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Rentnerin über geplante Antenne: «Die würde unsere Lebensqualität enorm einschränken.»
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 30.04.2021.
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Widerstand aus der Bevölkerung Wie ein Berner Rentnerpaar 5G-Antennen blockiert

Zwei Rentner kämpfen vor Bundesgericht gegen die 5G-Technologie. Das Urteil wird für die ganze Schweiz wegweisend sein.

Auf einen Block in einem Wohnquartier von Steffisburg in der Nähe von Thun will die Swisscom eine 5G-Antenne stellen. 2018 reichte sie das Baugesuch für eine der ersten 5G-Antennen der Schweiz ein. Es hagelte aber Beschwerden. Ein Ehepaar ist nun, drei Jahre später, bis vor Bundesgericht gezogen.

Beide Seiten hoffen auf Grundsatzentscheid

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Mit 5G ist die fünfte Generation des mobilen Internets gemeint. Sie gilt als Schlüsseltechnologie der Digitalisierung mit einer höheren Geschwindigkeit.

Dass nun das Bundesgericht über 5G-Antennen entscheidet, wird bei Gegnerinnen und Gegnern als Erfolg gefeiert. «Wir finden es wichtig, dass es einen Grundsatzentscheid gibt», sagt Rebekka Meier, Präsidentin des Vereins Schutz vor Strahlung.

Auch die Swisscom findet es grundsätzlich gut, dass sich das Bundesgericht damit beschäftigt: «Dieser Entscheid wird wegweisend sein», sagt Sprecher Armin Schädeli. Er hoffe, dass es bald ein Urteil geben werde, denn das entscheide, wie schnell Mobilfunk in der Schweiz ausgebaut werden könne.

Erfahrungsgemäss dauert es rund ein Jahr, bis das Bundesgericht einen Entscheid gefällt hat.

Widerstand wegen Strahlung

Erstmals spricht das Ehepaar über seine Beweggründe im Kampf gegen die Antenne: «Wir könnten nicht mehr unbeschwert im Garten oder auf dem Balkon sein», sagt die pensionierte Primarlehrerin, die ihren Namen nicht öffentlich bekannt geben will. Wenn die geplante 6-Meter-Antenne auf den Wohnblock käme, würde das die Lebensqualität enorm einschränken, sagt sie. Auch die der Kinder: «Der Schulweg geht direkt an der Antenne vorbei, Kindergarten und Spielplatz sind nur etwa 130 Meter davon entfernt.»

Durch Mobilfunk können biologische Störungen in den Organismen entstehen.
Autor: Rentnerin aus Steffisburg

Das über 70-jährige Ehepaar verlangt, dass 5G-Masten erst dann eine Bewilligung erhalten, wenn wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass die 5G-Technologien für Gesundheit und Umwelt unbedenklich sind.

5G-antenne
Legende: Das Ehepaar meint: Der Mast mit einer 5G-Antenne im unteren Teil ist schädlich für die Gesundheit und die Umwelt. Keystone

Das Bundesgerichtsurteil wird für die ganze Schweiz wegweisend sein. Bis das Urteil gefällt wird, geht sowohl beim bernischen Verwaltungsgericht wie auch bei der Baudirektion in Sachen 5G gar nichts mehr. Der Ausbau ist auf Eis gelegt.

Angst vor Krebs

Das Ehepaar sorgt sich vor allem vor negativen Auswirkungen auf den Körper. Durch Mobilfunk könnten biologische Störungen in den Organismen entstehen, sogenannter oxidativer Zellstress. Das habe ein Wissenschaftler bereits vor zwölf Jahren herausgefunden, sagt die Frau: «Wenn dieser oxidative Zellstress verstärkt auftaucht, entstehen vermehrt Störungen der Stoffwechselvorgänge und Schäden an den Zellen – also eine Vorstufe von Krebs.»

Wie wirkt sich die Strahlung des Handys aus?

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Der Grossteil der Strahlendosis, der Menschen ausgesetzt sind, stammt vom eigenen Mobiltelefon. Sie kann stark reduziert werden, indem man mit Kopfhörern telefoniert und nur bei guter Verbindung. Bei einer intensiven Handynutzung, Link öffnet in einem neuen Fenster direkt am Ohr konnten biologische Effekte gemessen werden, wie etwa eine Veränderung der Hirnströme.

Auch hat sich bei Jugendlichen, die das Handy intensiv genutzt haben, die Hirnleistung weniger schnell entwickelt als bei anderen. Dies sind aber erst vorläufige Resultate, die überprüft werden müssen. Insgesamt ist keine Zunahme an Krebsfällen und Hirntumoren zu beobachten – obwohl Millionen von Menschen seit Jahren täglich ihr Handy benutzen., Link öffnet in einem neuen Fenster

Dieser oxidative Zellstress sei bei hoher Strahlung tatsächlich nachgewiesen worden, sagt Mobilfunk-Experte Martin Röösli. Er forscht im Bereich Umwelt und Gesundheit am Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut in Basel. Aber: Viele Studien würden zeigen, dass dies nur eine vorübergehende Reaktion ist. «Teilweise sieht man funktionelle Änderungen, die problematisch sein könnten», sagt Röösli. «Aber man konnte nicht nachweisen, dass 5G oder andere Mobilfunkstrahlung längerfristig wirklich Krebs erzeugen, solange die Strahlung unter dem Grenzwert liegt.»

Wenn das Risiko gross wäre, hätte man es schon längstens entdeckt.
Autor: Martin RöösliMobilfunk-Experte

Seit Jahren streiten Strahlen-Gegner, ob und wie gefährlich Handy-Antennen sind. Dabei gibt es eine Schwierigkeit, sagt Experte Martin Röösli: «Die Wissenschaft kann nicht beweisen, dass es etwas nicht gibt.» Darum bleibe eine gewisse Restunsicherheit immer bestehen. «Aber wenn das Risiko gross und vergleichbar wäre mit Luftschadstoffen oder Lärm, dann hätte man das beim Mobilfunk schon längstens entdeckt», ist Röösli überzeugt.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 3.5.2021, 12:03 Uhr/17:30 Uhr;

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113 Kommentare

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  • Kommentar von Marc Mingard  (UrbanAelpler)
    Bitte befassen sie sich mit Prof. Dr. Devra Davis.
    Epidemiologin, ehemalige Senior Advisor des Assistant Secretary for Health im Department of Health and Human Services

    Ihre Meinung dazu ist ausschliesslich wissenschaftlich begründet!
    1. Antwort von Willi Meier  (wm)
      Und was sagt die Frau?
    2. Antwort von Albert Bachmann  (AFB)
      Schon nach kurzer Internetsuche über Dr. Davis wird klar, dass ihre Resultate wohl nicht allzu vertrauenswürdig sind. Ihre Studien wurden wiederholt wegen Rosinenpickerei, Misrepresentation anderer Studien auf welchen sie ihre Ergbnisse stützt und Verwendung von Quellen mit schlechter Qualität. Ob diese Anschuldigungen so korrekt sind sei mal dahin gestellt, aber sie werden wohl nicht aus dem Nichts kommen.
      Kommt hinzu, dass eine Epidemiologin normalerweise keine Expertin auf dem Gebiet ist.
    3. Antwort von Nico Stäger  (Nico Stäger)
      Herr Bachmann, Sie scheinen gut Bescheid zu wissen. Wissen Sie auch von wem all die Studien bezahlt werden und wer der Frau Prof. Dr. Devra Davis Rosinenpickerei, etc. vorwirft?
  • Kommentar von Peter Belmi  (P.B.)
    „… man konnte nicht nachweisen, dass 5G oder andere Mobilfunkstrahlung längerfristig wirklich Krebs erzeugen„ - müsste nicht eher nachgewiesen werden dass 5G oder andere Mobilfunkstrahlung längerfristig KEINEN Krebs erzeugen?
    1. Antwort von Albert Bachmann  (AFB)
      Eine Inexistenz kann man nicht beweisen! Das gilt auch für Mobilfunkstrahlung, da man nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit sagen kann, dass sie unschädlich ist. Nach tausenden von Studien die keine Auswirkungen feststellen konnten, ist die Wahrscheinlichkeit zwar sehr sehr hoch, jedoch nicht absolut. Das nutzen die Mobilfunkgegner aus, um in der Bevölkerung unbegründete Ängste zu schüren. Soweit es geht ist also schon „bewiesen“, dass Mobilfunkstrahlung (und somit auch 5G) ungefährlich ist.
  • Kommentar von Tom Rieter  (tom30)
    Die neue 5G-Vollzugsempfehlung des BAFU für Kontrollmessungen bei adaptiven 5G-Antennen empfiehlt, einen über 6 Minuten gemittelten Messwert zu verwenden, um (auf dem Papier) die Grenzwerte einzuhalten. Das bedeutet, dass die Strahlungsintensität real zeitweise höher sein wird, als die Grenzwerte es erlauben, wobei man weiss, dass eben gerade die stärker gepulste Strahlung der adaptiven 5G –Technologie für biologische Systeme aggressiver ist als die bisherige.
    1. Antwort von Marc Mingard  (UrbanAelpler)
      Könnte in eine ähnliche Richtung interpretiert werden wie der Dieselskandal.