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China und das Evergrande-Debakel
Aus Börse vom 24.09.2021.
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Fall Evergrande «In keinem Land sind Firmen so stark verschuldet wie in China»

Kaum ein Tag vergeht im Moment ohne neue Ungewissheiten rund um den hoch verschuldeten Evergrande-Konzern in China. Aktuell machen Meldungen die Runde, wonach Evergrande am Donnerstag fällige Coupon-Zahlungen nicht vollumfänglich bedienen konnte. Evergrande sei kein Einzelfall, erklärt Finanzmarkt- und Asien-Expertin Christa Janjic-Marti von der Beratungsfirma Wellershoff & Partners im Interview.

Christa Janjic-Marti

Christa Janjic-Marti

Ökonomin

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Die Wirtschaftsexpertin berät seit 2013 Banken, Pensionskassen und Stiftungen für Wellershoff & Partners. Zuvor arbeitete sie während zwölf Jahren als Ökonomin für die UBS Investment Bank in Zürich, Singapur und London. Sie studierte Volkswirtschaft an den Universitäten Lausanne und Cambridge und schloss mit einem Master in Ökonomie ab.

SRF News: Die Krise rund um den chinesischen Evergrande-Konzern, worauf ist das zurückzuführen?

Christa Janjic-Marti: Die chinesische Regierung hat es sich zum Ziel gesetzt, die hohe Verschuldung im Land zu stabilisieren. Es ist also zur Priorität geworden, diesen massiven Kreditboom, den China hinter sich hat, unter Kontrolle zu bringen.

Das heisst in dem Fall gleichzeitig, dass der Evergrande-Konzern mit seinen Problemen nicht allein ist?

Genau, die Banken haben in den letzten zehn bis 15 Jahren rekordverdächtig viele Kredite gesprochen. Das hat dazu geführt, dass das chinesische Bankensystem heute das weltweit grösste ist und in keinem anderen Land weltweit die Firmen so stark verschuldet sind im eigenen Bankensystem wie in China.

China hat gemerkt, dass die hohe Verschuldung eine Achillesferse ist.
Autor: Christa Janjic-Marti Wirtschaftsexpertin

Die chinesische Regierung hat offenbar erkannt, dass diese Entwicklung ein ungesundes Ausmass angenommen hat. Ist dies der Grund, dass nun versucht wird, diesem Treiben einen Riegel zu schieben?

Ganz sicher. China hat miterlebt, wie viele Krisen weltweit aufgrund solcher Kredit-Booms entstanden sind und hat gemerkt, dass die hohe Verschuldung eine Achillesferse ist. Deshalb soll die Verschuldung der Firmen nun unter Kontrolle gebracht werden.

Wie schwierig ist dies in einem Land mit so vielen Banken, die unter Staatskontrolle stehen?

Gerade weil die meisten und vor allem die grössten Banken in Staatsbesitz sind, ist die Kontrolle vergleichsweise einfach. Schwieriger ist es, die Banken zu kontrollieren, die nicht in Staatsbesitz sind.

Trotzdem scheint man nun sogar in Kauf zu nehmen, dass Firmen Konkurs gehen könnten. Ist das für die chinesische Wirtschaft verkraftbar?

Die Regierung scheint mehr denn je bereit zu sein, ein Preis dafür zu zahlen. Das lässt sich auch an den Wachstumsprognosen ablesen, die Anfang Jahr bekannt gegeben wurden. Die waren auffallend pessimistisch im Vergleich zu den Prognosen der letzten Jahre.

SNB-Präsident Thomas Jordan zum Fall Evergrande

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Es sei noch zu früh für definitive Antworten im Fall Evergrande, sagte SNB-Präsident Thomas Jordan am Donnerstag gegenüber SRF, die Datenlage sei zu wenig klar: «Immer, wenn solche Situationen entstehen, ist es wichtig, dass man sich zuerst ein gutes Bild verschafft und dann schaut, welche Auswirkungen es potenziell haben könnte und inwiefern Massnahmen notwendig werden», so Jordan. Man sei mit den Schweizer Geschäftsbanken wie auch mit den Zentralbanken in regelmässigem Austausch, diskutiere und analysiere die Risiken.

An den Börsen herrscht deswegen grosse Verunsicherung. Ist das nachvollziehbar?

Ja, weil die Informationslage dünn ist. Deshalb ist diese Reaktion der Börsen logisch, auch weil China konjunkturell ein sehr wichtiger Teil der Weltwirtschaft ist.

Der grosse Teil des Kreditbooms der letzten Jahre in China ist hausgemacht.
Autor: Christa Janjic-Marti Wirtschaftsexpertin

Diverse westliche Banken haben informiert, man sei nur marginal betroffen. Weshalb kamen die Bankaktien dennoch so stark unter Druck in den letzten Tagen?

In vergangenen Krisen hat es oftmals auch internationale Banken getroffen. In diesem Fall trifft dies weniger zu. Der grosse Teil des Kreditbooms der letzten Jahre in China ist hausgemacht. Darum sind vor allem die chinesischen Banken die Leidtragenden.

Doch die Verunsicherung ist nun mal da, von chinesischen Aktien wird abgeraten. Wie geht es nun weiter?

Kurzfristig ist weiterhin mit Verunsicherung zu rechnen. Mittel- bis langfristig ist davon auszugehen, dass das System robuster und weniger anfällig wird, weil versucht wird, die Verschuldung unter Kontrolle zu bringen.

Das Interview führte Andi Lüscher.

SRF4 News, 24.09.2021, 12:00 Uhr;

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Mueller  (Elbrus)
    Es sind überwiegend institutionelle Anleger die es trifft. Die Bonds haben überwiegend eine Stückelung von 200000 USD. Das ist sicher nicht der durchschnittliche Chinese mit 15000 USD Jahresgehalt der sowas kauft.
    Wie könnte man umschulden. Eine der besseren Ideen wären die Bonds bis 2025 alles Kurzläufer bis 8 Jahre in Chinesische Government Bonds mit 25 Jahren Laufzeit zu wandeln zu einem tieferen Zins von sagen wir mal 5%.
  • Kommentar von Jonny Berger  (Landkind)
    Im Jahr 2019 hatten die USA eine Staatsschuld von Total 22'000 Mrd. $.
    Davon hielten andere Länder "nur" 6'600 Mrd. $.
    Japan 1'122 Mrd. hatte im 2019 China 1'112 Mrd. als grösster Schuldner der USA abgelöst, weil China seit einigen Jahren Fremdwährungsreserven abbauen.
    Die Schweiz trug von den US-Schulden im Jahr 2019 etwa 230 Mrd. $
    https://www.nzz.ch/wirtschaft/wer-den-usa-das-meiste-geld-ausleiht-ld.1502305
  • Kommentar von Andy Gasser  (agasser)
    Die Fassade der KPC bröckelt immer mehr, langsam wird es kritisch die eigene Bevölkerung bei Laune zu halten. Es erinnert an viele Diktaturen zuvor. Eine Zeit lang geht das Versprechen von Wohlstand und Wachstum gut, aber irgendwann zerbricht die Fassade. China besteht nicht nur aus den modernen Skylines in Shanghai und Peking. Bleibt nur zu hoffen dass China nicht auch zu einem Krieg schreitet um die inneren Probleme zu kaschieren.