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Bei Auslieferung in die USA Huaweis Finanzchefin drohen bis zu 30 Jahre Haft

Legende: Video Kanada bestätigt Vorwürfe gegen Meng Wanzhou abspielen. Laufzeit 00:21 Minuten.
Aus Newsflash vom 08.12.2018.
  • Der Finanzchefin des chinesischen Tech-Konzerns Huawei droht wegen Betrugsvorwürfen eine lange Haftstrafe in den USA.
  • Die US-Ermittler beschuldigen Meng Wanzhou, über eine Firma namens Skycom Geschäfte mit dem Iran gemacht zu haben.
  • So habe sie das Sanktionsrecht verletzt, sagt ein Anwalt der kanadischen Staatsanwaltschaft am Freitag bei einer Anhörung in Vancouver.

Die 46-Jährige soll laut Anklage bewusst die Geschäftsbeziehung zwischen Huawei und der in Hongkong ansässigen Firma Skycom verschleiert haben. Skycom habe trotz eines Handelsembargos der EU und der USA zwischen 2009 und 2014 Geschäfte mit einem iranischen Telekom-Anbieter gemacht.

Meng habe Banken zudem verschwiegen, dass es sich bei Skycom de facto um eine Huawei-Tochter handelte. Ihr drohen bei einer Auslieferung in die USA und einer allfälligen Verurteilung 30 Jahre Haft wegen «Verschwörung zum Betrug von Finanzinstitutionen», so Anwalt John Gibb-Carsley.

Meng Wanzhou auf einer Bühne sitzend auf einem weissen Sessel.
Legende: Meng Wanzhou ist die Tochter des Huawei-Gründers Ren Zhengfei. Reuters

Die Huawei-Managerin, die zugleich stellvertretende Vorstandschefin und Tochter des Konzerngründers Ren Zhengfei ist, war am vergangenen Samstag auf Betreiben der amerikanischen Behörden in Kanada festgenommen worden. Die konkreten Vorwürfe gegen sie waren bislang unklar, weil es eine Informationssperre gab. Diese wurde jedoch inzwischen aufgehoben.

Kautionsantrag verhandelt

Bei der Anhörung ging es um die Frage, ob Meng gegen Kaution vorerst wieder auf freien Fuss kommen kann. Der Anwalt der Staatsanwaltschaft Gibb-Carsley drängte das Gericht, den Antrag Mengs abzulehnen. Huaweis Finanzchefin habe die Mittel zur Verfügung, eine Flucht nach China zu arrangieren, das kein Auslieferungsabkommen mit den USA habe.

Mengs Verteidiger David Martin sagte, niemandem sollte aufgrund seines Reichtums die Kaution verwehrt werden. Meng stehe als Prominente im öffentlichen Fokus und werde ihren Vater, ihren Konzern und ihr Heimatland China nicht durch einen Bruch der Kautionsbedingungen in Verruf bringen.

Festnahme: Auswirkungen auf US-Handelskonflikt mit China?

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Börse in Peking
Legende:Die Börse reagierte auf die Festnahme Mengs.Keystone
  • An den Finanzmärkten hatte der Vorfall Sorgen wegen einer erneuten Eskalation des Handelskonflikts zwischen China und den USA ausgelöst und zeitweise zu starken Kursverlusten geführt.
  • Peking hatte mit einer Protestnote auf die Festnahme Mengs reagiert und ihre Freilassung gefordert. Die chinesische Botschaft in Kanada verlangte sowohl von Kanada als auch von den USA, ihr «Fehlverhalten sofort zu korrigieren» und Mengs persönliche Freiheit wiederherzustellen.
  • Der US-Regierung zufolge belastet die Huawei-Affäre die Verhandlungen im Handelsstreit jedoch nicht. «Die China-Gespräche laufen gut!», twitterte US-Präsident Donald Trump am Freitagmorgen.
  • Die beiden weltgrössten Volkswirtschaften liegen seit Monaten wegen Handelsfragen im Clinch. Kurz vor Mengs Festnahme hatten sie aber einen 90-tägigen Burgfrieden vereinbart, um weitere Eskalationen vorerst zu vermeiden.

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49 Kommentare

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  • Kommentar von Karl Kirchhoff (Charly)
    Traurig, dass der grösste Teil der Amis, ihre Regierung ohne Protest schalten und walten lässt. Zeigt das Desinteresse, solange es nicht um den persönlichen Vorteil geht.
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  • Kommentar von Paul Leuenberger (simbawaniyka)
    Dieser Konzern ist mir absolut suspekt und trotzdem: was die Amis betreiben ist Neokolonialismus schlimmster Art und was mich besonders schockiert ist die devote Haltung der Kanadier - kein Rückgrad absolut! Die Sanktionen der Amis gegen Iran sind an sich schon sehr zweifelhaft und völkerrechtswidrig, der offensichtliche Kotau der Canucks entbehrt jeglicher rechtlicher Grundlage und ist beschämend. Nur eine neue faire Weltordnung fern jeden US-Imperialismus kann die Welt retten.
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  • Kommentar von Theres Schmid (Theres Schmid)
    Scheinbar hat die Gute noch nicht realisiert, dass Herr Obama nicht mehr an der Regierug ist und nun ein schärferer Wind bläst. Wenn man schon Sanktionen ausspricht für ein Land, so muss man sie auch glaubhaft durchziehen. Sonst kann man sie gleich bleiben lassen, dann ist es nur Symbol-Politik und die bewirkt nur wenig. Diesmal wird sich der Iran gut überlegen ob er weiterhin mit seinem Oelgeld Krieg und Terror unterstützen und sein Atom-Programm weiterführen will. Diesmal wird es weh tun.
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