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Wie die Schweizer Industrie den Frankenschock verdaut hat
Aus Tagesschau vom 14.01.2020.
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5 Jahre ohne Euro-Mindestkurs «Wir wussten sofort: Das geht voll auf die Marge»

Vor fünf Jahren hat die Nationalbank den Euro-Mindestkurs aufgegeben. Das war ein Schock für die Exportwirtschaft.

Den 15. Januar 2015 wird Daniel Arn, Chef der Firma Christen Zahnradfertigung, so schnell nicht vergessen. Nationalbank-Präsident Thomas Jordan gab damals bekannt, dass er den Euro-Mindestkurs von 1.20 Franken ab sofort nicht mehr verteidigen will. Die Währung sackte in der Folge ab.

Schweizer Produkte auf einen Schlag teurer

«Wir wussten sofort: Das geht voll auf die Marge», erinnert sich Arn. Und so ging es denn auch nicht lange, bis sich die ersten Kunden bei ihm meldeten und Euro-Rabatte verlangten. Denn die meisten seiner Kunden sind Schweizer Unternehmen, die Maschinen ins Ausland exportieren. Dort waren ihre Produkte auf einen Schlag zehn Prozent teurer.

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Daniel Arn war geschockt
Aus News-Clip vom 14.01.2020.
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Die Firma Christen produziert Zahnräder, die in der Maschinenindustrie gefragt sind. Sie beschäftigt rund 40 Angestellte. Die wirtschaftliche Lage damals – Anfang 2015 – beschreibt der Geschäftsführer als «solide», aber der Frankenschock stellte die Firma komplett überraschend vor Probleme.

Daniel Arn sah sich gezwungen, Massnahmen zu ergreifen: «Ein Stellenabbau kam nicht in Frage. Aber wir haben entschieden, dass wir zwei Stunden pro Woche länger arbeiten.» Unbezahlt notabene, damit das gleiche Personal mehr produzieren konnte. Dieser Ausnahmezustand galt für rund ein halbes Jahr. Gleichzeitig stellte Arn Investitionen in den Maschinenpark zurück und begann damit, die Produktion weiter zu automatisieren.

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Die bewegte Geschichte des Euro-Franken-Kurses
Aus Tagesschau vom 14.01.2020.
abspielen. Laufzeit 1 Minute 59 Sekunden.

Frankenschock führt zu Kulturwandel

Heute blickt der Firmenchef auch mit Stolz auf die letzten Jahre zurück. Er habe sich auch schon gefragt, weshalb er nicht schon viel früher aktiv geworden sei: «Es war wie ein Kulturwandel, der stattfinden musste. Heute ist es eine Selbstverständlichkeit.»

Die Firma Christen steht exemplarisch für die Schweizer Industrie, die schwere Zeiten hinter und vor sich hat. Die Konjunktur-Aussichten in der Branche haben sich eingetrübt. Wer sich in den Zeiten des Euro-Franken-Schocks fit gemacht hat, hat nun die besseren Karten.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Ulrich Zimmermann  (Crocc)
    Der Frankenschock ist keineswegs überstanden. Wir sind eine teure Preisinsel im Welthandel und riskieren damit unsere Vollbeschäftigung. Export, Tourismus, Landwirtschaft, etc. brauchen Subventionen und Steuererleichterungen. Unser Alleingang in Europa macht uns zur Fluchtwährung, die mit Devisenkäufen kaum mehr zu schützen ist. Ein Nachteil des offenen Welthandels zeigt sich mit den Negativzinsen, weil jede Volkswirtschaft ihren Unternehmern eine konkurrenzfähige Finanzierung ermöglichen.
  • Kommentar von Nicolas Dudle  (Nicolas Dudle)
    So lange es nur "voll auf die Marge" geht, besteht kein Grund zur Sorge. Vielmehr zeigt es, dass das System Luft hätte, sich selbst zu mässigen. Aber mit jeder "freiwilligen Selbstverpflichtung" ist es immer dasselbe: Eine Verpflichtung kommt immer von aussen, und eine Verpflichtung ohne schmerzliche Konsequenzen bei Nichteinhaltung ist nichts wert.
  • Kommentar von Wadelda Pip  (W. Pip)
    Gottseidank gab es den Frankenschock. Sonst wäre das Wirtschaftswachstum noch gestörter (und die Auswirkungen, auch auf das Klima, noch übler).