Zum Inhalt springen

Header

Video
SBB fahren hohen Verlust ein
Aus Tagesschau vom 10.09.2020.
abspielen
Inhalt

Halbjahreszahlen der SBB Das Virus treibt die Menschen in die Autos

Die SBB muss derzeit hartes Brot essen. Doch das Bahnunternehmen hat selbst einen erheblichen Anteil daran, dass es sich in dieser Situation wiederfindet: Beispielhaft sind die fehlenden Lokführer und die Züge, die deswegen ausfallen. Wenn sich der neue SBB-Chef Vincent Ducrot mit den Worten «ich schäme mich» entschuldigen muss, ist in der Vergangenheit offensichtlich ein grösserer Fehler passiert. Das wiederum wirft kein sonderlich gutes Licht auf seinen Vorgänger, auf Andreas Meyer.

Das finanzielle Minus ist für die SBB verkraftbar

Vincent Ducrot wurde nicht zuletzt deswegen zum Chef befördert, weil er die SBB stabilisieren sollte: Gefragt ist eine sichere und zuverlässige Eisenbahn für die Schweiz. Tönt nicht aufregend, ist aber eine grosse Herausforderung angesichts des stark beanspruchten Bahnnetzes. Ob Ducrot dieses Ziel erreicht, wird sich erst noch zeigen müssen. Das hängt nicht zuletzt von den anderen Baustellen im Unternehmen ab – beispielsweise dem Netzunterhalt oder dem neuen Rollmaterial.

Die schwierige Situation der SBB hat zweifelsohne ebenso mit äusseren Umständen zu tun. Wie alle anderen Unternehmen hat die Coronakrise auch das Bahnunternehmen getroffen – unverschuldet zwar, aber gleichwohl mit voller Wucht. Das grosse Minus wird die SBB finanziell verschmerzen können, weil letztlich der Bund für die Ausfälle aufkommt. Schliesslich hat der Bund als Eigentümer auch entschieden, dass die Bundesbahnen jederzeit ein Grundangebot aufrecht halten mussten; selbst dann, als kaum noch jemand mit dem Zug unterwegs war.

Mit dem Rücken zur Wand

Mit der Coronakrise kommt nun allerdings auf die SBB und ihren neuen Chef eine zusätzliche Herausforderung zu: Plötzlich steht der öffentliche Verkehr mit dem Rücken zur Wand. Das Virus treibt die Menschen in die Autos. Zudem führen die veränderten Arbeits- und Mobilitätsgewohnheiten sowie die Kommunikationstechnologien dazu, dass Reisen im bisher gekannten Ausmass fortan nicht mehr stattfindet.

Ob es lediglich eine Momentaufnahme oder eine grundlegende Entwicklung ist, lässt sich noch nicht abschliessend klären. Trotzdem tun die Bahn – und der ganze öffentliche Verkehr – gut daran, sich diesbezüglich ernsthafte Gedanken zu machen: Beispielsweise auch mit neuen Angeboten für Reisende, die Teilzeit oder im Homeoffice arbeiten.

Die Eröffnung des Ceneri-Tunnels jüngst ist zweifellos ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte des Schweizer Bahnnetzes. Doch letztlich ist der feierliche Akt nicht viel mehr als etwas Milch, die das harte Brot im Moment geniessbarer macht.

Matthias Heim

Matthias Heim

Wirtschaftsredaktor, SRF

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Matthias Heim hat Wirtschaftsgeschichte studiert. Seit 2007 arbeitet er für Radio SRF, seit 2016 ist er Wirtschaftsredaktor. Seine Spezialgebiete sind Aviatik, Tourismus, Verkehr, Detailhandel und Energie.

Tagesschau, 10.9.2020, 12:45 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

29 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Anders gesagt, die Coronoia treibt die Menschen aus den Zügen. Auf die Velos und in die Autos. Die einen weil sie vor der Maskenpflicht fliehen und die andern weil sie vor dem Virus fliehen, Hauptsache Flucht. Gut Coronoia ist nicht meine Schöpfung aber es passt. Und ich hab noch ne Schöpfung, einE Maske mit einen Maskenverbot-Symbol drauf Copyright freigegeben.
  • Kommentar von Thomas Schneebeli  (TS+LL)
    Nicht das Virus, sondern die Massnahmen treiben die Menschen in die Autos.
  • Kommentar von Urs Dupont  (udupont)
    Mit dem dramatische Einbruch an Passagieren, der ja offensichtlich nachhaltig ist, sollte es doch möglich sein, den Fahrplan etwas auszudünnen und so den Bedarf an Lokführer zu senken. Katastrophal wäre die Situation ohne Corona geworden.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Urs Dupont: Sie können den Fahrplan immer ausdünnen. V.a. an Randzeiten sind Bahn und Bus mässig besetzt. Aber bedenken Sie folgendes: Viele Menschen entscheiden sich entweder für ÖV oder privaten Strassenverkehr. Wenn man an Randzeiten nach dem Kinobesuch eine halbe oder mehr Stunden am Bahnhof auf den Busanschluss nach Hausee warten muss, dann kann es sein, dass man sich vom ÖV-System abwendet. Schliesslich will man den ÖV als Ersatz zum Auto, nicht als Ergänzung und alles doppelt bezahlen.