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Austritte bei Economiesuisse Economiesuisse: Wenn die gemeinsamen Interessen ausgehen

Wenn Economiesuisse drei Mitglieder verliert, dann wäre das eine Randnotiz. Es sind nur drei von 150, die sich im Dachverband vereinigt haben: 100 Wirtschaftsverbände und 50 einzelne Unternehmen. Austritte und Eintritte gehören zum Geschäft, eigentlich.

Dennoch sorgt der gleichzeitige Ausstieg von Automobilimporteuren, Erdölhandel und Detailhändlern, den die NZZ als erste vermeldet hat, für Aufsehen. Und er wirft Fragen auf: Ergreift die virusbedingte Wirtschaftskrise nun auch die Verbände, Vereinigungen und Gewerkschaften? Schadet sie deren Business? Oder sind diese Zusammenschlüsse der Interessen aus der Zeit gefallen?

Krise schadet Verbänden aller Art

Wer vermutet, die Gewerkschaften würden von der Krise profitieren, liegt offenbar falsch. Zwar steigt deren Einfluss, etwa bei der Ausarbeitung von Sozialplänen. Gleichzeitig, so die Erkenntnis aus Deutschland nach der Finanzkrise, leiden die Mitgliederbestände. Wer entlassen wird oder frühpensioniert, wird sich den Gewerkschaftsbeitrag gerne sparen.

Wie die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer reagieren nun offenbar auch die Arbeitgeber. Wenn die Umsätze schrumpfen, geraten die Ausgabenposten ins Visier – auch jene für Mitgliedschaften in Verbänden. Deren Beendigung allein den Sparbemühungen zuzuschreiben, wäre allerdings zu kurz gegriffen.

Interessen der Wirtschaft driften auseinander

«Gemeinsam sind wir stark», gilt zwar nach wie vor – solange die Gemeinschaft gemeinsame Interessen verfolgt. Stattdessen zeigen sich in dem als «Wirtschaft» bezeichneten Gemisch unterschiedlichster Akteure und Aktivitäten deutliche Interessengegensätze. Dies zeigt sich beispielhaft bei der Klimapolitik und der CO2-Abgabe.

Zwar mag es volkswirtschaftlich – und damit auch aus Sicht des Wirtschaftsdachverbandes – vollkommen Sinn machen, mit einer Lenkungsabgabe die Akteure mit den grössten Emissionen finanziell zu belasten, während umweltschonende Betriebe profitieren. Den Interessen der Auto- oder Erdölbranche läuft eine solche Lenkungsabgabe diametral zuwider. Deren Austritte dürften deshalb nicht dem aktuell schlechten Geschäftsgang allein geschuldet sein.

«Meglio solo che male accompagnato»

Den Schokoladefabrikanten genauso gut zu vertreten wie das Walliser Industrieunternehmen, dürfte für Economiesuisse nicht nur wegen auseinanderdriftender Interessen schwieriger werden.

Lindt und Lonza etwa hätten inzwischen auch selbst genügend Mittel, um sich politisch Gehör zu verschaffen: mit unternehmenseigenen Politikbeeinflussern oder auch mit externen Lobbyagenturen.

Statt gemeinsam stark sein zu müssen, können sie auch alleine ihren Einfluss geltend machen. «Meglio solo che male accompagnato» – lieber allein als in schlechter Begleitung, sagen sie auf Italienisch. Die Geschäftsaussichten für Vereinigungen aller Art waren auch schon besser.

Roman Mezzasalma

Roman Mezzasalma

Leiter Wirtschaftsredaktion Fernsehen SRF

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Nach dem Ökonomie-Studium arbeitete Mezzasalma von 1992 bis 1995 als Wirtschaftsredaktor bei Radio SRF, danach als USA-Korrespondent in San Francisco. Während neun Jahren war er bei einer Grossbank und in einer eigenen Kommunikationsagentur tätig. 2010 kehrte er als Leiter der Radio-Nachrichtenredaktion zu SRF zurück. 2018 wechselte er in die Wirtschaftsredaktion TV.

Rendez-vous 18.9.2020

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