Wie alles beginnt: 1914 entdecken Geologen der Caribbean Oil Company grössere Erdölvorkommen im venezolanischen Bundesstaat Zulia. Sogleich startet das Land die Förderung und steigt in den 1930er-Jahren zum grössten Ölexporteur der Welt auf. Das Bruttoinlandprodukt verzehnfacht sich bis Ende der 1970er-Jahre und macht Venezuela zu einem der reichsten Länder der Region.
Nach dem Boom die Rezession: In den 1980er-Jahren gehen die Einnahmen Venezuelas stark zurück. Ein Grund ist die Übereinkunft der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC), die Rohölförderung zu drosseln. Gleichzeitig investiert das Land seine Gewinne weiterhin in Projekte zur Vergrösserung des geopolitischen Einflusses. Die Auslandsverschuldung steigt. An der Macht ist in dieser Zeit Carlos Andrés Pérez.
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Bild 1 von 3. Carlos Andrés Pérez: Von 1974 bis 1979 und von 1989 bis 1993 war er Präsident Venezuelas. Bildquelle: Keystone / FERNANDO LLANO.
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Bild 2 von 3. Hugo Chávez führte das Land von 1999 bis 2013. Er erlag einem Krebsleiden. Bildquelle: IMAGO / Xinhua.
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Bild 3 von 3. Nicolás Maduro, Präsident seit 2013. Am 3. Januar 2026 wurde er von US-Militärs gefangen genommen. Bildquelle: Keystone / CRISTIAN HERNANDEZ.
Versuch von Reformen: Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank zwingen das Land zu Reformen. Dazu gehören die Liberalisierung von Handel und Finanzwesen. Ausserdem soll Venezuela seinen Erdölsektor für private Investoren öffnen, nachdem es diesen einige Jahre zuvor verstaatlicht hat. In der Folge kommt es 1992 zu zwei gescheiterten Staatsstreichen. An der Spitze einer Gruppe von Militärs steht ein Mann, der später Präsident werden wird: Hugo Chávez.
«Holländische Krankheit»: In den 1990er-Jahren befällt Venezuela die «Holländische Krankheit». Nach diesem volkswirtschaftlichen Phänomen schaden hohe Kapitalflüsse der heimischen Produktion – das Wachstum leidet. Benannt ist sie nach einer Entwicklung ab 1977 in den Niederlanden: Ein Boom des dortigen Rohstoffsektors liess die damalige Währung, den Gulden, stark aufwerten, woraufhin die industrielle Produktion einbrach.
Sozialistische Versuche: 1999 fördert Hugo Chávez die Abhängigkeit vom Öl weiterhin, er enteignet private Unternehmen und führt den «Sozialismus des 21. Jahrhunderts» ein. Dazu gehört ein neues Ölgesetz, mit dem er unter anderem festlegt, dass der venezolanische Staat mehrheitlich an Ölunternehmen beteiligt sein muss. Nach der Jahrtausendwende steigen die Rohstoffpreise wieder. Chávez investiert diese nicht nachhaltig. Als in den Zehnerjahren die Importe sinken, steigt die Auslandsverschuldung. 2012 verliert Venezuela seinen Zugang zum privaten internationalen Finanzmarkt.
Exodus aus Not: Nach Chávez' Tod übernimmt Vizepräsident Nicolás Maduro. Es gelingt ihm nicht, Venezuelas Abwärtsspirale zu bremsen. Im Gegenteil: Hyperinflation, Versorgungsengpässe und Armut bringen Millionen Menschen dazu, das Land zu verlassen. Die UNO-Flüchtlingshilfe geht von 6.2 Millionen Wirtschaftsflüchtlingen aus (Stand 2024).
«Fluch der Ressourcen»: Venezuela ist dem «Fluch der Ressourcen» verfallen; ein Begriff, den der Wirtschaftswissenschaftler Richard Auty prägte und der illustriert, wie ein Boom im Rohstoffsektor eines Landes negative Auswirkungen auf seine heimische Wirtschaft haben kann. Was andere rohstoffreiche Länder wie Norwegen oder Kanada geschafft haben – die stark schwankenden Rohstoffpreise durch Staatsfonds auszugleichen –, gelingt Venezuela nicht. Mit der gewaltvollen Absetzung Maduros wollen die USA das venezolanische Ölgeschäft neu beleben – zu ihrem eigenen Vorteil.