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Schweizer Konzert-Veranstalter in deutscher Hand
Aus Rendez-vous vom 24.01.2020.
abspielen. Laufzeit 03:59 Minuten.
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Fusion bei Konzertveranstalter Trübe Aussichten für Schweizer Künstler an Open Airs?

Auch der Veranstalter des Open Airs St.Gallen wechselt in ausländische Hände. Der Druck in der Branche ist enorm.

Musik-Festivals zu organisieren ist ein teures – und risikoreiches Geschäft. Bleibt das Publikum weg, weil vielleicht das Wetter nicht stimmt, kann das den finanziellen Ruin bedeuten. Denn die fixen Kosten für Infrastruktur und grosse Bands sind hoch. Entsprechend ist es in den letzten Jahren immer wieder zu Zusammenschlüssen von Veranstaltern gekommen, um die Risiken besser abfedern zu können.

Bei der «Gadget ABC Entertainment Gruppe» kommt es nun zur grossen Fusion. Mit dabei auch «Wepromote», selber ein Zusammenschluss mehrerer Veranstalter und Organisator des Open Airs St.Gallen. Ein sinnvoller Schritt, ist Wepromote-Chef Christoph Huber überzeugt: «Es ist eine Stabilisierung. Es hilft in einer grösseren Firma, den Fortbestand zu sicher.»

Für ein kleines Festival wie das Heitere Open Air wird es nicht einfacher.
Autor: Christoph BillLeiter Heitere Open Air

Ähnlich tönt es bei Eric Kramer, dem Gründer von «Gadget». Die Agentur hat etliche Schweizer Musikerinnen und Musiker unter Vertrag. «Der Markt wird immer enger, es kommen immer grössere Firmen. In einem grossen Verbund hat man viel mehr Möglichkeiten.»

«Die Entscheide werden in der Schweiz gefällt»

Stärkste Partnerin im neuen Verbund dürfte die «ABC Production» sein. Kontrolliert wird sie vom deutschen Unterhaltungskonzern «CTS Eventim». Dieser ist auch zur Hälfte am Billett-Anbieter «Ticketcorner» beteiligt.

Dieser Konzern habe eine grosse Marktmacht im Musikgeschäft, sagt Michael Schuler, Leiter der Redaktion Pop und Rock bei Radio SRF: «CTS Eventim produziert Konzerte in 21 Ländern. Sie hat Markt- und Publikumsdaten, die man für die Schweiz auswerten kann.»

André Bechir, der einflussreiche bisherige Chef von ABC, glaubt aber nicht, dass die Schweizer Festivals nun direkt vom Ausland aus gesteuert werden. «Die Entscheide werden in der Schweiz gefällt. Es gibt viel zu tun, aber wir werden es schaffen.»

Openair St. Gallen.
Legende: Auch das Open Air St. Gallen gehört neu einem ausländischen Konzern. Keystone

Das Heiteren Open Air in Zofingen ist eines der kleineren, bisher noch unabhängigen Festivals. Dessen Chef Christoph Bill beobachtet den neuen Konzert-Konzern mit gemischten Gefühlen. «Es entsteht bei diesem Anbieter in Sachen Ticketing, Veranstaltungen, Booking und Management eine Ballung. Für ein kleines Festival wie das Heitere Open Air wird es nicht einfacher.»

Er setzt auf die Nischen, ähnlich wie beim Bier: Da seien die grossen Schweizer Brauereien auch von ausländischen Grosskonzernen aufgekauft worden – und es habe Platz gegeben für viele Klein-Brauereien.

Werden gewisse Bands benachteiligt?

Skeptischer ist da Andreas Ryser, der Präsident von «Indiesuisse», dem Verband der kleinen, unabhänigen Musik-Anbieter. «Bis jetzt war es so, dass eine Booking-Agentur eine Band einem Festival angeboten hat. Wenn nun aber die Booking-Agentur und das Festival von der gleichen Firma geleitet werden, ist es logisch, dass diese Bands bessere Karten haben.»

SRF-Musikspezialist Schuler geht davon aus, dass es für gute Schweizer Bands weiterhin Platz geben wird. «Die neuen Firmen können aber den Preis noch besser dominieren, also die Gage für die Künstler.»

Will heissen: Auf den Festival-Bühnen werden dank des Veranstaltungs-Riesen mehr grosse internationale Bands spielen. Und viele kleine Schweizer Bands spielen allenfalls für ein Butterbrot. Noch offen ist, ob und wie sich diese neue Dominanz auch auf die Ticket-Preise für die Festivals auswirken wird.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Hubert Glauser  (hubiswiss)
    Ich finde bei den heutigen Open Airs steht ohnehin nicht mehr die Musik der Bands im Vordergrund. Es geht nur noch um Party und trinken
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  • Kommentar von Claudia Beutler  (Claudia)
    Ein guter Grund wieder ans Heiteren zu gehen.
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  • Kommentar von Vale Nipo  (VNxpo)
    Der Kapitalismus zielt auf eines hinaus: unendliche Profitsteigerung. Es hat schon immer Mächtige gegeben z.B Alexander der Grosse. Diese Mächtigen möchten ihren Reichtum immer behalten und steigern, darum beuten sie die Menschen aus, verlangen Steuern, Zölle etc. Psychologisch gesehen haben sie angst vor dem Verlust. Der Kapitalismus zerdrückt die ärmere Gesellschaft immer weiter, bis am Ende auch die Mächtigen zerbröckeln. Es ist wie eine Sanduhr. Der Ausgang wird immer dünner.
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