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Luftfahrt und Klimaschutz geht nur schwer zusammen
Aus Rendez-vous vom 11.06.2020.
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Flug-Emissionen kompensieren Die Flugbranche will die Regeln wegen Corona ändern

Die Airlines sollen den Mehrausstoss wegen der Zunahme der Flugreisen kompensieren. Wegen Corona befürchten sie jetzt Milliarden Mehrausgaben.

Im Pariser Klimaabkommen 2015 wurde die Luftfahrt noch völlig ausgeklammert. Doch 2016 einigte sich die Branche darauf, ihr Wachstum nach 2020 zu kompensieren. So sollen die ab diesem Jahr zusätzlich anfallenden Treibhausgas-Emissionen etwa durch Aufforstung wiedergutgemacht werden.

Jetzt aber will die Luftfahrtindustrie die Spielregeln ändern, die von der UNO-Luftfahrtorganisation ICAO definiert wurden – wegen der Coronakrise.

CO2-neutrales Wachstum angestrebt

Im System zum Ausgleich und zur Reduzierung von CO2-Emissionen für die internationale Fliegerei (Corsia, Link öffnet in einem neuen Fenster) haben sich alle Mitgliedsländer verpflichtet, dass die Luftfahrt ab 2021 CO2-neutral wachsen soll. Als Grundlage soll der Durchschnitt der Emissionen aus den Jahren 2019 und 2020 dienen.

Symbolbild: Flugzeuge verschiedener Fluggesellschaften auf einem Flughafen
Legende: Die Fluggesellschaften sollen ab 2021 jenes CO2 kompensieren, das aus der Zunahme des Luftverkehrs resultiert. Reuters

Das allerdings gehe nun wegen der Coronakrise nicht mehr, sagt Michael Gill, Leiter der Umwelt-Abteilung beim Internationalen Verband der Fluggesellschaften (IATA): «Der Basiswert für das Kompensationssystem ‹Corsia› wäre deutlich tiefer als vorhergesehen.»

Damit müssten die Fluggesellschaften in den nächsten Jahren deutlich höhere CO2-Kompensationen schultern. Die Branche rechnet deshalb mit Mehrkosten von bis zu 21 Milliarden Dollar.

Viel tieferes Niveau wegen Corona

Die Flugbranche schlägt deshalb vor, nur das Jahr 2019 als Grundlage für die Berechnung zu nehmen. Das töne nur auf den ersten Blick überzeugend, entgegnet Annie Petsonk von der Nichtregierungsorganisation Environmental Defense Fund in Washington.

«Doch wenn nur mit 2019 verglichen wird, müssten die Fluggesellschaften, weil sie jetzt auf einem viel tieferen Niveau sind, in den kommenden Jahren überhaupt nichts kompensieren», sagt Petsonk.

Das Ziel von «Corsia» sei aber, die Emissionen aus der Luftfahrt auf dem aktuellen Niveau zu stabilisieren, sagt Gill von der IATA.

Wenn nur mit 2019 verglichen wird, müssten die Fluggesellschaften in den kommenden Jahren überhaupt nichts kompensieren.
Autor: Annie PetsonkNGO Environmental Defense Fund, Washington

Dem widerspricht Petsonk nicht grundsätzlich. Sie betont aber, dass viele Investoren daran seien, bereits in Kompensations-Projekte oder in die Entwicklung klimafreundlicher Treibstoffe zu investieren. Eine Änderung der Regeln von «Corsia» würde diese Investoren vor den Kopf stossen.

Entscheiden wird die ICAO

Das glaubt wiederum Michael Gill nicht. Die Luftfahrt habe ja neben «Corsia» auch noch das langfristige Ziel, die Emissionen bis 2050 im Vergleich zu 2005 um 50 Prozent zu reduzieren. Daran arbeite die Branche ohnehin.

Verschnaufpause beim Klimaschutz, oder nicht? Entscheiden muss jetzt die UNO-Luftfahrtorganisation. Der ICAO-Exekutivrat trifft sich derzeit in Montreal. Ein Beschluss wird frühestens gegen Ende der Woche erwartet.

EU und USA für Änderung der Regeln

Ein Jet, im Hintergrund der Vollmond
Legende:Keystone

Die EU-Staaten haben sich diese Woche hinter eine Lockerung von «Corsia» gestellt. Sie sprachen sich dafür aus, als Basisjahr zur Berechnung der Kohlendioxid-Emissionen im Luftverkehr allein das Jahr 2019 festzulegen – statt den Durchschnitt von 2019 und 2020. Auch die USA sprechen sich Insidern zufolge für eine solche Anpassung der Regeln aus. (dpa)

Rendez-vous, 11.06.2020, 12:30 Uhr

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Mike Steiner  (M. Steiner)
    Ich schlage vor, wir hauen nochmals 20 Rappen aufs Benzin, damit die Flugbranche nichts tun muss. Umlagerungen zum tragenden Mittelstrand bis zum Zusammenbruch sind ja offenbar immernoch die besten, oder? ;-)
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  • Kommentar von Beat Reuteler  (br)
    Es hat sich in den Grundzügen also immer noch nichts geändert. Man will nichts machen weil man Angst hat das Wachstum werde dann kleiner. Hier kann ja nicht einmal die Konkurrenzfähigkeit als Argument kommen, weil es ja alle gleich betreffen würde. Die Masche ist dieselbe wie die der Automobilbranche beim Diesel Skandal: Die Commitments wo immer möglich zu den eigenen Gunsten biegen.
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    1. Antwort von Astrid Meier  (Swissmiss)
      Von Wachstum kann doch keine Rede sein! Etliche Airlines werden diese Krise nicht überstehen, Lufthansa streicht 20‘000 Stellen, und BA 15‘000. Die Swiss hofft, mit Lohnreduktion und Pensionierungen bei den Piloten ohne Kündigungen über die Runden zu kommen.
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  • Kommentar von Urs Rösti  (szuechype)
    Fliegen ist Luxus. Dann wird argumentiert, dass man durch rücksichtsloses Wachstum diesen Luxus allen zugänglich machen möchte. Letztliche Begründung? Branche biete Arbeitsplätze. Aber wie in jeder Branche werden in einer Krise erstmal Leute entlassen (vgl. Lufthansa, weit mehr als 10000). Es wird zu wenig über nachhaltige Arbeitsplätze gesprochen. Platzhirsche versuchen, Veränderung der Lebensweise aufzuhalten.Hier sollte nicht nachgegeben werden, Investment lohnt mehr in anderen Branchen.
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