Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio Wie nachhaltig ist die Schweizer Wirtschaft? abspielen. Laufzeit 04:20 Minuten.
Aus Echo der Zeit vom 09.08.2019.
Inhalt

Wie nachhaltig sind wir? Lob und Tadel für die Klima-Schweiz

Klimasünderin oder Musterschülerin? Die Schweiz lagere Probleme aus, kritisiert eine Studie. Der Bund nimmt Stellung.

Die Schweiz spielt eine zwiespältige Rolle, wenn es darum geht, die Ziele der Agenda 2030 der UNO zu erreichen. Das zeigt der aktuelle Nachhaltigkeitsbericht, den die Bertelsmann-Stiftung zusammen mit dem Sustainable Development Network erstellt hat.

Mitautor Guido Schmidt-Traub sagt es so: «Die gute Nachricht ist, dass die Schweiz an sich auf einem insgesamt sehr guten Weg ist. Ein Teil dieser Leistung wird aber dadurch erzielt, dass Probleme ausgelagert werden.» Denn ein Grossteil unserer Konsumgüter und Nahrungsmittel wird im Ausland hergestellt.

Wenn wir etwa Produkte mit Palmöl kaufen, tragen sie dazu bei, dass in Indonesien der Regenwald abgeholzt wird. Bei diesen «Spill-Over-Effekten» schneide die Schweiz Pro-Kopf am schlechtesten von allen 162 untersuchten Ländern ab: «Die Schweiz muss sich anschauen, welche Produkte und Dienstleistungen sie importiert und wie diese in den herstellenden Ländern erzeugt werden.»

Die zehn grössten Kostenverursacher

1. Schweiz

2. Singapur

3. Luxemburg

4. Vereinigte Arabische Emirate

5. Mauritius

6. Niederlande

7. Kuwait

8. Grossbritannien

9. USA

10. Norwegen

(Quelle: Bertelsmann-Stiftung/Sustainable Development Network

Das sieht man auch beim Bund so und verweist auf den starken Konsum in der Schweiz. Zugleich ist Daniel Dubas, Delegierter des Bundesrats für die Agenda 2030, skeptisch, ob die Schweiz tatsächlich so schlecht dasteht, wie es die Studie suggeriert.

Luft nach oben

Gerade hinter die Spill-Over-Effekte setzt er ein Fragezeichen: «Es ist nicht ganz klar, wie diese gewichtet werden und wie man zum Gesamturteil kommt, dass die Schweiz die negativsten Auswirkungen auf die anderen Länder hat.» Zumal die Schweiz als kleine vernetzte Volkswirtschaft mit hohem Lebensstandard von Natur aus stark angewiesen sei auf den Welthandel.

Klare Rahmenbedingungen sind wichtig.
Autor: Daniel DubasDelegierter des Bundesrats für die Agenda 2030

Doch Dubas räumt ein, dass die Studie einen wichtigen Diskussionsbeitrag leistet, weil die Emissionen heruntergebrochen würden auf die einzelnen Länder. Da bestätige sich, dass die Schweiz bei der Nachhaltigkeit Luft nach oben habe: «Klare Rahmenbedingungen sind wichtig. Diese werden politisch festgelegt – vom Bundesrat und vom Parlament. Es ist ein Aushandlungsprozess.»

Ein Aushandungsprozess, den der Bundesrat aktiv steuert. So hat er vor Jahren den Aktionsplan für eine grüne Wirtschaft verabschiedet: Weg von der Abfallwirtschaft, hin zur Kreislaufwirtschaft ist die Devise.

In der Schweiz selber wurden enorme Fortschritte erzielt.
Autor: Guido Schmidt-TraubSustainable Development Network

Diese und andere Initiativen werden in der übergeordneten Strategie zur nachhaltigen Entwicklung gebündelt: «Diese wird im nächsten Jahr vom Bundesrat mit dem Zeithorizont 2030 verabschiedet», erklärt Dubas. Dies, um eine zeitliche Abstimmung mit der Agenda 2030 und den globalen Nachhaltigkeitszielen zu erreichen. Bei diesen steht die Schweiz alles in allem gar nicht so schlecht da.

Es gibt viel zu tun

Zwar verursacht sie viele Emissionen im Ausland. Weil sie im Inland bei den ökologischen und sozialen Kriterien aber vergleichsweise gut abschneide, komme die Schweiz im Gesamtranking auf den 17. Platz von 162 untersuchten Staaten, sagt Schmidt-Traub: «In der Schweiz selber wurden enorme Fortschritte erzielt. Gerade auf der sozialen Seite hat sie die Ziele bereits erreicht – etwa bei der Armut. Oder sie ist auf dem besten Weg dazu.»

Nachholbedarf orten Schmidt-Traub vom Social Development Network und Dubas vom Bund beim Konsum und beim Klimaschutz. Denn zwei Fakten lassen sich nicht wegdiskutieren: Fast drei Viertel des ökologischen Fussabdrucks der Schweiz werden im Ausland erzeugt. Und wenn jeder Weltbürger so viel konsumieren würde wie ein Einwohner der Schweiz, wären drei Erden nötig, um den Bedarf zu decken:

So sieht der globale Fussabdruck einiger ausgewählter Länder aus

Ressourcenverbrauch World Overshoot Day
Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

20 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
    Unbegreiflich ist mir die Meinung immer noch Unzähliger, Bevölkerungswachstum sei nicht das Problem, würden alle... Unsere eigene Geschichte beweist doch längst, die grosse Masse ist zu keiner Besserung fähig, hat es selbst nach 100'000en Jahren nicht begriffen, Teil der Natur zu sein. Nach wie vor stellt sie sich erhaben über ihre eigene Lebensgrundlage und die all ihrer Mitgeschöpfe, vermehrt sich bedenkenlos u.stillt ihre Bedürfnisse halt- und rücksichtslos bis zu ihrem eigenen bitteren Ende.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von M. Roe  (M. Roe)
    Man muss aufhören zu demonstrieren und bis ins kleinste Informationen senden, wie man die Umwelt retten kann. Z.B. beim Putzen, Abwaschen, Zähne Putzen, Duschen, Auto fahren usw. Wenn wir so viele Infos über echte Vorschläge bekämen, wie gemotzt, demonstriert usw. wird, wären wir schon etwas weiter. Aber leider hat das "Umwelt Schützen" keinen Sinn, wenn immer mehr Menschen in unsere Länder geschleust werden. Leider kommt für jede Einsparung ein neuer Einwanderer dazu!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Denise Casagrande  (begulide)
      M.Roe: Erziehung fängt im Elternhaus an. Zur Erziehung, gehört auch die Aufklärung betreffend umsichtigen, verantwortungsbewussten Konsumierens - egal wovon -. Dasselbe gilt für jeden Staat, einer umsichtig, verantwortungsbewusst führenden Regierung/Verwaltungsapparat und damit der gesamten Bevölkerung - egal welcher Abstammung-!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Wilfred Scheidegger  (Ville Frayde)
    DAS waren noch Zeiten, als die Blumenkinder und Weltverbesserer, sich mit 2CV und VW Käfer auf sich aufmerksam machten! Heute sind es DIE mit den E-Farzeuge, die für eine erneuerbare Energie "herumfahren!"
    Ablehnen den Kommentar ablehnen