Wyss' aussergewöhnliche Spende freut die ETH Foundation

Vorgezogenes Weihnachtsgeschenk für die ETH und die Universität Zürich: Der ehemalige Unternehmer Hansjörg Wyss ermöglicht ein neues Forschungszentrum. Für Donald Tillmann, Leiter der ETH Foundation, ist die Spende etwas Spezielles.

Das ETH-Hauptgebäude in Zürich von vorne. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Freude herrscht: ETH und Universität Zürich erhalten eine Riesenspende für ein neues Forschungszentrum. Keystone

Die ETH Zürich und die Universität Zürich gründen ein gemeinsames Forschungszentrum. Es soll eine Schnittstelle zwischen Medizin, Natur- und Ingenieurwissenschaften werden. Grosszügiger Spender ist der Mäzen und ehemalige Eigentümer der Medizinaltechnikfirma Syntes Hansjörg Wyss.

120 Millionen US-Dollar hat der Berner den beiden Bildungsinstitutionen geschenkt. Donald Tillmann, Leiter der ETH Foundation, pflegt die Partnerschaften der ETH. Seiner Einschätzung nach ist die Bedeutung dieses Betrags in der Tat sehr gross. «Das ist eine wahnsinnig hohe Summe, welche hier die ETH und die Uni Zürich gemeinsam erhalten dürfen, um dieses neue Zentrum aufzubauen.»

Mehr als sonst in einem ganzen Jahr gespendet wird

Pro Jahr erhält seine ETH Foundation zwischen 50 und 100 Millionen Franken. Unter den Zuwendungen sind auch viele Legate, Spenden von 100 Franken oder mehr. «Man muss unterscheiden zwischen ganz kleinen Spenden, die uns zukommen von verschiedenen Leuten, die etwas machen möchten, und solchen Spenden», erklärt Tillman. «Diese ganz grosse Spende von Herrn Wyss ist etwas Spezielles.»

Interview mit Donald Tillman von der ETH Foundation

5:31 min, aus SRF 4 News aktuell vom 12.12.2014

Dass Wyss ausgerechnet der ETH und der Universität Zürich unter die Arme greift, ist laut Tillman kein Zufall. «Man muss wissen: Herr Wyss hatte schon verschiedene Kontakte mit Personen an der ETH und der Universität. Er hat ja auch an der ETH studiert und kennt die ETH, die Universität und die Stadt Zürich sehr gut.»

Beide Seiten seien aufeinander zugegangen, so Tillman weiter. «Wir haben uns natürlich bemüht und ihm Projekte vorgestellt.» Projekte wie das nun geplante Zentrum. Nach vielen Gesprächen sei man sich schliesslich näher gekommen.

Etwas zurückgeben wollen als Hauptmotiv

Hansjörg Wyss ist nicht der einzige Mäzen, mit dem Tillman von der ETH Foundation zu tun hat. Er kann verstehen, wieso jemand 120 Millionen Franken verschenkt. «Ich denke, diese Philantropen haben zwei Motive. Einerseits möchten sie mithelfen, den Fortschritt in der Gesellschaft voranzutreiben.» Ihnen ginge es um das Wohl der Gesellschaft – im Fall von Wyss im medizinischen Bereich.

Porträt von Hansjörg Wyss. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Hansjörg Wyss hat selbst an der ETH studiert. Nun spendet er ihr 120 Millionen. Keystone

«Der zweite Grund ist sicher auch, dass sie etwas zurückgeben wollen», mutmasst Tillman. «Die Spender wissen, dass sie auch viel profitiert haben von der Schweiz, von der Ausbildung hier an der ETH oder der Universität Zürich.» Nachdem sie Karriere gemacht hätten, seien sie bereit, mitzuhelfen, dass etwas zurückkomme.

Das neue Zentrum heisst Wyss Translational Centre (WTZ), trägt also den Namen des Gönners. «Die ETH und die Universität haben entschieden, dieses Zentrum ihm zu widmen», sagt Tillman. «Aufgrund seines sehr hohen Engagements, aber auch in Anerkennung seiner Leistungen in der Schweiz und der Welt mit seiner Firma.»

Weiterentwicklung von Produkten

Vorgaben von ihm als Gönner, wie das Zentrum geführt werden muss oder wie es sich inhaltlich entwickeln soll, seien keine an die Spende geknüpft. «Aber die ETH, die Universität und er haben natürlich ihre Vorstellungen», so Tillman. So soll in Zürich ein Zentrum entstehen, das die Arbeit Tausender Forscher an der ETH und an der Universität schneller in Produkte-Innovationen einfliessen lasse.

«In Produkte, die es noch nicht gibt, nicht in dieser Form», ergänzt Tillman. «Die ETH und die Universität haben so etwas schon im Kleinen gestartet.» Es gebe viele Spin-off-Firmen von den Hochschulen. «Aber die ETH und die Universität möchten mehr machen. Herr Wyss hilft jetzt, dass wir wirklich einen Zacken zulegen.»