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In der Schweiz steigt der Widerstand gegen die Internetwährung Libra
Aus Tagesschau vom 07.11.2019.
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Wind hat gedreht Facebook-Währung ist in der Schweiz nicht mehr willkommen

Als Facebook im Juni ankündigte, in Genf die Digitalwährung Libra zu starten, löste das in Wirtschaftskreisen und zum Teil auch in der Politik Euphorie aus. Doch der Wind hat gedreht. Auch aus dem Bundesrat kommen kritische Töne.

Der Schweizer Silicon-Valley-Manager David Marcus leitete den Bezahldienst Paypal und bei Facebook den Messenger. Jetzt will er in Genf für Facebook die Digitalwährung Libra lancieren, wie er vor einem guten Monat im Westschweizer Fernsehen erklärte. «Wenn wir das gut machen, wird Libra die Finanzwelt revolutionieren», sagte Marcus. «Wir werden die Kosten für Bankgeschäfte reduzieren und 1.7 Milliarden Menschen den Zugang zum Bankensystem geben, die heute nicht solche Transaktionen machen können».

Beim Bundesrat stiess Marcus auf offene Ohren. Die Schweizer Regierung will Digitalwährungen, die auf der Blockchain-Technologie basieren, fördern. Man hofft, so der Finanzbranche neuen Schub verleihen zu können. In Zug entstand das so genannte «Krypto-Valley». Dass Libra in die Schweiz komme, sei ein «positives Zeichen für den Wirtschaftsstandort», schrieb der Bundesrat im August.

Weltweite Kritik

Doch seither hat der Wind gedreht. Einflussreiche Notenbanker kritisierten das Libra-Projekt: Die Stabilität der Währungen sei mit Libra gefährdet, man könne Libra nicht wie eine herkömmliche Währung steuern.

Die oberste US-Verantwortliche für Terror- und Finanzaufklärung reiste im September nach Bern und warnte die Schweizer Behörden. Im Oktober sprangen beim umstrittenen Facebook-Projekt dann auch die wichtigen Kreditkarten-Partner Visa und Mastercard ab.

Bundesrat kritischer

Diese Woche äusserte sich in der «Neuen Zürcher Zeitung» auch Bundespräsident und Finanzminister Ueli Maurer deutlich kritischer: «In seiner ursprünglichen Form stösst Libra international auf zu viel politischen Widerstand», resümierte der SVP-Bundesrat.

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SVP-Finanzspezialist Matter befürchtet negative Einflüsse für den Schweizer Franken
Aus News-Clip vom 07.11.2019.
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SVP-Finanzspezialist und Banker Thomas Matter doppelt nach: Die Schweiz sei gut beraten, Libra nicht zu bewilligen. Libra sei eine Gefahr für den Schweizer Franken. Da Libra mit herkömmlichen Währungen hinterlegt sei, könnte der Franken unter einen noch stärkeren Aufwertungsdruck kommen.

SP-Konsumentenschützerin und Nationalrätin Prisca Birrer-Heimo warnte schon im Sommer vor Libra. Endlich erkenne auch die Regierung die Gefahren.

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Zweifel gibt es auch von SP-Konsumentenschützerin Prisca Birrer-Heimo
Aus News-Clip vom 07.11.2019.
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«Leider erfolgt die kritische Auseinandersetzung mit den grossen Risiken von Libra spät», so Birrer-Heimo. «Die Schweiz als von Libra ausgesuchter Standort muss die Risiken einer privaten Parallelwährung aktiv angehen.»

Libra-Chef bleibt zuversichtlich

Libra-Manager David Marcus gibt sich selbstkritisch. «Die Angst vor Facebooks Grösse kann ich verstehen», sagte er gegenüber dem Westschweizer Fernsehen, «auch haben wir Fehler in der Vergangenheit gemacht». Marcus glaubt trotz weltweiter Kritik immer noch daran, dass er die Währung lancieren kann.

Die Schweizerische Nationalbank wird Libra wohl als eine Art systemrelevante Grossbank einstufen und darum mitreden, wenn es um eine Bewilligung für die Facebook-Währung geht. Die Nationalbank wird zudem Rücksprache mit anderen Notenbanken nehmen. Im Moment sind die Notenbanker dermassen skeptisch, dass Facebook kaum wie geplant bereits 2020 mit seiner Währung an den Start gehen kann.

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27 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Volkart  (Lex18)
    Facebook geh es doch nur um eine weitere Einnahmequelle. Die Skandale in letzter Zeit führten leider nicht zu einem Umdenken bei Herr Zuckerberg & Co. Von dem wo Facebook drinn steckt soll man die Finger lassen hört man immer häufiger. Ich neige dem zuzustimmen.
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  • Kommentar von Walter Matzler  (wmatz)
    Wenn man verschiedenen Informationen trauen kann, soll man mit Kripto-Währungen riesige Gewinne machen können. Irgend jemand muss in einem solchem System auch Verlierer sein, denn Gewinne ohne Verlierer gibt es nach meinen Erfahrungen nicht. Im übrigen, wo Facebook drauf steht, wird Facebook drin sein - ein weiterer Grund, mich von dem Zeug fern zu halten.
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  • Kommentar von Tom Duran  (Tom Duran)
    Es kann doch jeder selber entscheiden was er will. Ich tut NIE das, was mir diese sogenannten Experten, Youtuber und sonstige Trottel aus der Regierung empfehlen (denen geht es nur um den eigenen Gewinn), ich tue das was ICH für richtig halte.
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    1. Antwort von Christian Baumann  (Christian Baumann)
      Das Problem ist halt, dass eine intransparente Unterwanderung des Systems durch die "Trottel" stattfindet, insofern schützt der gesunde Menschenverstand des Einzelnen wenig.
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