen Daten genutzt? «Es ist nicht klar, ob Facebook die Daten aus der Studie ausgewertet hat», sagt Digitalredaktor Tschirren dazu. «Aber rein schon die Tatsache, dass es die Möglichkeit hatte, sie zu lesen, vermittelt ein ungutes Gefühl.»

Wo liegt das Problem? Facebook hat mit dieser Aktion wieder eine Möglichkeit gefunden, auf IOS-Geräte zurückzukommen. Damit breche Facebook wieder die Regeln von Apple. «Solche Zertifikate dürfen nur Firmen für ihre Angestellten ausgeben, nicht aber Firmen für ihre Kunden», so Tschirren. Das Unternehmen selbst sagt dazu, es habe bei der Studie nichts falsch gemacht. «Aber es begründet dies nicht», so der Digitalredaktor.

Zieht Fb keine Lehren aus Fehlern? «Es sieht tatsächlich danach aus, als ob kein Lernprozess bei Facebook eingesetzt habe», sagt Tschirren. Zu dem Zeitpunkt, als Facebook Onavo einstellte, sei das Unternehmen auch wegen diverser anderer Skandale in der Kritik gestanden, zum Beispiel wegen der Beeinflussung des US-Wahlkampfs mit Cambridge Analytica.

Wieso geht Fb dieses Risiko ein? Fb glaube, dass Skandale ihm nichts anhaben können, so Tschirren. Die weltweiten Nutzerzahlen geben dem Konzern zwar recht. Sie wachsen immer noch. «Doch diesmal könnte es Facebook mit einer stärkeren Gegnerschaft zu tun haben, denn diesmal gehört der Grosskonzern Apple dazu», merkt Tschirren an.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Wolfgang Bortsch (a2b3c4d5)
    Wieso eigentlich Internetgiganten wie Facebook , Google oder sonstige ständig im “Spionagvisier“ sich befinden ? Sich Informationen zu besorgen , dies können andere bestimmt nicht schlechter als diese Internetriesen .Aber wer so im “Rampenlicht“ der Öffentlichkeit steht wie Facebook oder Google , bei solchen Gelegenheiten ist es offenbar in mehrfacher Hinsich nicht “ungünstig“ , “wieder einmal“ eine , wenn auch sinnlose , “Spionagedebatte“ zu führen !
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  • Kommentar von Hanspeter Zaugg (rägetag)
    Twitter ubnd Komsorden sind genau so schlimm wer Sozial Media benutz ist grossteils selber Schuld. Auch für Google gibts einigermasen gute Alternativen...
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    1. Antwort von Alex Volkart (Lex18)
      Auch wenn ich jetzt vom eigentlichen Thema abschweife. Für die Suchmaschiene Google gibt es sogar zwei sehr gute Alternativen. Die französiche Qwant und die Schweizer SwissCows. Denn Beide nehmen den Datenschutz sehr ernst. Für Android gibt es die Alterative IOS von Apple. Apple sammelt zwar auch Daten, übertreibt es aber nicht so wie Google. Bei den Browsern kann ich Firefox empfehlen.
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    2. Antwort von Andreas Blöchliger (Xoxilo)
      Ecosia ist eine deutsche Alternative zu Google, die dabei noch Gutes tut. Es gibt X Alternativen zu Google! Man muss nur "Suchmaschine" googeln ;-) Mein FB Konto habe ich gelöscht, ich mag solche Grosskonzerne nicht und die Zeit vor dem TV ist zudem noch viel gemütlicher als vor dem PC.
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  • Kommentar von Ivan Suter (Beren)
    Wer noch immer ein Facebook Account besitzt und sich über sowas aufregt ist selbst schuld. Schon lange sollten Kunden diesem Konzern kein bisschen Vertrauen entgegenbringen. Wer noch immer dort Mitglied ist, gibt seine Daten freiwillig and FB.
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    1. Antwort von Alex Volkart (Lex18)
      Viele vergessen aber das Instagram, Oculus VR, WhatsApp und die Fitness-App Move auch an Facebook gehören.
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