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Opec befindet sich in Schieflage
Aus HeuteMorgen vom 06.03.2020.
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Corona beeinträchtigt Ölpreis «Es wäre die stärkste Förderkürzung seit der Finanzkrise»

Wegen der wirtschaftlichen Unsicherheiten ist der Ölpreis zuletzt deutlich gefallen. Die 14 Länder des Ölkartells unter der Führung von Saudi-Arabien haben nun reagiert: An ihrem Treffen am Donnerstag in Wien haben sie beschlossen, die Rohölförderung weiter einzuschränken. Sie streben eine Kürzung um täglich 1.5 Millionen Barrel (je 159 Liter) Öl bis Ende des Jahres an.

Lucia Theiler

Lucia Theiler

Wirtschaftsredaktorin

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Lucia Theiler arbeitet als Wirtschaftsredaktorin bei SRF. Zuvor war sie unter anderem Leiterin der Wirtschaftsredaktion der Nachrichtenagentur sda. Theiler hat Betriebswirtschaft studiert.

SRF News: Was bedeutet die Ankündigung der Opec?

Lucia Theiler: Sie zeigt den Ernst der Lage. Diese Förderkürzung wäre die stärkste seit der Finanzkrise 2008. Bisherige Versuche, den Preis über Förderlimiten zu stabilisieren, blieben wirkungslos. Den letzten Entscheid gab es im Dezember, aber die Wirkung ist gleich wieder verpufft, weil das Coronavirus die Öleinkäufe lähmte.

Notfallpersonal und Teilnehmer des Opec-Treffens
Legende: Vor dem Einlass zum Opec-Treffen wird Fieber gemessen: Die Auswirkungen durch das neue Coronavirus haben den Ölpreis zuletzt in die Knie gezwungen. Keystone

Was erhofft man sich von den neuen Schritten?

Die Opec möchte über die Menge den Preis beeinflussen. Der Ölpreis funktioniert über den Mechanismus von Angebot und Nachfrage. Der Preis ist momentan aus Sicht der Opec-Länder zu tief. Um eine Grössenordnung zu geben: Es gibt Berechnungen, wonach Saudi-Arabien für einen ausgeglichenen Staatshaushalt einen Ölpreis von 85 Dollar pro Ölfass haben müsste. Der Preis liegt aber momentan bei etwa 50 Dollar pro Fass.

Wie sich die 1.5 Millionen Barrel pro Tag zusammensetzen

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Die Opec-Staaten sehen vor, eine Million Barrel einzusparen, die zehn Partnerstaaten, darunter Russland, sollen 500'000 Barrel einsparen. Die Kürzung entspräche insgesamt rund 1.5 Prozent der weltweiten Ölproduktion, teilt die Opec mit.

Das Treffen der Opec-Länder geht heute in einer grösseren Runde weiter: Zehn Partnerstaaten sitzen mit am Verhandlungstisch, darunter auch Russland. Werden sich diese Länder der Strategie der Opec anschliessen?

Das ist nicht klar. Entscheidend wird sein, wie sich Russland entscheidet. Russland ist ein wichtiger Partnerstaat der Opec. Russlands Staatshaushalt wird durch den tiefen Ölpreis zwar ebenfalls stark belastet, aber das Land hat gleichzeitig angekündigt, dass es mit den jetzigen Preisen leben könnte.

Entscheidend wird sein, wie sich Russland entscheidet.

Hat das alles konkrete Auswirkungen auf uns Konsumenten?

Die Preise am Ölmarkt lassen sich nicht 1 zu 1 umrechnen. Die Kosten für Rohstoffe und den Transport machen nur einen Teil des Endpreises aus. Bei Benzinpreisen ist es etwa ein Drittel. Weitere Faktoren sind Steuern, Abgaben und Wechselkurse. Der Opec-Entscheid ist also lediglich einer der Faktoren. Die Frage wird sein, ob die Endverkäufer ihre Margen opfern oder ob sie die höheren Preise einfach weiterreichen.

Das Gespräch führte Roger Aebli.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Philipp Moreno  (HOC)
    Ich habe nicht gewusst, dass es Preisabsprachen gibt welche legal sind, dachte bloss es gäbe illegale? Oder ist es einfach in Ordnung, weil man es in aller Öffentlichkeit vor der ganzen Welt tut?
    1. Antwort von Dani Keller  (¯\_(ツ)_/¯ ____)
      Es ist keine Preisabsprache, sondern eine Förderquote.
      Die OPEC hat nur noch einen Weltmarktanteil von ca. 25%, dem Ölfracking in den USA sei Dank.
      Der Preis wird schlussendlich an den Märkten gemacht. Das Allzeithoch war 150$/Fass. Seit Jahren ist der Preis deutlich unter 100$. Aktuell unter 45$. Wenn der Preis in den letzten Jahren über 60-65$ ging, haben die US Öldriller mehr gefördert, sodass der Preis wieder gesunken ist.
  • Kommentar von Christoph Stadler  (stachri)
    Ich habe auch gemeint, dass Kartelle verboten sind...
    1. Antwort von Simon Weber  (Weberson)
      Wenn es ums Öl geht, werde viele Gesetze gebrochen, Moral wird auf die Seite geschoben, der freie Markt wird plötzlich sehr unfrei und gelogen und betrogen wird, dass sich die Balken biegen. Diese Abmachungen der OPEC werden im Übrigen nur selten von allen Mitgliedern befolgt. Einzelne Länder kurbeln ihre Produktion dann an, um von den künstlich erhöhten Preisen zu profitieren...
  • Kommentar von Hermann Roth  (Dr. Wissenschaftler)
    Und warum genau ist das legal?
    1. Antwort von Dani Keller  (¯\_(ツ)_/¯ ____)
      Weil eine Angebotsverknappung (Förderquote) kein Verbrechen ist.
      Wenn ein Unternehmen ein Produkt "Limited Edition" (z.B. ein Auto oder Smartphone) für einen höheren Preis verkauft, ist das ja auch legal.