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Warum Homeoffice ermüdend ist
Aus Echo der Zeit vom 28.05.2021.
abspielen. Laufzeit 04:07 Minuten.
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Hadern mit dem Homeoffice Die «Zoom-Fatigue» zieht durchs Land

Eine virtuelle Sitzung jagt die nächste, im Team-Chat ploppen unablässig Nachrichten auf: Forscher orten eine Ermüdung.

So wie an dieser Team-Sitzung des Medienpsychologen Gregor Waller von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) tönt es derzeit in vielen Unternehmen – und bei vielen zu Hause:

Man trifft sich am Bildschirm. Man sieht und hört die anderen, und man sieht sich auch selbst. Das sei, als ob man stundenlang vor einem Spiegel sitzen würde, sagt Waller: «Wir sind uns das überhaupt nicht gewohnt. Es ist ein spezieller Zustand, wenn man sich im Spiegel sieht. Und wenn man sich in einer sozialen Situation ständig selber anschauen muss, ist das eine Herausforderung – das kostet uns Ressourcen.»

Ständige (Selbst-)Kontrolle

Der ständige Blick in den Spiegel, ins eigene Gesicht, erzeuge Stress. «Wir fühlen uns durch unser ständiges eigenes Abbild auf dem Bildschirm kontrolliert und verhalten uns dementsprechend anders.» Auf dem Monitor werde das eigene Ich abgetastet – und das durchaus selbstkritisch, wie Waller ausführt. «Sitzt meine Frisur, sieht man meine Augenringe?»

Frauen fühlen sich durch Videokonferenzen etwas gestresster als Männer. Das haben die Forschungen gezeigt, die zuerst in den USA gemacht wurden. Für alle gleich ermüdend sei aber die Video-Situation an sich, sagt Waller: «All die Zoom- und Teams-Meetings schränken uns in unserem Bewegungsradius massiv ein. Wir sitzen quasi immer im Blickfeld der Kamera.»

Das Persönliche schwindet

Zudem blicken die anderen einem ständig ins Gesicht. Doch ein richtiger Augenkontakt ist das nicht. Diese unnatürliche Situation macht müde. Auch Volker Schulte, der sich an der Fachhochschule Nordwestschweiz mit Gesundheitsökonomie befasst, hat in Umfragen festgestellt, dass vielen die sozialen Kontakte im Homeoffice fehlen.

«Mit dieser Zoom-Fatigue wird ausgedrückt, dass die Menschen wieder stärker die physischen sozialen Kontakte wahrnehmen wollen. Sie möchten nicht nur über die Distanz kommunizieren, wo sie das Gegenüber nur noch virtuell wahrnehmen können», sagt Schulte.

Denn durch Videokonferenzen kämen Sinne und Körpersprache zu kurz. All das, was in Gesprächen am Tisch sonst noch passiert, geht verloren: «Ich merke das bei mir selber. Ich bin gerne mal selbstironisch unterwegs oder mache einen Witz – ich bekomme nicht mehr wirklich mit, wie das ankommt», erklärt Schulte. Dies führe dazu, dass man verstärkt auf der Sachebene statt auf emotionaler Ebene kommuniziere. «Im Miteinander und der Diskussion verliert sich dadurch auch etwas die Kreativität.»

Einfach mal den Stecker ziehen

Daraus ergeben sich Erkenntnisse für die Zukunft: Reine Informationssitzungen könnten online abgehalten werden. Wenn es darum geht, Ideen zu diskutieren, dann sollte man sich treffen, rät Schulte.

Bis die Normalität zurück ist, raten die Experten zur Gelassenheit im Umgang mit der Kamera. Man solle sie nach der Begrüssung und zwischendurch auch mal abschalten und zwischen Videositzungen längere Pausen einschalten. So lässt sich die Zoom-Fatigue überwinden.

Echo der Zeit, 28.05.2021, 18:00 Uhr

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Ziegler  (Urs Ziegler)
    Den ganzen Tag in Sitzungen war auch schon immer anstrengend und Biopausen braucht es auch bei Videoconferenzen. Der Mangel liegt vor allem bei der Organisation und weniger im Medium.
  • Kommentar von René Baron  (René Baron)
    Was nützt Jungen Demokratie, wenn sie ihre Zukunft nicht können?
  • Kommentar von Ralph Ebersbacher  (ralph.ebersbacher)
    Meetings gab es vorher und halt auch jetzt zu viele. Ich bin über die Zoom-Meetings ganz froh. Da werde ich bezahlt und brauche nicht arbeiten, ist fast wie Spiele spielen.