Die im Chat wiedergegebenen Aussagen entsprechen nicht zwingend der Position von SRF. Sie stammen von den Gästen des «SRF Club». Die wichtigsten Fragen des Chats werden zu einem späteren Zeitpunkt von den SRF-Korrespondentinnen und -Korrespondenten beantwortet.
Chat-Protokoll:
Wie präsent ist das Ukraine-Dossier noch auf der politischen Weltbühne? Wurde es etwas verdrängt?
Thomas Greminger: Es ist sicher so, dass andere Themen den Krieg gegen die Ukraine auf dem politischen Radar nach unten gedrängt haben. Stichworte hierzu wären der Gaza-Krieg, die amerikanische Zollpolitik, Venezuela, die Auseinandersetzung mit Grönland oder die Zuspitzung des Konflikts mit dem Iran. Trotzdem ist festzuhalten, dass Washington das politische Moment für die Ukraine-Verhandlungen weiterhin hochhält.
Was denken sie, kommt der Frieden in der Ukraine noch dieses Jahr? Was wären die wichtigsten Meilensteine?
Margarita Antoni: Ich fürchte dieses Jahr sind die Chancen auf Frieden gering. Der zentrale Meilenstein dafür wäre die Bereitschaft Russlands zu Frieden mittels eines Waffenstillstandes oder zumindest des Stopps des Terrors gegen zivile Bevölkerung. Solange Russland die Aggression verstärkt, sind Gespräche zu Frieden leider nur Gespräche.
Immer wieder liest man, dass neue Sanktionen gegen Russland erwogen werden. Warum sind noch zusätzliche Sanktionen notwendig, eigentlich müsste Russland längst von sämtlichem Handel etc. abgeschnitten werden, Erdöl und Gas dürften schon lange nicht mehr bezogen werden und sämtliche Lieferungen in dieses Land müssten auch tabu sein.
Thomas Greminger: Russland ist sehr geschickt darin, Sanktionen abzufedern und zu umgehen. So beispielsweise mit ihrer Schattenflotte. Zudem gibt es eine ganz Reihe von Ländern, die Umgehungsgeschäfte zulassen. Jüngste westliche Sanktionspakete zielten in erster Linie darauf ab, solche Umgehungsmöglichkeiten zu verhindern.
Wie sind die Berichte/Einschätzungen zum Krieg, der Ukraine und Russland von Dr. Marcus Keupp (ETH) oder Thorsten Heinrich einzuschätzen?
Margarita Antoni: Beide sind anerkannte Experten, welche die aktuellen militärischen Entwicklungen analytisch einordnen. Heinrich betont stets, dass Russland mit enormen Verlusten und keinen Erfolgen kämpft. Er bringt damit die Fakten auf den Tisch, welche den Mythos von „russischer Stärke“ widerlegen. Betont stets, dass Ukraine anhaltend und rechtzeitig Unterstützung braucht. Keupp ordnet stets die Bedeutung der Wirtschaft ein – diese entscheidet den Krieg mindestens genauso wie Taktik. Taktisch beurteilt auch er Russland als schwach.
Man sieht sehr viele einzelne Beiträge zum Thema. Diese gehen aber meist auf ein spezifisches Detail ein. Wie kann man sich am besten einen Top-Down Überblick verschaffen, welcher allgemein den aktuellen Stand der Dinge zeigt? Z.B. wenn man sich seit längerem nicht mehr mit dem Thema befasst hat.
Margarita Antoni: Da die Lage sich ständig verändert, ist dies in der Tat eine gute Frage, welche ich nur schwer direkt beantworten kann. Persönlich lasse ich mir monatlich den Überblick über alle Schlagzeilen zur Ukraine in den Schweizer öffentlich-rechtliche Medien erstellen (KI) – um sicherzustellen, keine Entwicklung verpasst zu haben. Dabei gilt weiterhin, dass der Diskurs mit weiteren Experten zentral bleibt, um zu den richtigen Schlussfolgerungen zu kommen.
Warum glaubt der Westen immer noch, dass Putin an Friedensgesprächen interessiert ist? Jedes Gespräch ist Zeitverschwendung und nützt nur Russland, weil Putin nur das Interesse an der Übernahme der Ukraine hat und ihm die Verluste an Menschen egal ist. Der Westen soll sich darauf einstellen!
Margarita Antoni: Weil wir als demokratische Gesellschaft unsere Werte vorleben. Gespräche suchen und diplomatische Wege ermöglichen, bleibt zentral. Die Diplomatie hat allerdings keine Chance, wenn Russland nicht parallel dazu gezwungen wird – und da Russland nur die Sprache der Stärke und Abschreckung versteht, laufen wir wohl oder übel in das gleiche Modell wie wir dies im kalten Krieg hatten. Wir brauchen einen starken Westen, um den Grössenwahn Russlands in Schach zu halten.
Warum darf ein Staat der offensichtlich neutral ist, keine Waffen liefern, wenn schon gewisse Firmen über andere Teile an die Russen liefern? Rolle Russland UNO?
Margarita Antoni: Die russischen „Fäden“ reichen leider teilweise tief in Schweizer Systeme ein. Aktuell gibt es gefühlt mehr Ausreden, warum transparentes Reporting zur Umsetzung der Sanktionen so schwer ist – als effektive Massnahmen für die Umsetzung dieser. Hier wäre das Einfordern von der Politik wichtig. Zum Thema UNO: keinem Land der Welt wurden je so viele weltpolitische Zugeständnisse gemacht, wie Russland in den 90er und 2000er Jahren. Schulden wurden verziehen. Russland hat einfach so den Sitz der UdSSR in der UNO übernommen. Es half nichts. Aktuell hat Russland diesen „Goodwill“ dazu genutzt, die friedensstiftenden internationalen Instrumente der UNO zu blockieren.
Frage an Herrn Greminger: Was bringen diplomatische Bemühungen überhaupt noch? Haben sie je etwas gebracht?
Thomas Greminger: Solange die Parteien gewillt sind, die Entscheidung auf dem Schlachtfeld zu suchen, werden diplomatische Bemühungen nur beschränkte Wirkung erzielen können. Beispielsweise zur Einigung auf vertrauensbildende Massnahmen (Gefangenenaustausch, Kinderrückführungen, Schwarzmeer-Getreide-Abkommen). Kommen die Parteien zum Schluss, dass mit militärischen Mitteln keine weitere Vorteile mehr zu erzielen sind, können diplomatische Bemühungen zu einem Waffenstillstand und zur Konfliktlösung beitragen. Es ist wichtig, über diplomatische Kanäle ständig auszuloten, ob eine solche Bereitschaft besteht.
Warum wird es immer noch so dargestellt, als ob Russland wirklich eine Chance hätte. Die einzige Chance die Russland hat, ist dass wir glauben das Russland eine Grossmacht ist, wenn dieser Glauben zerstört wird, gewinnt die Ukraine. Wäre schön, wenn ihr mal bei Mark Reicher und Torsten Heinrich recherchieren würdet. Die beiden haben schon vor 4 Jahren richtig gelegen.
Thomas Greminger: Russland wird eine hochgerüstete Nuklearmacht bleiben, auch wenn sie nicht in der Lage ist, die Ukraine zu besiegen. Im Moment deutet alles darauf hin, dass keine der beiden Seiten den Krieg militärisch für sich entscheiden kann.
BBC hat berichtet, dass der Dritte Weltkrieg kurz bevorsteht? Wie sehen sie das?
Margarita Antoni: Ich würde hier auch auf die Kommentare von Georg Häsler von NZZ verweisen – wir sind mittendrin! Der Krieg sieht heute allerdings anders aus, als wir dies aus den Geschichtsbüchern kennen. Er kommt schleichend, hybrid und eskaliert ganz langsam.
Wie vergleichbar ist dieser Krieg mit anderen Krisen und Konflikten, was macht ihn speziell? Frage vermutlich für Herrn Nahr.
Dominic Nahr: Ein grosser Unterschied zu vielen anderen Konflikten, die ich dokumentiert habe, ist die Stabilität der Frontlinie. In anderen Kriegen hat sich die Front teilweise stündlich verschoben, und es war manchmal möglich, beide Seiten zu dokumentieren. In der Ukraine hingegen verläuft die Front über eine sehr lange Strecke und bewegt sich oft nur sehr langsam. Was sich dafür sehr schnell verändert, ist die Art, wie dieser Krieg geführt wird. Ich habe noch keinen Konflikt erlebt, in dem sich die Bedingungen vor Ort so rasch wandeln. Soldaten müssen sich ständig an neue Gefahren anpassen, und das gilt auch für uns Journalisten. Besonders prägend ist der Einsatz von FPV-Drohnen. Sie haben den Krieg grundlegend verändert. Es gibt kaum noch Orte in Frontnähe, die wirklich sicher sind. Das macht die Arbeit schwieriger, aber es ist entscheidend, weiterhin zu dokumentieren, was geschieht.
Wie sieht die Wirtschaftslage von Russland aus und wie ist die Stimmung in deren Bevölkerung?
Thomas Greminger: Die Kriegswirtschaft hat bisher recht gut funktioniert und auch Sanktionen konnten bisher relativ gut verkraftet werden. Es mehren sich jedoch die Anzeichen dafür, dass die Kriegswirtschaft kein nachhaltiges Modell ist. Beispielsweise ist die Inflation für die Bevölkerung nun eindeutig spürbar geworden. Der Zugang zu Technologie ist eingeschränkt und behindert die Innovationsfähigkeit der Wirtschaft. Dies schwächt das Wirtschaftswachstum weiter ab. Zudem werden die Haushalte in Russland durch die Erhöhung staatlicher Gebühren belastet. Dies schränkt die Kaufkraft der russischen Bevölkerung ein.
Die Nato mit Stoltenberg lagen ja vor dem Krieg mit ihren Rüstungsumsätzen an einem historischen Tiefpunkt, sie musste also etwa unternehmen. Stoltenberg bot dann der Ukraine eine Mitgliedschaft an, sicher im Wissen, wie dann Putin reagieren wird. Deshalb frage ich mich, warum man den unsäglichen Russischen Angriffskrieg nicht auch den Stoltenberg Provokationskrieg nennt. Eine weitere Alternative wäre Selenskis Ablenkungskrieg nennen, der stand ja innenpolitisch auf sehr wackligen Füssen.
Margarita Antoni: Weil – bei allen spannenden Spekulationen in dieser «Frage» – ein Fakt klar und deutlich bleibt. Russland hat die Ukraine angegriffen. Russland greift die Ukraine jeden Tag an. Russland sendet Bomben auf Kindergärten, Spitäler, Wohnblöcke. Russland zerstört klar die Versorgungssicherheit der zivilen Bevölkerung. Russland verschleppt ukrainische Kinder. Russland foltert Gefangene. Russland zwingt Ukrainern in besetzten Gebieten russische Pässe auf. Ob Sie nun Zelensky mögen oder nicht…Ob Sie nun gern vergessen, dass NATO ein Bündnis zur Verteidigung ist – nicht Angriff: es ist russischer Aggressionskrieg gegen die souveräne Ukraine.
Wie verlässlich ist die Medienerstattung zum Krieg in der Ukraine? In welchem Ausmass lässt sich das tatsächliche Geschehen überhaupt seriös einschätzen und worauf kann man sich wirklich verlassen?
Dominic Nahr: Entscheidend ist, den Quellen zu vertrauen, die man liest. Bei der NZZ weiss ich aus eigener Erfahrung, wie sorgfältig gearbeitet wird. Ich bin dort als Staff-Fotograf tätig und reise mehrmals pro Jahr in die Ukraine. Meine Arbeit vor Ort ist nur ein Teil des Prozesses. Ebenso wichtig ist die Arbeit der Redaktoren und Journalisten in Zürich, die Informationen prüfen, einordnen und im grösseren Zusammenhang verständlich machen. Lokal ist es ebenfalls sinnvoll, ukrainische Medien zu verfolgen, da sie sehr nah am Geschehen sind. Gleichzeitig berichten sie aus ihrer eigenen Perspektive, was man immer mit berücksichtigen muss. Sehr vorsichtig sollte man mit Social Media umgehen. Dort werden Bilder und Informationen oft ohne klare Verifikation verbreitet. Deshalb ist es wichtig zu wissen, wem man folgt und ob die Quelle vertrauenswürdig ist. Die Realität in der Ukraine ist komplex. In vielen Regionen funktioniert der Alltag weiter. Gleichzeitig gibt es täglich Angriffe im ganzen Land, die Soldaten und vor allem Zivilisten gefährden. Diese Bedrohung ist real, physisch und psychisch, und prägt das Leben der Menschen dauerhaft. Die Realität ist täglich spürbar, auch wenn man nicht jeden Tag die News verfolgt.
Wie geht man als Kriegsfotograf mit solchen Sachen um?
Dominic Nahr: Ich arbeite seit über 20 Jahren als Fotograf in Konfliktgebieten. Das Wichtigste ist für mich, dass ich weiss, warum ich dort bin und welchen Auftrag ich habe. Dieses Bewusstsein hilft, mit diesen Situationen umzugehen. Es ist nichts im Vergleich zu dem, was die Menschen vor Ort durchleben, denn ich kann wieder gehen und Pausen machen. Zivilisten und Soldaten in der Ukraine haben diese Möglichkeit nicht. Als ich jünger war, bin ich oft von einer Geschichte direkt zur nächsten gegangen, auch um nicht verarbeiten zu müssen, was ich gesehen hatte. Das hat sich mit der Zeit verändert. Heute nehme ich mir bewusst Pausen und schaffe mir Raum, um mich zu erholen. Was schwieriger ist, ist das Gefühl, nicht genug getan zu haben oder nicht dort zu sein, wenn etwas geschieht. Mit dieser Form von Schuld umzugehen, ist oft belastender als das reine Beobachten und Dokumentieren.
Warum boykottieren ausgerechnet die ehemaligen sowjetischen Staaten wie Ungarn und Slowakei die Anstrengungen der EU zur Abwehr der russischen Einflussnahme. Wenn ich an die Vorkommnisse von 1956 und 1968 denke, verstehe ich es nicht. Auch verstehe ich nicht, warum die EU nicht den Ausschluss von Ungarn erwägt. Orban behauptet, die EU sei der Feind von Ungarn
Thomas Greminger: In beiden Ländern sind rechtspopulistische Regierungen an der Macht, welche den gesamteuropäischen Verteidigungsanstrengungen gegenüber skeptisch eingestellt sind. Ein struktureller Faktor dafür sind die immer noch hohen Abhängigkeiten dieser Länder von russischem Öl und Gas. Trotzdem könnte sich diese Ausrichtung durch einen Regierungswechsel ändern.
Die Verteidigungsausgaben Europas waren gesamthaft seit jeher höher als die russischen. Sind es russische Tieflohnbedingungen oder eine unglaubliche Ineffizienz der Europäer (obschon doch Europa Russland an wirtschaftlicher Effizienz weit übertrifft) die zur Folge haben, dass Europa als militärischer Zwerg dasteht und offenbar zittern muss? Was macht hier den entscheidenden Unterschied?
Thomas Greminger: Europa ist kein militärischer Zwerg und zudem stark am Aufrüsten. Aber gleichzeitig sind europäische Militärausgaben immer noch stark nationalstaatlich ausgerichtet. Dies ist sicherlich eine der Schwächen der Europäer die es zu überwinden gilt. Entsprechende Bemühunge sind im Gang (SAFE, etc.).
Es heisst, Russland habe auf Kriegswirtschaft umgestellt. Was bedeutet das genau und welche Gefahren könnten für Europa und die Schweiz davon ausgehen?
Margarita Antoni: Ganz einfach bedeutet dies, dass Russland Krieg als Ziel hat – nicht Frieden. Russische Aggression nicht stoppen ist aktuell die grosse Gefahr für Europa – und Schweiz
Kennen Sie die Aussagen von Jens van Scherpenberg et al? Ist es zu zynisch, zu behaupten, dass Europa an einer möglichst langen Weiterführung des Kriegs interessiert ist, da so die russischen Truppen verschleisst werden?
Margarita Antoni: Ich denke bei solchen spekulativen Aussagen lohnt sich stets im Blick zu haben, dass Europa Russland nicht angegriffen hat. Russland hat die Ukraine angegriffen und droht stets mit Nuklearwaffen gegenüber allen Unterstützenden Ländern.
Die Ukraine wehrt sich seit mehreren Jahren hartnäckig gegen den Angriffskrieg von Russland. Klar ist, dass Russland über wesentlich mehr (potenzielle) Soldaten verfügt. Ist es realistisch, dass es aufgrund der Ressourcen (Solaten/Waffen) irgendeinmal sinngemäss zu einem Dammbruch kommt und die Ukraine von Russland innert kurzer Zeit komplett überrannt wird?
Margarita Antoni: Die Frage basiert auf mehreren Annahmen. Russland hat mehr Menschen, aber ist dennoch auf Rekrutierungen in Afrika, Nordkorea etc. angewiesen – bis zu Fällen von Betrug ausländischer Bürger und Zwangsrekturierung. Russland fördert traditionell ein stark repressives System in der Armee – Dedowshina. Ukraine hingegen hat ein System, welches Ausbildung der Soldaten ermöglicht und Menschenleben priorisiert. Ganz platt – ukrainische Soldaten haben sehr viel höhere Überlebenschancen und sind besser ausgebildet. Die Hypothese, dass Russland Ukraine schnell überrennen wird, ist im Februar 2022 verworfen worden.
Wie kann ich die ukrainische Verteidigung aus der Schweiz unterstützen?
Margarita Antoni: Als neutrales Land können wir aus der Schweiz nicht direkt in die Verteidigung investieren, zumindest aktuell nicht. Was mindestens genauso zentral ist, wäre die Unterstützung der Widerstandsfähigkeit der Ukrainer mit dem Support der Gemeinden, Städte, Regionen. Als Organisation kommen Sie auf die Support and Recovery Platform. Die Plattform ist unterstützt vom Bund, aktuell im Aufbau und wird genau Schweizer Organisation einen einfachen Weg bieten die Ukraine zu unterstützen.
Wie ist das in Kriegsgebieten, können Sie gut unterscheiden zwischen «als Voyeurist» und als Dokumentalist betrachtet zu werden? Oder hinterfragen Sie das manchmal selbst? (Mit grösstem Respekt gemeint, vielleicht etwas unglücklich formuliert)
Dominic Nahr: Das ist eine sehr wichtige Frage. Ich denke, es hat viel mit der eigenen Motivation zu tun. Für mich ist klar, warum ich dort bin und warum ich dokumentiere. Dieses Bewusstsein gibt mir eine klare Orientierung und Verantwortung. In der Situation selbst geht vieles sehr schnell, und man funktioniert teilweise im Autopilot. Ein Teil ist technisch, ein Teil ist emotional. Man reagiert auf den Moment, auf das Licht, auf die Situation und auf die Verbindung zu den Menschen vor Ort. In dieser Intensität ist es nicht immer sofort möglich zu erkennen, wie grafisch oder belastend ein Bild tatsächlich ist. Oft wird mir das erst später bewusst, wenn ich zurück bin und die Bilder am Laptop in Ruhe anschaue. Dann stellt sich die Frage, ob ein Bild zur Veröffentlichung geeignet ist oder ob es zu weit geht und in den Bereich des Voyeurismus führen könnte. Es ist unsere Verantwortung als Fotografen, die Würde der Menschen zu schützen. Diese Verantwortung setzt sich im gesamten Prozess fort. Auch die Editoren bei der NZZ prüfen die Bilder sorgfältig und achten darauf, dass die Berichterstattung respektvoll bleibt und nicht zu einer Form von Voyeurismus wird.