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Extreme Armut ist grösser als bisher angenommen
Aus Echo der Zeit vom 27.02.2020.
abspielen. Laufzeit 04:19 Minuten.
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Extrem Arme in Krisengebieten «Der Migrationsdruck dürfte noch zunehmen»

Extreme Armut liegt vor, wenn jemand weniger als 2 Franken pro Tag zur Verfügung hat, so die Definition der Weltbank. Sie hat dieser extremen Armut den Kampf angesagt. Bis 2030 sollte das Phänomen ganz verschwinden – ein ambitiöses Ziel. Bis jetzt schien sie aber auf gutem Weg zu sein. Nun zeigt ein neuer Bericht der Bank: 30 Millionen Menschen mehr als bisher angenommen leben in extremer Armut.

Maren Peters

Maren Peters

Wirtschaftsredaktorin SRF

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Maren Peters ist Mitglied der Wirtschaftsredaktion von Radio SRF. Ihre Spezialgebiete sind internationale Finanz- und Handelsorganisationen sowie multinationale Unternehmen.

SRF News: Wo kommen diese 30 Millionen Menschen plötzlich her?

Maren Peters: Die zuständige Abteilungsleiterin der Weltbank sagt, viele dieser Ärmsten der Armen seien für die Weltbank bisher «unsichtbar» gewesen, weil sie in konfliktreichen, oft schwer zu erreichenden Gegenden der Welt leben. Inzwischen habe die Weltbank aber bessere, genauere Messmethoden als bei der letzten Armutserhebung 2015. Das bestätigen auch andere Experten. Die Weltbank kann sich nun auch auf Satellitendaten oder auf Handy-Umfragen stützen.

In vielen Weltregionen boomt die Wirtschaft seit längerem. Müsste die extreme Armut nicht stärker abnehmen?

In den letzten zwanzig Jahren ist die Armut auf der Welt massiv zurückgegangen, wenn man die Durchschnittswerte anschaut. Aber in den einzelnen Ländern haben nicht alle Menschen gleichermassen vom wachsenden Wohlstand profitiert. Die Ungleichheit hat in vielen Ländern – etwa in China – stark zugenommen. Es gibt eine neue Schicht sehr wohlhabender Menschen, aber nach wie vor sehr viele sehr arme Menschen, vor allem im Hinterland.

Die Zahl extrem Armer in Konfliktgebieten hat sich seit 2007 verdoppelt.

Zudem gibt es immer mehr Menschen, die aufgrund von Konflikten in Not geraten, auch das zeigt der neue Bericht. Die Zahl extrem Armer in Konfliktgebieten hat sich seit 2007 verdoppelt. Schon jetzt lebt fast die Hälfte der extrem Armen in Konfliktgebieten wie dem Jemen, Syrien und vielen afrikanischen Ländern. In den nächsten zehn Jahren dürfte deren Anteil auf zwei Drittel ansteigen.

Was tut die Weltbank nun?

Direkt tut sie nichts. Jetzt liegen erst einmal die neuen Daten vor, dann kommt vielleicht eine Strategieänderung. Aber sie empfiehlt der internationalen Staatengemeinschaft und ihren Mitgliedsländern, sich bei der Entwicklungshilfe mehr auf die Länder zu konzentrieren, die es am nötigsten haben – also die Länder im Mittleren Osten und in Afrika.

Ändert die Weltbank nun ihre Kreditvergabepraxis?

Die Weltbank vergibt im Moment noch Kredite an China. Aber auf Druck der USA, die grösster Anteilseigner der Weltbank sind, soll sich das ändern. Denn der jetzigen US-Regierung gefällt es nicht, dass der grosse Konkurrent China, inzwischen zweitgrösste Wirtschaftsmacht der Welt, immer noch Entwicklungsgeld bekommt. Gut möglich, dass der neue Armutsbericht die theoretische Grundlage für eine endgültige Strategieänderung legen soll. Die verantwortliche Abteilungsleiterin der Weltbank wollte das nicht kommentieren. Es ist natürlich hochpolitisch.

Kann die extreme Armut bis 2030 noch beseitigt werden?

Beim jetzigen Tempo dürfte das sehr schwierig werden. Der starke Rückgang der Armut in den letzten Jahren hat sich bereits abgeschwächt. Das liegt vor allem daran, dass die Wirtschaft in Ländern wie China inzwischen weniger stark wächst.

Der Migrationsdruck aus Ländern mit extremer Armut dürfte eher noch zunehmen. Auch darum sollte der Politik daran gelegen sein, gegenzusteuern.

Mit den 30 Millionen Menschen, die die Weltbank jetzt neu erfasst hat, wird es natürlich noch schwieriger. Trotzdem ist es wichtig, dass es dieses Ziel der Weltbank gibt: Der Migrationsdruck aus Ländern mit extremer Armut dürfte eher noch zunehmen. Auch darum sollte der Politik daran gelegen sein, gegenzusteuern.

Das Gespräch führte Beat Soltermann.

Echo der Zeit vom 27.2.2020; gfem

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6 Kommentare

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  • Kommentar von antigone kunz  (antigonekunz)
    "Ärmsten der Armen seien für die Weltbank bisher «unsichtbar" Es braucht keine Weltbank um die Armen nicht zu sehen.....Ob in Zürich oder Paris, sehen wir sie? In Paris eher, zuviele sind es, auch ganze Familien, die obdachlos sind. In Zürich, genügt den Blick vom Handy zu nehmen und hinzuschauen? Unsere kapitale Kultur&Gesellschft macht ja nichts anderes, als Menschen unsichtbar zu machen. Saskia Sassen hat dazu Einiges schon vor Jahren geschrieben.
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    1. Antwort von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
      Frau Kunz die Armen die man in Zuerich sieht.. sind die wirklich arm.. sie haben die Gassenkueche etc.. aber gehen Sie mal in Lager oder in ausgedoerrte landliche Gebiete in Afrika.. ausgedorrt wegen Klimawandel und Raubbau (landwirtschaftlichem Raubbau).... Kleine Skelette mit aufgedunsenen Baeuchen... schrecklich.. und trotzdem Leben drin.. und mit den traurigsten Augen die man sich vostellen kann.. es weint in mir!!!!!
      (und wir werfen Essbares weg,,,, )
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  • Kommentar von marlene Zelger  (Marlene Zelger)
    Ach, ein weiterer Migrationszunami kommt auf uns zu. Und dabei hat Europa mit dem Coronavirus zu kämpfen. Das kann ja heiter werden.
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    1. Antwort von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
      Die Verfolgten und Armen sind schwach.. sehr schwach.. die Gesundheit unter Druck.. wenn bei denen das Coronavirus ankommt.... haben wir kaum einen "Migrationszunami" zu erwarten...
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    2. Antwort von Mark Stalden  (Mark)
      Frau Zelger. Millionen von Menschen leben ihn Extremer Armut und ihre einzige Sorge ist das ihnen was Weggenommen wird. Einen Tsunami habe ich keinen Verspürt hier ihn der Schweiz ihn denn letzten 40 Jahren.
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    3. Antwort von antigone kunz  (antigonekunz)
      Nein, kein Zunami, Menschen. Frau Zelger. UND da wir der globalisierte Norden seit Jahrzehnten auf Kosten dieses endlich Planeten leben und den Mitmenschen und vielen Mitwesen die Lebensgrundlagen zerstört haben, und weiter tun, wird das Norm werden. Menschen unterwegs. Wären wir etwas schlauer, würden Politik&Gesellschft alle unnötigen touristischen Bewegungen stoppen, ein Virus kann dies, wie lange? Blödsinnigen Kriegen das Wasser abgraben. UND wirklich den Ernst der Lage zu Herzen nehmen.
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