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Luftfahrt: Airlines rufen nach staatlicher Rettung
Aus HeuteMorgen vom 01.04.2020.
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Corona-Krise in der Luftfahrt Grosse Airlines werden ihre Dominanz weiter ausbauen

Fast alle europäischen Fluggesellschaften haben den Betrieb faktisch eingestellt. Lautstark rufen sie nach staatlicher Hilfe. Diese werden sie wohl auch bekommen.

Das Geld in den Kassen der Fluggesellschaften schmilzt wie Schnee in der Frühlingssonne. Es gibt keine Einnahmen, dafür aber hohe Ausgaben fürs Personal und Rückerstattungen. Bestenfalls reichen die flüssigen Mittel noch für einige Wochen, bei vielen Fluggesellschaften aber wohl nur noch für wenige Tage, so die jüngste Schätzung der Internationalen Luftverkehrsvereinigung.

Carsten Spohr, Chef der Lufthansa-Gruppe, zu der auch die Swiss gehört, fordert deshalb unverzüglich Hilfe von der Politik. «Dazu gehören zum Beispiel Massnahmen zur Liquiditätssicherung. Insbesondere sollten Zahlungen von Steuern, Luftverkehrssteuern und staatlichen Gebühren möglichst verschoben werden.» Ähnlich klingen die Forderungen bei anderen Fluggesellschaften.

Carsten Spohr
Legende: Carsten Spohr will, dass die Politik den Fluggesellschaften unter die Flügel greift. Keystone

Dutzende Milliarden geflossen

Es seien Forderungen, die von der Politik erhöht würden, sagt Max Oldorf vom Aviatikanalyse-Unternehmen CH Aviation. «2008 mussten wir die Banken retten, jetzt ist es einfach so, dass die Airlines in der grossen Krise stecken. Und die versuchen jetzt schon, ihre Macht auch auszuspielen – weil sie für die Länder wichtig sind.» Und das tun sie mit Erfolg.

2008 mussten wir die Banken retten, jetzt ist es einfach so, dass die Airlines in der grossen Krise stecken.
Autor: Max OldorfCH Aviation

In Nordamerika, in Asien aber auch in europäischen Ländern haben Regierungen bereits Dutzende Milliarden gesprochen. Die Swiss und Easyjet haben in der Schweiz beim Bund ebenfalls für staatliche Unterstützung angeklopft.

Die staatlichen Hilfsmilliarden sicherten den Fluggesellschaften in der jetzigen Situation nicht nur das Überleben, sondern auch einen Vorsprung in der Zeit nach der Corona-Krise, beobachtet Max Oldorf: «Jede Krise bedeutet auch eine Chance. Es gibt auch Staaten – da muss man auch China nennen –, die ganz massiv gerade wieder in ihre Airlines investieren.» Diese Fluggesellschaften würden die Chance auch nutzen, «um die Schwäche anderer Länder auszunutzen, um den Wettbewerb ins eigene Land zu holen», ist Oldorf überzeugt.

Auswirkungen auf die ganze Branche

Dieses Vorgehen setzt somit viele weitere Staaten unter Zugzwang, ihren Fluggesellschaften ebenfalls unter die Arme zu greifen – auch solchen, die langfristig eigentlich kaum überlebensfähig wären. Trotzdem würden jetzt die Karten neu gemischt, so Carsten Spohr von der Lufthansa: «In der Tat gehen wir heute davon aus, dass diese Krise die Luftfahrt nachhaltig und strukturell verändern wird.»

Wir gehen heute davon aus, dass diese Krise die Luftfahrt nachhaltig und strukturell verändern wird.
Autor: Carsten SpohrLufthansa-Gruppe

In Europa dürften die grossen Fluggesellschaften ihre Dominanz weiter ausbauen – jene also, die schon Staatshilfe erhalten haben oder wohl noch erhalten werden.

Heute Morgen, 1.4.2020, 6:00 Uhr

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68 Kommentare

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  • Kommentar von Eva Werle  (Eva Werle)
    Der Weg des Kapitalismus - Akkumulation des Kapitals, Konzentration der Produktionsmittel bei wenigen Konzernen - wird durch Corona nur verstärkt. In allen Bereichen, nicht nur bei den Fluggesellschaften, werden die Kleinen wegsterben, die Grossen profitieren. Unter dem Deckmäntelchen der Arbeitsplatzsicherung werden Steuergelder in Konjunkturprogrammen, Rettungspaketen, Anleiheankäufen, Steuergeschenken und Finanzspritzen verheizt. Corona ist nur Brennglas für diese Entwicklung.
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    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Eva Werle: Das wird sicher kurzfristig so sein. Wichtig ist, dass der Staat trotzdem die Regeln des Wettbewerbs durchsetzt. Grosse Konzerne, sofern sie nicht natürliche Monopole sind, werden mit der Zeit träge und das ist die Chance für neue Anbieter. Beispiele gibt es tausende. Ein Beispiel ist Nokia. Anfangs dieses Jahrtausends war Nokia auf dem Handymarkt dominierend. Aber Nokia hat die Entwicklung der Smartphones verschlafen, weshalb heute wieder Konkurrenz und Auswahl herrscht.
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  • Kommentar von Markus Liechti  (MarkusLiechti)
    Attraktive Destinationen werden immer bedient werden. Die Schweiz hat andere Prioritäten als eine Prestige-Airline (die gar nicht der Schweiz gehört) zu finanzieren. Die Swiss ist nicht systemrelevant - die KMU's hingegen schon.
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    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Markus Liechti: Welche KMU's? Alle 500'000? Wenn Sie also jedem KMU nur 0.5 Millionen Franken geben, macht das 250'000 Millionen Franken (= 250 Mrd. Fr.). Das entspricht fast den Jahresausgaben der öffentlichen Hand in der Schweiz.
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  • Kommentar von Thomas Heimberg  (tomfly)
    Wie immer stört mich dies: Die Swiss ist deutsch, die "Bettler" sind Deutsche. Bitte geht zu zu Merkel. Noch wichtiger ist aber wieder der zutreffende Spruch: Gewinne werden privatisiert und Verluste sozialisiert. Kommt noch dazu, dass die fetten Gewinne u.a. dank Steuererleichterungen zustande kommen. Und: Dank der Vielfliegerei konnte sich Corona so schnell weltweit ausbreiten - da wäre ein "Rückschritt" angemessen.
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    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Thomas Heimberg: Stimmt alles was Sie schreiben. Aber: Mit ihren Massnahmen würden wir als einziges Land der Welt nach Corona ohne eigene Fluggesellschaft dastehen. Wollen Sie das? Ja, die Swiss ist auf dem Papier deutsch, faktisch aber schweizerisch, da die Wertschöpfung in der Schweiz stattfindet und nicht in Deutschland. Merkel bzw. Deutschland werden nicht bezahlen. Die sind nicht wie wir, die wir noch für Easy Jet bezahlen. Wenn wir zahlen werden wir dafür nachher wieder beteiligt sein.
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    2. Antwort von Thomas Heimberg  (tomfly)
      @T. Leu: Ob ich will, dass wir keine Fluggesellschaft mehr haben? Ja und Nein. Die Probleme, die wir hier diskutieren sind einfach oft zu komplex, als dass man alle seine Gedanken, das Für und Wider, in 500 Zeichen ausdrücken kann. Zudem bin ich oft ein Verfechter von "die Wahrheit liegt oft in der Mitte". Ohne Fliegerei geht es wohl auch in Zukunft nicht, aber wenn es eine Reduktion gäbe, wäre dies sicher gut für die Welt. Ich selbst fliege so alle 5 Jahre einmal und möchte dies auch künftig.
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    3. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Thomas Heimberg: Stimme mit Ihnen im Grundsatz wiederum überein. Aber wenn wir als einziges Land die Swiss opfern, weil wir zu stolz sind und vergeblich hoffen, dass Merkel auch für die Swiss zahlt, dann retten wir die Welt nicht im geringsten. Warum: Dann werden die Flugzeuge der Swiss einfach von den Chinesen billig aufgekauft und fliegen weiterhin nach Zürich und um die Welt, nur, dass wir nichts mehr zu sagen haben und unsere Arbeitsplätze flöten gegangen sind.
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