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Legende: Video Finma warnt vor einer Immobilienblase abspielen. Laufzeit 01:51 Minuten.
Aus Tagesschau vom 04.04.2019.
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Gefahr einer Immobilienblase Finma ruft Banken zur Selbstregulierung auf

Werden Hypothekarkredite zu leichtfertig vergeben? Die Bankenaufsicht hat elf Banken angemahnt.

  • Die Schweizerische Finanzmarktaufsicht (Finma) warnt die Banken vor Risiken im Immobilienbereich
  • Elf Banken, die zu leichtfertig Hypothekarkredite vergaben, wurden von der Behörde zurückgebunden.
  • Der Chef der Finma ermuntert die Banken, sich selbst strengere Regeln aufzuerlegen.

Die Risiken, die im Immobilienmarkt lauern, sind für jedermann und jede Frau gut sichtbar. Man müsse nur mal mit offenen Augen in der Schweiz herumfahren, sagt Mark Branson, der Direktor der Finanzmarktaufsicht (Finma): «Wir haben 70’000 leere Wohneinheiten in der Schweiz. Das ist so viel wie im ganzen Kanton Schwyz. Und dazu wird noch rege gebaut.»

Das bedeutet, dass die Risiken im Immobilienbereich noch zunehmen. Deshalb hat sich die Finma mehrere Banken vorgeknöpft und geprüft, ob sie zu leichtfertig Hypothekarkredite vergeben. Im Fokus stehen dabei Kredite an Investoren, die Mehrfamilienhäuser kaufen oder bauen und dann vermieten. Diese Rendite-Liegenschaften machen ein Drittel des gesamten Hypothekarmarktes aus.

Nationalbank schätzt Risiken ähnlich ein

In diesem Bereich sind die Risiken am grössten. Das sagt nicht nur die Finma, sondern auch die Schweizerische Nationalbank. Sie beobachtet diesen Markt ebenfalls sehr genau.

Die Finma hat inzwischen elf Banken zurückgebunden, wie Branson sagt: «Über die letzten Jahre haben wir bei elf Banken Kapitalzuschläge total vier Milliarden zusätzliches Kapital für Risiken in diesem Bereich angeordnet.»

Banken müssen ihr Immobiliengeschäft mit mehr Sicherheitskapital unterlegen. Das ist teuer. Entsprechend soll diese Massnahme die Geldhäuser dazu bringen, ihre Immobilien-Kredite vorsichtiger zu vergeben.

Doch das allein reiche nicht, sagt Branson. Es brauche flächendeckend für alle Banken strengere Vorschriften. Das ist nicht zuletzt ein Appell an die Banken selbst. Die Bankiervereinigung überlegt sich, ob sie ihre Selbstregulierung verschärfen soll. Sie zögert aber noch. Konkrete Vorschläge liegen noch nicht auf dem Tisch.

Greift der Bundesrat ein?

Alternativ könnte auch der Bundesrat die Hypothekarvorschriften verschärfen, indem er die entsprechende Verordnung anpasst. «Es ist uns am Ende nicht so wichtig, wie wir zum Ziel kommen. Aber wichtig ist, dass es Massnahmen gibt, die über den ganzen Markt Wirkung entfalten», sagt Branson.

Die Botschaft des Finma-Direktors an die Adresse der Banken ist unmissverständlich: Auferlegt euch selbst vorsichtigere Hypothekarregeln – sonst drückt euch der Bund bald strengere Regeln aufs Auge!

Für den obersten Finanzplatzaufseher ist klar, dass die Zeit drängt. Zu gross ist die Gefahr einer erneuten Immobilienkrise in der Schweiz. Entsprechend erwartet Branson noch in diesem Jahr konkrete Regulierungsvorschläge von den Banken oder sonst vom Bundesrat.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Olaf Schulenburg (freier Schweizer)
    Lächerlich. Als ob eine freiwillige Ermahnung bei Banken und Versicherungen etwas bringen würde. Das sind DIE Treiber des Kapitalismus, und eine Regel dieser Ideologie: Der Starke überlebt. Alle anderen fusionieren vor dem Untergang oder werden von Staates wegen gerettet. Also soll sich die Finma entweder raushalten oder klare Anweisung und Befehle via Bundesrat geben.
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    1. Antwort von Reto Camenisch (Horatio)
      Wie immer und überall. Es braucht zwei.
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  • Kommentar von Hans Ochsner (Hans Ochsner)
    Die Blase ist eben keine Blase wenn die Zinsen so tief bleiben. Und vieles spricht dafür! Wenig dagegen! Jeder der sich wegen den Warnungen von verschiedenster Seite zurück gehalten hat zieht deswegen den Kürzeren! Soll man also auf dieses Geschwätz respektive auf diese Panikmacherei hören? Falsch wars!
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  • Kommentar von Letizia Stefani (Stefani)
    Die Ursache liegt wohl zu einem grossen Teil an den Negativzinsen. Institutionelle und private Anlager investieren auf Grund der schlechten Zinsen vermehrt in Immobilien und Aktien. Beide Bereiche sind überbewertet. Das führt früher oder später zu einer Korrektur. Statt festverzinsliche Anlagen für die Sparer attraktiv zu machen (= Zinserhöhung) wird versucht, das Hypothekargeschäft zu entschleunigen. Das führt dazu, dass dieses Geld auch an der Börse landet, die sowieso schon überhitzt ist.
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