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Zweite SRG-Umfrage Knappes Ja – Individualbesteuerung büsst an Zustimmung ein

  • Die Zustimmung für die Individualbesteuerung geht zurück, wie die zweite SRG-Umfrage zeigt.
  • Die Argumente gegen die Vorlage sind bei der Meinungsbildung stärker in den Fokus gerückt.
  • Wäre am 14. Februar abgestimmt worden, hätten noch 52 Prozent der Stimmberechtigten für die Vorlage gestimmt – 44 Prozent dagegen.

Im Vergleich zur ersten SRG-Umfrage vom 18. Januar ist der Ja-Anteil um 12 Prozentpunkte zurückgegangen. Das sei eine deutliche Abnahme, sagen die Politikwissenschaftler des Forschungsinstituts GFS Bern.

Die Meinungen sind lediglich «mittelgefestigt». Das heisst, die Menschen können noch umgestimmt werden. So sieht GFS Bern Raum für die Entfaltung der Abstimmungskampagnen.

Das fordert die Individualbesteuerung

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Zwei Hände mit Eheringen, die sich halten.
Legende: KEYSTONE/DPA/Rolf Vennenbernd

Mit der Vorlage sollen künftig auch Verheiratete individuell besteuert werden – so wie Unverheiratete heute. Damit soll der Steuertarif für alle angeglichen, die sogenannte Heiratsstrafe abgeschafft werden. Um Familien mit Kindern und Alleinerziehende durch die Änderung nicht zu stark zu belasten, wird der Kinderabzug bei der direkten Bundessteuer erhöht.

Die Vorlage soll die Steuerpflichtigen laut dem Bund bei der direkten Bundessteuer um insgesamt schätzungsweise 630 Millionen Franken pro Jahr entlasten. Auch die Kantone müssen die Individualbesteuerung einführen.

Die Vorlage ist ein indirekter Gegenvorschlag zur Volksinitiative «Für eine zivilstandsunabhängige Individualbesteuerung (Steuergerechtigkeits-Initiative)».

Der Rückgang der Zustimmung zeigt aber, dass die Argumente gegen die Individualbesteuerung zunehmend verfangen. «Am Anfang gab es Kritik an mehr Bürokratie. Jetzt ist es mehr und mehr auch die Frage nach den individuellen Profiten und eben auch Verlusten», sagt Lukas Golder, Co-Leiter von GFS Bern.

Die Zweifel an der Vorlage würden immer mehr Platz in der Debatte einnehmen. «Die Menschen rechnen nun sehr genau und befürchten auch Nachteile für einzelne Gruppen», sagt Golder.

Laut Golder haben die Gegenargumente vor allem im bürgerlichen Lager verfangen. Die zweite SRG-Umfrage zeigt, dass sich die Zustimmung entlang der Parteienbindung verschoben hat: Bei der SVP-Basis ist der Nein-Anteil um 19 Prozentpunkte gestiegen. Auch bei der Mitte ist der Ja-Anteil markant gesunken. Beide Parteien haben die Nein-Parole gefasst.

Bei der FDP ist der Nein-Anteil deutlich gewachsen – noch überwiegt aber die Zustimmung. So auch im links-grünen Lager, wo der Nein-Anteil auch leicht zugenommen hat.

Noch relativ deutlich für die Individualbesteuerung sind die Parteiungebundenen. Bei ihnen stehen gemäss GFS Bern Überlegungen zur eigenen finanziellen Situation im Vordergrund. Die Mobilisierung dieser Gruppe dürfte auch den Ausgang an der Urne prägen.

Unterschiede zeigen sich beim Regierungsvertrauen: Bei Personen, die dem Bundesrat Vertrauen schenken, überwiegt der Ja-Anteil – er ging aber klar zurück. Bei Personen mit Misstrauen kippt die Mehrheit deutlich ins Nein.

Zustimmung bröckelt in allen Schichten

Ein Rückgang bei der Zustimmung zur Individualbesteuerung ist über alle Altersgruppen hinweg zu beobachten. Auch beim Haushaltseinkommen ist die Tendenz zu einer sinkenden Zustimmung und einem wachsenden Nein-Anteil durchgängig. Dies deutet darauf hin, dass die Bedenken gegenüber der Vorlage nicht auf bestimmte demografische oder wirtschaftliche Gruppen beschränkt sind, sondern breit in der Bevölkerung verankert sind.

Bei den Frauen findet die Vorlage weiterhin eher Zustimmung. Bei den Männern ist die Ja-Mehrheit im Vergleich zur ersten SRG-Umfrage weggefallen. In der Deutschschweiz hat die Unterstützung spürbar abgenommen, in der französischsprachigen Schweiz ist sie vergleichsweise stabil geblieben.

Die Gleichstellung bei der Abschaffung der Heiratsstrafe sei ein wichtiges Pro-Argument geblieben, sagt Golder von GFS Bern. Inwieweit es sich gegen die aufkommenden Zweifel an der Vorlage durchsetzen kann, wird sich zeigen.

Die Eckwerte der SRG-Umfrage

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Die Umfrage zu den Abstimmungen vom 8. März ist im Auftrag der SRG SSR vom Forschungsinstitut GFS Bern zwischen dem 11. und dem 19. Februar 2026 durchgeführt worden. Insgesamt wurden die Antworten von 11'754 Stimmberechtigten für die Auswertung berücksichtigt.

Der statistische Fehlerbereich beträgt ± 2.8 Prozentpunkte. Das heisst: Bei einem Ergebnis von 50 Prozent liegt der effektive Wert mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit zwischen 47.2 und 52.8 Prozent. Dabei sind kleinere Abweichungen wahrscheinlicher, grössere unwahrscheinlicher.

Telefonische Befragung

Telefonisch befragt wurden 505 stimmberechtigte Personen. Diese Stichprobe ist sprachregional gewichtet und repräsentativ für die Schweizer Stimmberechtigten.

Online-Befragung

Zusätzlich konnten online Angaben von 10'744 Personen verwendet werden. Die Teilnehmenden wurden über die Webportale der SRG rekrutiert. Via Social Media konnten Angaben von 505 Personen verwendet werden.

Da sich die Teilnehmenden der Umfrage selber rekrutieren (sogenanntes Opt-in-Verfahren), ist die Zusammensetzung der Stichprobe nicht repräsentativ für die Grundgesamtheit. So nehmen zum Beispiel typischerweise mehr Männer als Frauen an politischen Umfragen teil. Diese Daten werden aber mittels Gewichtungen an die realen Verhältnisse der Stimmberechtigten angenähert. Es werden dabei räumliche (Wohnort), soziodemografische (Alter oder Geschlecht) und politische Gewichtungsfaktoren eingesetzt. Durch diese Gewichtung wird die Repräsentativität der Stichprobe optimiert. Ziel ist, auch die Stichprobengrösse in der französisch- und italienischsprachigen Schweiz zu erhöhen.

Weitere Informationen finden Sie auf der Seite von GFS Bern.

Abstimmungsdossier

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SRF 4 News, 25.2.2026, 6 Uhr;flal/brus

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