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Tierhaltung hat sich verbessert – aber es besteht weiter Luft nach oben
Aus Nachrichten vom 29.04.2021.
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Zoobericht 2020 Schweizer Tierschutz zufrieden mit Tierhaltung in Zoos

Die Haltung der Kalifornischen Seelöwen im «Zolli» Basel beispielsweise mute «wie ein Relikt aus vergangener Zeit» an, teilte der STS mit. Die Crux in Basel: Der Zoo liegt mitten in der Stadt und lässt sich deshalb räumlich nicht erweitern.

Der STS begrüsst, dass im Basler Zoo einige Tierarten aufgegeben wurden, um anderen mehr Raum zu verschaffen. Doch gebe es immer noch Luft nach oben, ein weiterer Abbau der Vielfalt wäre gemäss Tierschutz zu begrüssen. Denn mit seinen Zuchterfolgen und den vielen «durchaus gelungenen» neuen Gehegen sei der «Zolli» immer noch einer der bedeutsamsten Zoos in der Schweiz.

Chamäleon
Legende: Ein Chamäleon frisst ein Heimchen im Masoala Regenwald im Zoo Zürich. Keystone

Samuel Furrer, Leiter Fachstellen Schweizer Tierschutz, lobte auch den Masoala Regenwald im Zürcher Zoo. Diese sei eine der «besten Zooanlagen weltweit». Sie biete den Tieren viele Reize, die deren natürliche Verhaltensweisen förderten. Anlagen mit solchen Merkmalen seien wichtig für eine tierfreundliche Haltung. Der Zürcher Zoo habe in dieser Hinsicht einen Vorbildcharakter.

Kritik für Menschenaffen-Anlagen

Kritik gab es für die Zürcher hingegen für die Anlagen der Menschenaffen. Deren Ausstattung sei dürftig, heisst es im Bericht. Allerdings ist die Erneuerung der Anlagen geplant, im September wird der Zoo Zürich seine Entwicklungsstrategie für die nächsten 30 Jahre präsentieren, wie Zoo-Direktor Severin Dressen vor den Medien sagte.

Die Anlagen aus den 1980er-Jahren seien aus tierhalterischer Sicht zudem noch immer zufriedenstellend. Aus ästhetischer Sicht entsprächen sie allerdings nicht mehr dem Zeitgeist, so Dressen. «Dazwischen liegen aber auch 40 Jahre.»

Gorilla
Legende: Die Gehege der Menschenaffen im Zürcher Zoo kritisierte der Schweizer Tierschutz (im Bild: Gorillamännchen N'Gola). Keystone

Gar nicht gefallen hat den Verfassern des Zooberichts die Wildschweinanlage im Walliser Zoo Les Marécottes. Auch der Tier- und Erlebnispark Seeteufel im bernischen Studen bekommt eine Rüge: Er zeige Kaimane und Wasserschildkröten auf blankem Beton.

Generell müssten Zoos ausserdem im Bereich Pädagogik aufholen, sagte STS-Geschäftsführer Furrer. Es gebe bisher wenig bis gar keine wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse, dass sich Menschen nach einem Zoobesuch nachhaltiger verhielten oder die Thematik Tierwohl besser verstünden. «Wenn Pädagogik für Zoos so wichtig ist, dann müssen sie das wissenschaftlich belegen», so Furrer.

«Klar höheres Niveau»

Doch Lob überwiegt: Seit der letzten, 2014 veröffentlichten Recherche gebe es in Schweizer Zoos mehr Platz für die Tiere, mehr gut strukturierte Anlagen und ein zunehmendes Bewusstsein für Tierschutzanliegen.

Lob für mehrere Anlagen

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Lobende Erwähnungen gibt es zum Beispiel für den kleinen Zoo Hasel in Remigen (AG), der «eine der besten Waschbärenanlagen der Schweiz» beherbergt. Wer Braunbären und Wölfe beobachten will, der ist laut STS im Juraparc in Vallorbe gut aufgehoben.

Hervorragend seien auch die Fischotteranlage im Berner Tierpark Dählhölzli, die Grossvoliere für Alpensteinbock, Geier, Waldrapp und Alpenmurmeltier im Wildpark La Garenne in Le Vaud oder auch die Flamingoanlage im Walter Zoo in Gossau (SG).

Neu in den Zoobericht aufgenommen worden sind das Aquatis in Lausanne, das Vivarium de Meyrin, das Arosa Bärenland sowie der Vogelpark Ambigua in Zeihen.

«Erkenntnisse der modernen Tiergartenbiologie und der Druck von Tierschutz und kritischen Zoobesuchern und -besucherinnen tragen das Ihrige dazu bei, dass sich die Qualität der Tierhaltung heute auf einem klar höheren Niveau als noch vor 20 Jahren präsentiert», heisst es. Die Zeiten, in denen Wildtiere, wie Waren ausgestellt, dem staunenden Publikum präsentiert wurden, sollten definitiv vorbei sein.

SRF 4 News, 29.04.2021, 16 Uhr;

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Zoos behaupten gerne, das Zurschaustellen von Tieren in Gefangenschaft würde Menschen für den Erhalt von Tierarten sensibilisieren. Als der Zoo Berlin im Jahr 1844 als einer der ersten Zoos in Deutschland eröffnete, lebten beispielsweise in Asiens Wäldern noch weit über 100.000 Tiger. 2009 gab es weltweit nur noch 3.200 Individuen. Erst durch ein länderübergreifendes Tigerschutzprogramm und den Schutz der Lebensräume vor Ort erholt sich die Population langsam. Das gilt auch für den Bergorilla.
  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Artenschutz bedeutet vor allem, Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu schützen. Es nützt keinem Tier, in Gefangenschaft vor dem Aussterben bewahrt zu werden. Echter Tier- und Artenschutz sollte Tierindividuen und Tierarten um ihrer selbst willen schützen, nicht für die egoistischen Zwecke des Menschen. Lebensräume in der Wildnis schützen mit Park-Rangern, gibt diesen Menschen in den Ursprungsländer einen Lebensunterhalt für ihre Familien und die Tiere leben artgerecht in Freiheit.
  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    In Gefangenschaft geborene Tiger, Bären, Menschenaffen, Löwen, Giraffen, Eisbären und viele weitere Tierarten können grundsätzlich nicht ausgewildert werden. Im Zoo verkümmern ihre Instinkte, und die Tiere können wichtige Verhaltensweisen für ein Überleben in der Natur nicht erlernen. Das beständige „Lagern“ von Tieren hinter Gittern hat mit Artenschutz nichts zu tun, denn die Tiere verlieren von Generation zu Generation immer mehr natürliche Eigenschaften.