- Die Europäische Zentralbank (EZB) lässt die Leitzinsen im Euroraum unverändert.
- Der für Banken und Sparer wichtige Einlagenzins bleibt bei 2 Prozent, wie die Notenbank nach einer auswärtigen Sitzung in Florenz mitteilte.
- Damit bleibt die EZB nach einer Serie von Zinssenkungen in Lauerstellung.
Auf der auswärtigen Sitzung in Florenz hielt der EZB-Rat am Einlagensatz von 2 Prozent fest. Diesen erhalten Banken für das Parken überschüssiger Gelder bei der EZB. Er dient als massgebliches Steuerungselement für die Geldpolitik im Euroraum.
Die Währungshüter um EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatten den Leitzins bereits im Juli und September konstant gehalten. Wie es nun weitergeht, liessen die Währungshüter offen: «Der EZB-Rat legt sich nicht im Voraus auf einen bestimmten Zinspfad fest», heisst es in der Pressemitteilung.
Inflation eingedämmt
Zuvor hatte die Notenbank die Leitzinsen achtmal binnen eines Jahres herabgesetzt. Noch im Frühjahr 2024 lag der Einlagenzins, den Banken erhalten, wenn sie Geld bei der EZB parken, doppelt so hoch bei 4 Prozent. Seither sind auch die Sparzinsen deutlich gesunken.
Wichtigste Aufgabe der EZB ist es, für einen stabilen Euro zu sorgen und so die Kaufkraft der Menschen zu erhalten. Das Ziel sieht die Zentralbank bei einer Inflationsrate von mittelfristig 2 Prozent gewährleistet. Die Leitzinsen der EZB haben weitreichende Auswirkungen an den Finanzmärkten und beeinflussen etwa die Höhe der Kreditzinsen für Unternehmen und die Zinsen für Sparer.
Leichter Aufwärtstrend bei Sparzinsen
Zuletzt beobachtete das Vergleichsportal Verivox wieder leicht steigende Tages- und Festgeldzinsen. Allerdings mache die angezogene Inflation den Effekt zunichte, so dass Sparer unterm Strich Geld verlieren – insbesondere mit Tagesgeld, das zuletzt im Schnitt 1.28 Prozent Zinsen abwarf, während sich die Teuerung über der 2-Prozent-Marke eingependelt hat.
An den Finanzmärkten ist mit der Zinspause der EZB die Erwartung sinkender Leitzinsen geschwunden. Viele Ökonomen glauben, dass die Notenbank die Zinsen dieses Jahr nicht mehr antasten wird: Die nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine ausgeuferte Inflation im Euroraum ist eingedämmt. Für das laufende Jahr erwartet die EZB eine Teuerungsrate von 2.1 Prozent. Das wäre nur leicht über dem Ziel der Notenbank von 2 Prozent.
Zudem hält sich die Wirtschaft in der Eurozone trotz höherer US-Zölle robuster als erwartet. Im dritten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt nach Daten von Eurostat um 0.2 Prozent zu, getragen von einstigen Krisenländern wie Spanien und Portugal sowie Frankreich.
Zuletzt hob die EZB ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr sogar leicht an. Und angesichts der vielen Unruheherde, darunter die Regierungskrise in Frankreich, spricht viel dafür, dass sich die Notenbank alle Optionen offen und ihr Pulver trocken halten will.
Vorerst Ruhe im Zollstreit
Manche Volkswirte sehen auch die Inflationsrisiken im Euroraum nicht ganz gebannt. So stiegen die Verbraucherpreise im September auf 2.2 Prozent. Im Währungsraum hält sich zudem die Inflation ohne die stark schwankenden Lebensmittel- und Energiepreise hartnäckig, zuletzt lag diese sogenannte Kerninflation bei 2.3 Prozent. Immerhin: Die Sorgen um den Zollstreit mit den USA sind gesunken.