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SGB-Chefökonom Daniel Lampart über die Folgen des Coronavirus
Aus SRF 4 News aktuell vom 06.03.2020.
abspielen. Laufzeit 05:48 Minuten.
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Auswirkungen des Coronavirus Allgemeine Verunsicherung lähmt Konsumenten wie Verkäufer

Haben Sie schon Pläne für Ostern? Für die Sommerferien? Wenn nicht, ist es unwahrscheinlich, dass Sie in diesen Tagen welche schmieden – solange unklar ist, welche Einschränkungen das Coronavirus noch bringen wird. Die grosse Verunsicherung lähmt Konsumenten wie Verkäufer gleichermassen.

Der Luxus-Hotelier in Zürich erhält statt Reservationen bloss noch Stornierungen. Eintrittskarten zu Sportanlässen oder Konzerten bleiben auf den Ticketportalen liegen. Selbst James Bond verschiebt sein Erscheinen in Schweizer Kinos auf den Herbst. Rentnerinnen und Rentner sollen den öffentlichen Verkehr meiden, auf Ausflüge verzichten, empfiehlt das BAG. Züge wie Flugzeuge dürften sich leeren, die Strassen sich füllen bis zum Kollaps.

Konjunkturprognosen erstaunen

Trotz allem glauben Konjunkturforscher unbeirrt, dass die Wirtschaft weiter wächst. BAK Basel prophezeite noch am Dienstag ein Wirtschaftswachstum von 1.3 Prozent, was mehr ist als letztes Jahr – und 0.2 Prozentpünktchen weniger als vor dem Auftauchen des Coronavirus. Zum selben Schluss kommt Economiesuisse. Credit Suisse prophezeit, noch ein Prozent Wachstum werde es dieses Jahr geben. Einzig der Bundesrat spricht am Freitag von «starken Auswirkungen auf die Wirtschaft», die er bald lindern will.

Daran, dass das Bruttoinlandprodukt dieses Jahr schrumpfen könnte, glauben alle grossen Prognose-Institute nicht. Eine Rezession schliessen sie aus. Das erstaunt. Und es mag daher rühren, dass sie konsequent auf ihre mathematischen Modellen bauen. Vergleichbar mit einem Meteorologen, der noch dann seinen Schönwetter-Modellen vertraut, wenn der Sturm bereits an seine Fenster peitscht.

Pessimistischer Grundtenor

Wer heute Unternehmen besucht, im Dienstleistungsbereich oder in der Maschinenindustrie, der bekommt ein eingetrübtes Bild. Gewiss, Ausnahmen gibt es: Stadler Rail, zum Beispiel, die unter der Last der vollen Auftragsbücher ächzt. Es mag auch Betriebe geben, die vom ständig wachsenden Bedürfnis nach Schutz vor dem Virus profitieren.

Aber der Grundtenor ist ein anderer: Der Direktor des Zürcher Luxushotels bangt um seine Zahlungsfähigkeit, weiss nicht, wie er die April-Löhne bezahlen soll. Ebenso der Maschinenindustrielle, der vergeblich auf seine Bestandteile aus China wartet.

Zu früh für Entwarnung

Not wird erfinderisch machen: die Swiss etwa bietet nun an, jede – hoffentlich bald wieder hereinkommende – Buchung, kostenlos stornieren zu können. Ob mit solchen kreativen Ideen der Sinkflug der ganzen Wirtschaft nicht nur verlangsamt, sondern übers Jahr gesehen auch gestoppt werden kann, bezweifelt zumindest die Börse. Dort ist der Wert der 20 grössten Schweizer Unternehmen um mehr als 100 Milliarden eingebrochen.

Wie sagte doch der BAG-Verantwortliche Daniel Koch: «Es ist nicht möglich, eine Prognose über den weiteren Verlauf der Virusausbreitung zu machen.» Womit es logischerweise auch unmöglich ist, Prognosen über seine Auswirkungen auf die Wirtschaft zu erstellen. Für Entwarnungen seitens der Konjunkturforscher, wie sie derzeit täglich verbreitet werden, dürfte es eindeutig zu früh sein.

Roman Mezzasalma

Roman Mezzasalma

Leiter Wirtschaftsredaktion Fernsehen SRF

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Nach dem Ökonomie-Studium arbeitete Mezzasalma von 1992 bis 1995 als Wirtschaftsredaktor bei Radio SRF, danach als USA-Korrespondent in San Francisco. Während neun Jahren war er bei einer Grossbank und in einer eigenen Kommunikationsagentur tätig. 2010 kehrte er als Leiter der Radio-Nachrichtenredaktion zu SRF zurück. 2018 wechselte er in die Wirtschaftsredaktion TV.

SRF4 News, 06.03.2020, 17.30 Uhr

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Verena Schär  (Nachdenklich)
    Die Wirtschaft will Geld. Es kommt mir vor, dass man nicht einmal die Beerdigung abwarten kann. Gleich wird die Situation ausgenützt und der erneute Schrei nach Geld wird laut. Ich erwarte vom BR dass da genau hingeschaut wird. Wenn dieses Virus zum Kollaps führt a la bonheure, dann soll es so sein. Firmen die nach China auslagerten sollen weniger Hilfe erhalten. So entsteht eine gesunde Markt- und Arbeitsplatz-korrektur. Es könnte auch sein, dass sich die Einwohnerzahl der Schweiz reduziert.
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  • Kommentar von Verena Schär  (Nachdenklich)
    Die Wirtschaft soll sich überlegen, was sie falsch gemacht haben. Auslagerung nach China brachten gutes Geld ein. Oder nicht.
    Konsumenten werden oft als blöd verkauft. Spezialangebote, Aktionen, Rabatte mit meiner Ansicht nach fingierten Preismodellen.
    Beispiel: Der Preis wird so kalkuliert, wie wenn ein Produkt hier hergestellt würde. Danach werden laufend Skonto, Rabatte im Verkauf-Kampf zum Lockvogel. Wenn wir genau hinschauen erkennen wir die Qualität. China-Plastik stinkt beim Erwärmen.
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    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Die im Moment am meisten betroffenen Betriebe sind in der Tourismusbranche tätig und haben NICHT nach China ausgelagert.
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  • Kommentar von Verena Schär  (Nachdenklich)
    Strassen Kollaps: Ich hoffe sehr, dass die Menschen die falsche Sicherheit im Auto erkennen und der Natur eine Pause gönnen. Es gibt so viel zu entdecken auch in der näheren Umgebung.
    Vielleicht sollten die Schweizer Tourismusbranche kreativer werden und sich um die gestrandeten Schweizer kümmern, die nicht verreisen wollen wegen dem Virus. Dies wäre eine Möglichkeit, anstelle laut zu schreien und vom Bund möglicherweise (wir sind der Bund) Geld zu verlangen. Alle tragen ihren Teil bei.
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    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Niemand strandet, der nicht verreist!
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