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Schweiz weit entfernt von Pariser Klimazielen
Aus Echo der Zeit vom 07.07.2020.
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CO2-Statistik 2019 «Schneckentempo ist inkompatibel mit der Klimakrise»

Der CO2-Ausstoss aus Brenn- und Treibstoffen hat abgenommen. Die Emissionen aus dem Verkehr sind aber unverändert hoch.

Der Rückgang der CO2-Emissionen sei ungenügend, sagt Patrick Hofstetter, Leiter Klima und Energie beim WWF Schweiz: «Dieses Schneckentempo ist völlig inkompatibel mit der Klimakrise, die wir heute schon sehen. Das passt überhaupt nicht zusammen.»

Vor allem beim Verkehr gehe zu wenig. Das stellt auch das Bundesamt für Umwelt fest. Die CO2-Emissionen aus Treibstoffen, also aus Benzin und Diesel, blieben 2019 gegenüber dem Vorjahr unverändert hoch – und liegen sogar um fast drei Prozent höher als 1990.

Schwerere Autos, mehr Kilometer

SUV
Legende: Jeder zweite Neuwagen in der Schweiz ist ein 4x4, oft ein SUV. SUV brauchen nicht nur viel Platz, die schweren Autos stossen auch deutlich mehr CO2 aus als normale Mittelklassewagen. Keystone

Der Grund: Immer mehr und immer schwerere Autos legen immer mehr Kilometer zurück. Und die Werte sähen noch schlechter aus, wäre der Anteil an Biotreibstoffen und Elektrofahrzeugen nicht weiter angestiegen.

Besser als bei den Treib- sieht es bei den Brennstoffen aus. Deren Emissionen sind 2019 um 2.5 Prozent zurückgegangen. Im Vergleich zu 1990 stossen Heizungen unterdessen rund ein Drittel weniger CO2 aus. «Dort sind sicherlich mehr Fortschritte sichtbar», sagt Hofstetter.

Der Bundesrat hätte bei den CO2-Abgaben Spielraum, weitere Anreize zu setzen.
Autor: Patrick HofstetterLeiter Klima und Energie, WWF Schweiz

Allerdings würden auch dort die Ziele der Verordnung nicht erreicht, gibt der Klimaexperte zu bedenken. Und: «Trotzdem ist noch immer nicht die maximale Höhe der CO2-Abgabe ausgeschöpft. Der Bundesrat hätte hier Spielraum, noch weitere Anreize zu setzen, damit es sich lohnt, nicht mit Öl und Gas zu heizen.»

Grundsätzlich bemängelt der WWF, dass der Bundesrat den Spielraum nicht ausnütze, den ihm das Gesetz gebe, um das Klima zu schützen. Gegen solche Verschärfungen wehrt sich in der Regel die Industrie. Leider hat beim Verband der Importeure von Brenn- und Treibstoffen, Avenergy Suisse, heute niemand Zeit gefunden für eine Stellungnahme gegenüber Radio SRF.

Klar ist laut dem Bundesamt für Umwelt: Zur Erreichung der Klimaziele von Paris ist eine Abnahme der fossilen Energien notwendig. Im neuen total revidierten CO2-Gesetz sind Instrumente drin, die Autos und Heizungen klimafreundlicher machen sollen. Dieses Gesetz tritt aber frühestens im Jahr 2022 in Kraft. Gut möglich, dass sich das Volk dazu äussern kann.

Zuvor erscheint in einem Jahr die nächste CO2-Statistik. Diese wird wohl – Corona-bedingt – leicht tiefere Emissionen zeigen. Von einem deutlichen Rückgang aber scheint die Schweiz weit entfernt.

Echo der Zeit, 07.07.2020, 18:00 Uhr

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78 Kommentare

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  • Kommentar von Cindy Müller  (cogitoergosum)
    Der Titel ist irreführend. Hat mal jemand daran gedacht dass die hiesige Verkehrspolitik eine Rolle spielen könnte? Wenn ich auf meinem Arbeitsweg auf den ersten 1.5km unter Umständen satte 15x (!) anhalten muss kommt das Ding beim besten Willen nie in den sparsamen Bereich...
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  • Kommentar von Konrad Pfister  (Konrad Pfister)
    Es gibt keine Klimakrise, schon nur deshalb, weil es keinen Sinn macht von Krise zu sprechen, wenn es ohnehin keine Maßnahmen gibt, die kurzfristige Resultate ergeben.
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    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Konrad Pfister: Da muss ich Ihnen leider Recht geben. Die ganze Klimageschichte ist eher ein sich langsam anbahnendes globales Desaster. Wir haben inzwischen genügend geforscht und tappen nicht mehr im Dunkeln. Der Zusammenhang zwischen den Treibhausgasen und der Erderwärmung ist recht genau erforscht. Auch die notwendigen Instrumente, um die Treibhausgase zu reduzieren sind bekannt und sogar die Technik wäre bereit. Das Dilemma ist, dass wir es offenbar vorziehen, auf den Abgrund zuzusteuern.
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    2. Antwort von Konrad Pfister  (Konrad Pfister)
      @tleu Diese Abgrund- und Weltuntergangstheorien sind aber reiner Alarmismus, der weder von IPCC noch
      « seriöser » Klimawissenschaft, wenn so etwas existiert, bisher bestätigt wird.
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    3. Antwort von Martin Egger  (Martin Egger)
      Haben Sie den Artikel überhaupt gelesen, Konrad? Es gibt durchaus wirksame Massnahmen. Der Bundesrat hat die CO2-Abgaben noch nicht ausgeschöpft. Man könnte also etwas tun, will aber offenbar nicht.
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    4. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Der Begriff Krise ist nicht zwingend an die erwähnte Kurzfristigkeit der Wirkung gebunden. Diese wird zwar in der Definition angedeutet, aber der dabei verwendete Begriff ist Wendepunkt, d.h. die nötigen Entscheidungen um das Abgleiten in den katastrophalen Verlauf zu verhindern. Ob dieser Wendepunkt nun rasch eintritt (was hier definitiv nicht zu erwarten ist) oder basierend auf heutigen Entscheidungen erst später, darüber sagt die Begriffsdefinition nichts aus.
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  • Kommentar von Frank Henchler  (Die Wahrheit ist oft unbequem)
    Auch hier unterstütze ich die Meinung der Grünen, dass Tempolimit aufzuheben und die Geschwindigkeit zu begrenzen. Aber solange wir so unfähige Verkehrsminister haben und eine CDU die bekanntermaßen mit der Automobilindustrie lobbyiert, wird es schwierig für die Grünen, dieses Anliegen durchzusetzen.
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    1. Antwort von Damian Derungs  (Domino)
      Ist völlig egal ob jetzt auf den paar km autobahn ein diebjetzt noch freie fahrt haben oder nicht ein tempolimit eingeführt wird oder nicht. Hat abgastechnisch keinen einfluss auf ganz deutschland, geschweige denn die welt. Es ist auch eine farce diesel in städten zu verbieten nur damit weiterhin im öv diesellocks aus hittlers zeiten betrieben werden können. Es würde reichen wenn man einfach wieder auf eine vernünftige motorengrösse zurück käme, keiner braucht 300 ps und mehr
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    2. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Frank Henchler: In der Schweiz haben wir zum Glück noch die Grünliberalen. Diese haben die gleichen Umweltziele wie die Grünen, vertreten aber, im Unterschied zu den Grünen, realistische Instrumente mit denen man diese Ziele letzten Endes auch erreichen kann.
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