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Naville: «Das ist wie den Atem anzuhalten»
Aus SRF 4 News aktuell vom 12.03.2020.
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Einreisestopp für Europäer «Dauert das länger, hätte es radikale Konsequenzen»

US-Präsident Donald Trump hat als Reaktion auf die Corona-Krise eine Einreisesperre verhängt: Ab Freitag können Menschen aus Schengen-Ländern nicht mehr in die USA reisen. Auch Schweizerinnen und Schweizer sind betroffen. Ein unerwarteter und drastischer Schritt, sagt der Direktor der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer, Martin Naville.

Martin Naville

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Martin Naville ist seit 2004 CEO der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer. In dieser Funktion bemüht er sich um gute Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern., Link öffnet in einem neuen Fenster, Link öffnet in einem neuen Fenster, Link öffnet in einem neuen Fenster, Link öffnet in einem neuen Fenster

SRF News: Wie haben Sie auf die Ankündigung reagiert?

Martin Naville: Der Schritt kommt sehr überraschend – für alle Akteure. Ein Reiseverbot zwischen Kontinentaleuropa und den USA gab es noch nie. Geht das zu weit, zu wenig weit? Diese Fragen können wir erst am Ende klären.

Schneidet sich der wirtschaftsfreundliche Trump damit nicht ins eigene Fleisch?

Natürlich ist es ein Schlag für die Wirtschaft und er schneidet sich damit ins eigene Fleisch. Man hat ihm aber lange vorgeworfen, er unternehme zu wenig für die Beilegung dieser Krise. Nun unternimmt Trump einen massiven Schritt. Es ist eine Güterabwägung zwischen Gesundheit und Wirtschaft – und der US-Präsident hat sich klar für die Gesundheit entschieden.

Man kann diese Zeitspanne wahrscheinlich einigermassen wegstecken. Dauert es länger, hätte das radikale Konsequenzen.

Wie schätzen Sie die Folgen für die Wirtschaft ein?

In der ganzen Breite lässt sich das nicht beurteilen. Für ein paar Sektoren, etwa für den Tourismus, ist es ein herber Schlag. Für andere Sektoren ist der einmonatige Einreisestopp wie Atem anhalten: Das geht eine Minute gut, dann wird es richtig schmerzhaft. Wenn das Verbot in einem Monat aufgehoben wird, kann man wieder aufholen. Man kann diese Zeitspanne wahrscheinlich einigermassen wegstecken. Dauert es länger, hätte das radikale Konsequenzen.

Welche Branchen sind besonders betroffen von diesem Entscheid?

Neben dem Tourismus wird es vor allem Branchen treffen, die nur exportieren in die USA, also quasi jeden Tag eine grosse Lieferung abwickeln müssen. Es wird Firmen treffen, die schwerpunktmässig in den USA geschäften. Die Schweizer Firmen sind dort einer der grössten Investoren. Für diejenigen Firmen, die in den USA Lager haben, wird es weniger schwierig.

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«Die EU hat es verpasst, Vorkehrungen zu treffen»
Aus SRF News vom 12.03.2020.
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Welche Folgen hat der Entscheid für die US-Wirtschaft?

Die USA haben einen der binnenwirtschaftlich stärksten Märkte der Welt. Import/Export macht relativ wenig für die amerikanische Wirtschaftsleistung aus. Das heisst: Die USA selbst trifft es viel weniger. Ein Beispiel: Die Schweizer Touristen sind im Vergleich mit anderen Touristen eine relativ grosse Gruppe in den USA. Übers Ganze betrachtet ist es für die USA aber sehr viel weniger wichtig als für die Schweiz, ausländische Touristen zu haben.

Das Wachstum im Handelsvolumen beträgt jedes Jahr zehn Prozent. Ob dieses Wachstum weiterhin stattfindet, ist nun die grosse Frage.

Werden Sie nun mit Anfragen von besorgten Unternehmen überhäuft?

Nicht wirklich. Unsere Arbeit ist wirtschaftspolitisch. Es geht um die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft: Steuern, Embargos, Arbeitsbewilligungen und so weiter. Also das, was man sich längerfristig im Verhältnis Schweiz-USA überlegen muss – einer der erfolgreichsten Wirtschaftsbeziehungen der letzten fünf Jahre. Das Wachstum im Handelsvolumen beträgt jedes Jahr zehn Prozent. Ob dieses Wachstum weiterhin stattfindet, ist nun die grosse Frage.

Sie tönen das diplomatische Parkett an. Wird der Entscheid Folgen für das bilaterale Verhältnis haben?

Das glaube ich nicht. Mit der Schweiz hat der Entscheid ja nichts zu tun. Die Schweiz ist einfach Teil von Schengen, der Einreisestopp gilt für Kontinentaleuropa. Er hat aber natürlich negativen Einfluss auf Schweizer Importe und Exporte von und nach Amerika und die Direktinvestitionen zwischen den beiden Ländern.

Das Gespräch führte Teresa Delgado.

SRF 4 News, 12.03.2020, 9:07 Uhr;

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Sinn machend wäre, wenn sich sämtliche Regierungsleute, der Verwaltungsapparat eines jeden Landes darauf einstellen würden, dass das effektive Ende der Corona-Virus-Epidemie, noch in ferner Zukunft liegt...da es noch immer kein wirksames Medikament zur Behandlung gibt! Daher steigen auch die Zahlen der Betroffenen weiter an!
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  • Kommentar von Peter Jürg Ern  (Pattaya)
    Obwohl die Reisebeschränkungen für Europäer durch Mr. Trump keinen Sinn manchen und im besten Fall sein "effekthascherisches" Temperament beruhigt, müssen wir doch froh sein, dass er nicht noch einen oder zwei Kriege anzettelt, nur um wieder gewählt zu werden. MAN sagt, dass ein Präsident im Krieg, von der Bevölkerung praktisch nicht abgewählt wird, mag er noch so inkompetent, eigensüchtig und schrill sein. "Gott sei Lob und Dank nur ein Flug- Reiseverbot.
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  • Kommentar von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
    Herr Trump wird sich noch warm anziehen müssen, wenn es die ärmere Bevölkerung treffen sollte. Die Auflösung der Seuchencenter, die Krankenkassenmisere und der Mangel an qualifizierten Personal. Er hat vieles abgeschafft, weil Herr Obama alles in die Wege geleitet hat. Nun ist eine grosse Lücke endstanden. Immer kann er nicht anderen die Schuld in die Schuhe schieben.
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