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Kantönligeist bei den Wirteprüfungen
Aus Espresso vom 17.12.2020.
abspielen. Laufzeit 05:03 Minuten.
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Wildwuchs bei Wirteprüfung Gastrobewilligungen: Jeder Kanton kocht sein eigenes Süppchen

Die Kantone legen fest, welche Ausbildung in der Gastrobranche nötig ist. Die Ansprüche unterscheiden sich erheblich.

Die Bergwirtschaft einer Hörerin des SRF-Konsumentenmagazins «Espresso» liegt idyllisch auf über 1000 Meter über Meer auf den Jurahöhen und bietet einen herrlichen Ausblick übers Mittelland. Gäste sind vor allem Wanderer und Biker, die auf dem Jura-Höhenweg unterwegs sind. Die Familie mit drei Kindern zog vor zwei Jahren aus der Ostschweiz in den Solothurner Jura. Neben dem Bauernbetrieb wollte die Familie eine Bergbeiz führen.

Um ein Restaurant zu eröffnen, braucht es im Kanton Solothurn den Nachweis einer «minimalen fachlichen Qualifikation». Diese Anforderungen sind allerdings nicht so minimal, wie sie tönen. Sie entsprechen dem Fähigkeitsausweis G1 der Gastro-Unternehmensausbildung von Gastro Suisse und sind ähnlich anspruchsvoll wie das Wirtepatent.

3000 Franken für die Katz?

Die Mutter von drei Kindern erkundigt sich 2019 beim Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Solothurn und erfährt, dass in Solothurn keine Gastro-Ausbildungen angeboten wird. Sie müsse auf einen der umliegenden Kantone ausweichen. «Ein Nachbar hat den Fähigkeitsausweis vor vier Jahren im Kanton Basel-Stadt gemacht und war sehr zufrieden. Darum habe ich mich für Basel-Stadt entschieden», erzählt sie. Bis Ende 2019 hatte Solothurn die Fähigkeitsausweise aus Basel-Stadt auch anerkannt.

Die Hörerin drückt also im Februar 2020 für drei Wochen in Basel die Schulbank und absolviert darauf erfolgreich die Abschlussprüfung. Rund 3000 Franken steckt sie in diese Ausbildung. Als sie den Basler Fähigkeitsausweis ans Solothurner Amt für Wirtschaft und Arbeit schickt, kommt der Hammer: «Sie haben mir mitgeteilt, dass sie den Basler Fähigkeitsausweis nicht akzeptieren.»

Basler Abschluss genügt den Solothurnern nicht

Was sie im Februar 2020 noch nicht wusste: Basel-Stadt hat sein Gastro-Gesetz auf 2020 liberalisiert und die Prüfung stark vereinfacht. Damit entsprach der Fähigkeitsausweis nicht mehr den strengen Anforderungen von Solothurn.

Als das Konsumentenmagazin «Espresso» beim Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Solothurn nachfragt, gibt man sich zugeknöpft: «Zu Einzelfällen nehmen wir keine Stellung», heisst es in der schriftlichen Antwort. Die gesetzlichen Vorgaben seien klar.

Der Hörerin bleibt also nichts anderes übrig, als die fehlenden Fächer im Fernstudium nachzubüffeln und die Abschlussprüfung noch einmal in einem anderen Kanton zu absolvieren. Das allerdings kostet noch einmal Zeit und Geld.

Kantönligeist beim Wirten

Was es braucht, um eine Beiz zu eröffnen, ist übrigens von Kanton zu Kanton anders. In gewissen Kantonen wie Zug, Zürich oder Graubünden kann man ohne jede Vorkenntnis wirten.

Espresso, 17.12.2020, 08:13 Uhr

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11 Kommentare

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  • Kommentar von René Widmer  (Widmer)
    Ein Wirtepatent garantiert weder Sauberkeit noch gute Küche und auch nicht faire Behandlung der Angestellten. Ich bin für freies Unternehmertum und jeder soll einen Betrieb eröffnen dürfen. Die Gäste und Mitarbeiter entscheiden, ob der Betrieb gut ist. Das Wirtepatent ist reine Schikane und Geldmacherei und ein weiteres Beispiel für unseren untauglichen Föderalismus! Wo kämen wir hin, wenn für jeden Beruf in jedem Kanton erneut eine Prüfung abgelegt werden müsste...
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  • Kommentar von Hanspeter Flueckiger  (Hpf)
    wo liegt das Problem, wenn jeder Kanton sein "eigenes Süpplein" kocht? Hätte sie das Rezept lieber aus Brüssel, der UNO, oder anderen "Experten"?
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  • Kommentar von Christoph Stadler  (stachri)
    Eine Wirteprüfung garantiert leider nicht, dass der Betrieb auch nach diesen Vorschriften geführt wird - wie die Kontrollen immer wieder zeigen.
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