Zum Inhalt springen

Header

Video
Fast Fashion in Corona-Zeiten
Aus Kassensturz vom 05.05.2020.
abspielen
Inhalt

Corona in Bangladesch Katastrophale Folgen für Näherinnen

Millionen von Textilarbeiterinnen leben nun noch prekärer – weil die Mode-Industrie ihre Verantwortung nicht wahrnimmt.

Es ist äusserste Not, die derzeit in Bangladesch Heerscharen von Textil-Arbeiterinnen trifft. Seit dem Corona-Ausbruch wurden rund zwei Millionen Beschäftigte freigestellt oder entlassen.

Familien könne Kinder kaum mehr ernähren

Eine lokale Reporterin fängt im Auftrag von «Kassensturz» schockierende Aussagen ein: «Der Vermieter verlangt Geld, und wir haben nicht mal Reis zu Hause. Wie soll ich meine Kinder ernähren?». Sie ergänzt: Ihr Arbeitgeber wollte sie mit rund 20 Dollar abspeisen. «Wie sollen wir damit überleben? Nicht nur das Coronavirus bringt uns um. Nein, wir werden verhungern».

Die meisten Modefirmen diktieren die Vertragsbedingungen, die Lieferanten müssen sie schlucken.
Autor: Elisabeth SchenkExpertin bei der NGO Public Eye

Modekonzern stornieren Aufträge

Die grossen Modefirmen reagierten auf die geschlossenen Kleiderläden, indem sie im grossen Umfang laufende Bestellungen bei Zulieferern stornierten.

Das Grundproblem liege im enormen Machtgefälle, sagt Elisabeth Schenk, Expertin bei der NGO Public Eye: «Die meisten Modefirmen diktieren die Vertragsbedingungen, die Lieferanten müssen sie schlucken. Das setzt sie in so eine Machtposition, dass sie jetzt in der Krise einfach die Aufträge stornieren können, ohne dass die Zulieferer gross etwas sagen können.»

Die Zulieferer blieben auf den Kosten für Arbeit und Material sitzen. Doch am härtesten trifft es die Arbeiterinnen. Staatliche Soforthilfe und Arbeitslosengelder sind bei weitem nicht existenzsichernd.

Unterschiedliche Zusagen der Konzerne

Wie unterschiedlich die Mode-Konzerne mit der Bezahlung von bestellter Ware umgehen, zeigt eine Aufstellung der unabhängigen Arbeitsrechts-Organisation WRC, Link öffnet in einem neuen Fenster: H&M oder Zara beispielsweise geben dieses Versprechen ab. Gemäss WRC machen andere Konzerne wie C&A oder Bestseller (Only, Jack&Jones, Vero Moda u.a.) bis heute dazu keine verbindliche Zusage.

«Kassensturz» hat zwölf Modekonzerne und Schweizer Kleiderhändler angefragt, wie sie mit ihrer Verantwortung gegenüber Zulieferern und Arbeiterinnen umgehen. Fazit: Bestellte Ware wird zwar häufig übernommen. Doch was sie zur Sicherung der aktuellen Löhne vor Ort tun, dazu sagen Konzerne wie H&M, Inditex (Zara), C&A oder Gap im Grunde gar nichts. Der Schweizer Modekonzern Tally Weijl bleibt am intransparentesten: Er reagiert gar nicht auf die Fragen. Alle Stellungnahmen und eine Analyse dazu finden Sie hier:

Branchen-Initiativen reichen bei weitem nicht

Viele grosse Modekonzerne verweisen auf Branchen-Initiativen zum Schutz der Arbeiterinnen und Arbeiter. Doch das genüge bei weitem nicht, sagt Elisabeth Schenk von Public Eye. Jetzt brauche es entschiedene und klare Antworten, welche die Arbeitnehmerinnen vor Covid-19 und Armut schützen:

Video
Textilindustrie-Expertin Elisabeth Schenk fordert klare Antworten
Aus Kassensturz vom 05.05.2020.
abspielen

«Die Näherin, die jetzt noch auf ihren März-Lohn wartet und die deswegen bei Essens-Hilfslieferungen anstehen muss, wird von einer solchen Initiative nicht satt.» In den Firmenantworten an «Kassensturz» finde man kaum Verpflichtungen der Firmen, dass die Löhne in ihren Lieferketten von März bis im Sommer gezahlt würden.

Die wichtigsten Informationen zum Coronavirus:

Box aufklappenBox zuklappen
Die wichtigsten Informationen zum Coronavirus:

«Kassensturz», 05.05.2020, 21:05 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

17 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Aussbeutung nicht nur In Asien. Deutschland: Zunächst war das Geschrei der Landwirte gross, als die Erntehelfer aus Osteuropa ausblieben. Inzwischen sind mehr als 10.000 von ihnen gekommen, helfen bei der Spargelernte. Sie erhalten aber nicht den Mindestlohn wie vereinbart. Müssen Unterkunft selber zahlen. Andere Landwirte stellten ihnen die Flugkosten in Rechnung. Erntehelfer beklagen sich über die schlechte Bezahlung und das Verhalten einiger Landwirte. Einige streiken. Ausbeutung in der EU.
  • Kommentar von Ernst U. Haensler  (ErnstU)
    Wer kauft denn diesen ganzen billigen Kleider? In den Läden und online? Aus Netiquette und political cor. Gründen darf ich es hier nicht genauer schreiben.
  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Wie genau ist das so mit der Globalisierung? Ist doch immer ganz schlecht gewesen? Oder vielleicht doch nicht - wenn man nur 160 oder 200 Dollar pro Monat hat, ist nichts eben das Ende der Existenz … Globalisierung ade, Job futsch und im Elend, dafür unsere Globalisierungskritiker glücklich … oder doch nicht? Könnte es sein, dass die Zusammenhänge eben ein wenig komplexer sind, als sich das viele vorstellen? Dass auch das billige Zarakleidchen ein Auskommen schafft, im Slum von Dacca?
    1. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Tja, Herr Lang, obendrauf muss ich Ihre sonst sehr präzise Analyse noch damit ergänzen, dass die Globalisierungskritiker (wobei "Globalisierung" ist hier mit den "Grosskonzernen" gleichzusetzen) genau diejenigen sind, die das Geld von einem Kochtopf mit der grossen Kelle genau diesen Slumbewohnern in Dacca verteilen möchten. So ist das Bild vollständig.
    2. Antwort von Margot Helmers  (Margot Helmers)
      Die Grosskonzerne drücken in den Herkunftländern die Lohnstandarts und Umweltauflagen bis zum gehtnichtmehr, in den Absatzmärkten wird die Kaufkraft schamlos ausgenützt. In der Schweiz bestens bekannt als CH-Zuschlag. So werden die Grossaktionäre und CEO's Millionare / Milliardäre.