Zum Inhalt springen

Header

Audio
Göschenen sieht neue Gotthard-Grossbaustelle als Chance
Aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 29.09.2021.
abspielen. Laufzeit 04:01 Minuten.
Inhalt

Zweite Gotthardröhre Göschenen: Wieder einmal Jahrhundertbaustelle

Heute war Spatenstich für den zweiten Gotthard-Strassentunnel. Göschenen verspricht sich viel von den Bauarbeiten.

Die Sprengung, die am Mittwochvormittag das Urner Dorf Göschenen erschütterte, war bloss Show. Rund 150 geladene Gäste wohnten dem Spatenstich bei, mit dem die Bauarbeiten am Nordportal des neuen Gotthard-Strassentunnels offiziell eröffnet wurden – auch wenn sie schon vor Monaten begonnen haben und der Festakt lediglich wegen der Corona-Pandemie nicht früher stattfinden konnte.

Legende: Die grossen Bohrmaschinen fehlen noch, doch die Vorarbeiten zum Gotthard-Strassentunnel haben begonnen – hier etwa am Service- und Infrastrukturstollen. Keystone

Dennoch schafft es Göschenen mit diesem Knall ins Bewusstsein der Schweiz. Denn dieses Dorf, in dem viele Läden und Gaststätten aufgegeben und auch die Post ihre Schalter geschlossen hat, wird zu einer Jahrhundertbaustelle. Über zwei Milliarden Franken werden bis 2029 verbaut, gegen 200 Bauarbeiter und Ingenieurinnen werden sich temporär in Göschenen mit seinen knapp 500 Einwohnerinnen und Einwohnern niederlassen. Gemeindepräsident Peter Tresch sagt schmunzelnd: «Die Leute sagen, Göschenen sei ein verschlafenes Dorf. Aber die nächsten Jahre wird es mit Schlafen nicht immer einfach.»

Grossbaustellen bringen Boom nach Göschenen

Für Göschenen seien das gute Nachrichten, sagt Urban Camendzind, Urner Landammann und damit Vorsteher der Kantonsregierung. «Die guten Zeiten von Göschenen waren immer dann, wenn gebaut wurde – dazwischen wurde es wirtschaftlich jeweils schwierig.»

Die guten Zeiten von Göschenen waren immer dann, wenn gebaut wurde.
Autor: Urban Camenzind Urner Landammann

Das begann mit dem Bau des Eisenbahntunnels in den 1870er-Jahren, als die Bevölkerung von gut 400 auf fast 3000 Personen anschwoll, um danach wieder rapide zu sinken. Mit den Arbeiten zur Elektrifizierung der Gotthardbahn in den 1920er-Jahren gings erneut aufwärts mit dem Dorf, einen weiteren Boom erlebte es mit dem Bau des Strassentunnels in den 1970er-Jahren. Spätestens mit der Eröffnung des Basistunnels 2016 wurde es wieder sehr still in Göschenen – die direkten Züge in den Süden flitzen seither bereits bei Erstfeld in den Berg.

Kein Wunder, erhofft sich Göschenens Gemeindepräsident Peter Tresch von der neuen Baustelle wirtschaftliche Impulse. Die Tunnelarbeiter werden im Dorf einkaufen und Lokale besuchen, zudem entstehen Arbeitsplätze für Einheimische – etwa im neuen Informationszentrum oder der Kantine für die Tunnelarbeiter.

Göschenen will Schwung für Zukunft nutzen

Tresch denkt aber bereits über die Bauzeit hinaus. So sei eine Unterkunft für die Mineure so konzipiert, dass sie weitergenutzt werden könne, wenn die Arbeiter weitergezogen sind; denkbar seien eine Jugendherberge oder Wohnungen für Betagte. Auch das Informationszentrum soll weiter genutzt werden, etwa für Ausstellungen.

Tresch hat dabei ein weiteres Projekt im Hinterkopf: jenes der «Verkehrsdrehscheibe Göschenen». Der Bahnhof Göschenen soll umgebaut werden, damit Touristinnen und Touristen das Ferienressort in Andermatt besser erreichen können. Im Gespräch ist auch eine Seilbahn direkt ins dortige Skigebiet. «Darum wollen wir, dass nach der Baustelle etwas bleibt», sagt er. «Das hilft uns, zu einem Ort zu werden, an dem die Leute nicht einfach umsteigen, sondern auch mal ein paar Franken ausgeben.»

Legende: Im Zentrum von Göschenen: Das Dorf will mehr sein als bloss ein Ort, an dem Zugpassagiere umsteigen. Keystone

Doch zunächst muss Göschenen mit dem Lärm der Baustelle klarkommen, mit der Staubentwicklung, dem Verkehr. «Letztlich überwiegt im Dorf aber die Freude», sagt Gemeindepräsident Tresch. «Zum Beispiel darüber, dass neue Leute hierherkommen und es interessante Kontakte gibt.»

Dass unter den Bauarbeitern potenzielle Neuzuzüger sind, glaubt Tresch jedoch weniger. «Es würde mich freuen, aber die Erfahrungen von früheren Baustellen zeigen eher das Gegenteil – nämlich, dass die eine oder andere Einwohnerin mit einem der Mineure wegzieht.»

 

Regionaljournal Zentralschweiz, 29.9.2021, 17:30 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

19 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von Werner Aeschlimann  (wernz)
    Das Nadelöhr dort oben macht Sinn. Ohne Bremswirkung knallt die Blechlawine in Luzern auf. Die Innerschweizer würden daran kaum Freude haben. Umgekehrt würde sich Chiasso verschlimmern. Eigentlich ist es egal, wer Auto fährt weiss was los ist.
  • Kommentar von Heinz Michel  (Joshuatree)
    Die zweite Röhre macht sicher Sinn für die Sicherheit aber man müsste sie in den haupteisezeiten 4 Spuren öffnen : da würde Stau verhindert und Co2 gespart da sowieso die meisten im Stau stundenlang den Motor laufen lassen wegen den Klimaanlagen! Der Verkehr wirde leider eher zunehmend als abnehmen!
    1. Antwort von Lukas Gubser  (Mastplast)
      Die Alpeninitiative verbietet solches Vorgehen sonnst müsste der Tunnel einfach geschlossen bleiben wenn das Kontigent Fahrzeuge überschritten ist.
    2. Antwort von Klaus KREUTER  (SWISSKK)
      Kann man mal denen vertrauen die sich tagtäglich mit dem Problem befassen?
    3. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Heinz Michel: Ja der Autoverkehr wird zunehmen, wenn man weiterhin keinerlei Kostenbeteiligung vom Verkehrsbenutzer verlangt. Wenn die Schweizer Autobahnen weiterhin für eine Jahrespauschale von Fr. 40.-- benutzt werden können und zusätzlich die Gotthardautobahn mit zwei Tunnels ausgebaut wird, überlegt sich keiner, ob er statt des Autos, den Zug nach Lugano nehmen soll.
  • Kommentar von René Burkhard  (NeuYork)
    Mit dem vielen Geld könnte endlich das Aatal Nadelöhr zwischen Uster und Hinwil geschlossen werden. Anwohner und Verkehrsteilnehmer wären nach bald dreissig Jahren endlich erlöst von dieser unsäglichen Qual. Aber Halt - Einspruch!
    1. Antwort von John Hums  (Huis)
      Meinen Sie damit die zwei Autobahnen miteinander zu verbinden? Das wäre eine grosse Erleichterung für alle. Pendler, Bewohner, etc.
    2. Antwort von René Burkhard  (NeuYork)
      Ja Herr Hums, genauso diese fehlende Zusammenführung beider Enden. Welche wie viele Projekt-Millionen schon verschlungen hat? Ohne auch nur im Ansatz einer Lösung nahe.
    3. Antwort von Alessandro Guardia  (Ale.)
      Das viele Geld würde bei der Oberland Autobahn überhaupt nichts bringen, da das Geld ja nicht das Problem ist. Aktuell sieht es aber wieder danach aus als würde das bald was werden, mal sehen.
    4. Antwort von Thomas Hinz  (FrediHinz)
      Die Oberlandautobahn - Ein leidiges Thema

      Nachdem im letzten Anlauf vor einigen Jahren gefühlt alles mögliche für den Umweltschutz getan wurde (quasi im gesamten Moorgebiet würde die Autobahn im Tunel verlaufen), war dies für die Ansprüche des Schweizer Umweltschutzes noch immer nicht gut genug. Ein Eiertanz sondergleichen...