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CH/D/OE: Mit unterschiedlichen Rezepten gegen die Krise
Aus SRF 4 News aktuell vom 30.06.2020.
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Abfederung der Coronakrise Nein zu Konjunkturprogrammen: Die Schweiz macht es anders

Anders als Deutschland und Österreich setzt die Schweiz nicht auf Konjunkturprogramme. Wie ist die Skepsis zu erklären?

Einiges haben die Volkswirtschaften der Schweiz, Deutschlands und Österreichs gemeinsam, wenn es um die Bewältigung der Pandemiefolgen geht: Zum einen dürften sie von der Krise allesamt weniger hart getroffen werden als andere Länder. Zum anderen rutschen sie mit geordneten Staatsfinanzen in die Krise. Das Geld ist vorhanden, um das Schlimmste zu verhindern.

Doch bei der Verwendung des Geldes zeigen sich Unterschiede. Die Schweiz setzt auf Soforthilfe: Kurzarbeit und Kredite, vor allem für kleine und mittelgrosse Unternehmen. Deutschland und Österreich lancieren darüber hinaus auch Konjunkturprogramme, die langfristig wirken sollen.

«Wir haben in Deutschland eine Regierung, welche die eher angelsächsische Art des flotten Schuldenmachens ganz gut findet», erklärt Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts in München, an einer Online-Wirtschaftstagung am Montagabend.

Wir haben in Deutschland eine Regierung, welche die eher angelsächsische Art des flotten Schuldenmachens ganz gut findet.
Autor: Clemens FuestPräsident ifo Institut

Ähnlich tönt es aus Österreich: Es habe natürlich auch eine bestimmte wirtschaftspolitische Tradition, dass man zur Vertrauensstabilisierung solche Pakete schnüre, betont Margrit Schratzenstaller vom Institut für Wirtschaftsforschung Wien.

Anders die Schweiz, sagt Jan-Egbert Sturm, Direktor der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich: «Die Schweiz ist ein verhältnismässig calvinistisches Land – im Sinne, dass man das Geld erst einmal verdienen muss, bevor man es ausgibt.»

Es gibt aber auch handfestere Gründe für die helvetische Abneigung gegenüber Konjunkturprogrammen: Die Schweizer Wirtschaft profitiert nämlich auch jetzt in der Krise von einer recht stabilen Pharmaindustrie, während etwa die in Deutschland wichtige Autoindustrie in einem radikalen Umbruch steckt.

Die Schweiz ist ein verhältnismässig calvinistisches Land: Zuerst einmal verdienen, bevor man Geld ausgibt.
Autor: Jan-Egbert SturmDirektor KOF/ETH Zürich

Da hilft die deutsche Politik gerne, etwa mit einer Senkung der Mehrwertsteuern. Das wiederum hilft allerdings auch der Schweiz, wie KOF-Direktor Sturm erklärt. Wenn es der deutschen Autoindustrie schlecht gehe, bekommt das auch die Schweiz zu spüren, die sehr viele Produkte an den süddeutschen Markt liefere: «Wir sitzen also diesbezüglich im gleichen Boot.»

So profitieren Schweizer Unternehmen indirekt von einem Konjunkturprogramm in Deutschland. Auch wenn man solchen Massnahmen hierzulande skeptisch gegenübersteht.

HeuteMorgen, 20.06.2020, 06:40 Uhr

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Armin Hug  (Hugi)
    Das hat natürlich auch mit der Grösse der Volkswirtschaft zu tun, schliesslich hat Deutschland mit ihrem 150 Mia Konjunkturpaket sinnvollerweise die Binnennachfrage im Fokus.
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  • Kommentar von Noah Schmid  (Schmid)
    «Die Schweiz ist ein verhältnismässig calvinistisches Land – im Sinne, dass man das Geld erst einmal verdienen muss, bevor man es ausgibt.»
    Na ja, ausser es handelt sich um eine Grossbank, welche sich massiv verspekuliert hat, dann werden über Nacht schnell einmal 68 Mrd Franken gesprochen..
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    1. Antwort von Ivan Mathis  (Platon)
      @Schmid, Sie schreiben nur die halbe Wahrheit: Bei der staatlichen UBS-Rettung in der Finanzkrise 2008 erzielten Nationalbank und Bund einen Gewinn von 6,5 Milliarden Franken. Diese Rettung war somit ein "gutes Geschäft" von rund 10% Rendite :-)
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    2. Antwort von Matthias Wüthrich  (Mätthu)
      Ihnen ist schon klar, dass die grösste Rettungsaktion von Bund und Nationalbank für ein privatwirtschaftliches Unternehmen den Steuerzahler keinen Rappen gekostet hat, aber einen Gewinn in der Grössenordnung von CHF 6,5 Mrd. in die Kasse des Staates und der Notenbank gespült hat?
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    3. Antwort von Erik Eisermann  (ECATWEAZLE)
      @ Herren Mathis und Wüthrich - war dieser Gewinn vorhersehbar und kalkulierbar? Ich glaube kaum, dass viele Schweizerinnen und Schweizer das bei der Rettungsaktion gesehen haben. Oder?
      Freundliche Grüsse, ee
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    4. Antwort von Ivan Mathis  (Platon)
      @Eisermann: Selbstverständlich war die grosse Mehrheit der Öknomen im Vorfeld überzeugt, dass die initialisierte UBS-Rettung dem Staat Gewinn einbringen wird. Allerdings erwartete man einen tieferen Gewinn als die erzielten 6,5 Milliarden- in einem längeren Zeithorizont. Im Gegensatz zu gewissen Nachbarstaaten, entspricht es nicht der Schweizer-Mentalität, dass unser Staat solche Gewinne grossmundig an die grosse "Werbeglocke" hängt. Deshalb kennen wohl viele SchweizerInnen diesen Gewinn nicht.
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    5. Antwort von Daniel Gion  (dgion)
      Immer und immer wieder diese dummen, falschen Sprüche! Der Staat und damit der Steuerzahler hat NIE 68 Mrd gesprochen! Auch 100 Mal geschrieben ist das falsch und gelogen! Es war die Nationalbank welche die WERTpapiere welche IM MOMENT nicht handelbar waren der UBS übernommen und in einen Fond deponiert. Die Motivation war die Liquitität der Bank zu erhalten!! Die UBS hat diese Papiere längst zurückgekauft. Dabei hat die Nationalbank 10% Gewinn gemacht!!!
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  • Kommentar von Erik Eisermann  (ECATWEAZLE)
    Guten Abend.
    Wo ist das gesunde Wirtschaften der Unternehmen, dass man für solche einschneidenden Ereignisse eine entsprechende Reserve vorhält? Das gehört zu einem gesunden kaufmännischen Basishandeln und braucht keine Studierten.
    Warum muss der Staat (und damit das Volk) öfters einspringen und die Kohlen aus dem Feuer holen?
    Ich erwarte wesentlich mehr Verantwortung auf der Unbternehmensebenem wenn man gut verdient. Und das ist bei den meisten der Fall, oder? :-)
    Freundliche Grüsse, ee
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