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Rudolf Obrecht, Pfister: «Verkauf für Aussenstehende schwierig zu begreifen»
Aus ECO vom 14.09.2020.
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Interview Pfister-Präsident: «Die Öffentlichkeit war nicht entscheidend»

Vergangenes Jahr hat Rudolf Obrecht Möbel Pfister an Österreicher verkauft. Trotz breiter Kritik verteidigt er den Deal.

Die Nachricht schlug hohe Wellen im Oktober 2019: Möbel Pfister wird an XXXLutz verkauft. Pfister, der Inbegriff des Schweizer Wohnens. Auch innerhalb der Branche war die Überraschung gross.

Im Interview zeigt sich Verwaltungsrats-Präsident Rudolf Obrecht bis heute überzeugt von der Entscheidung – trotz aller Kritik. Er habe mit dem Verkauf die Zukunft des Möbelunternehmens gesichert.

Rudolf Obrecht

Rudolf Obrecht

Verwaltungsrats-Präsiden Pfister Holding

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Rudolf Obrecht ist Verwaltungsratspräsident der Pfister Holding, deren Aktien im Besitz der Pfister Stiftung sind. Er war federführend beim letztjährigen Verkauf an XXXLutz. Damit sind 18 Pfister-Filialen sowie die Möbelhäuser Hubacher, Egger und Svoboda an das europaweit expandierende Möbelunternehmen mit Sitz im österreichischen Wels gegangen.

SRF: Pfister galt lange als unverkäuflich. Das wurde auch immer wieder kommuniziert. Weshalb war das vergangenes Jahr plötzlich nicht mehr der Fall?

Rudolf Obrecht: Dass Pfister unverkäuflich ist, bezog sich nicht auf die Möbel Pfister AG, sondern die Pfister Arco Holding, die heutige F. G. Pfister Holding, die der F. G. Pfister Stiftung gehört. Diese ist natürlich unverkäuflich.

Aber Tochtergesellschaften sind selbstverständlich verkäuflich gewesen, und das ist auch passiert. Der Grund ist relativ klar: Der Handel der Möbel hat sich in den letzten Jahren europäisiert, wenn nicht sogar globalisiert, und die grossen Anbieter haben einen sehr starken Preiswettbewerb aufgezogen.

Für uns als nationaler Player ist es zunehmend einfach schwieriger geworden, so zu bestehen.

Was hat sich verändert seit dem Verkauf?

Wir konnten die Strategie weiterfahren, die wir angestossen haben. Wir konnten neue Arbeitsplätze schaffen, wir konnten die Konkurrenzfähigkeit erhöhen von Pfister. Wir konnten einen Sortimentsausbau betreiben, wir konnten die Service-Angebote verbreitern. All das zeigt sich in den guten Geschäftszahlen, die wir jetzt haben.

Umsatz nicht öffentlich

Möbel Pfister kommuniziert seit einigen Jahren keine Umsatzzahlen mehr. Der letzte ausgewiesene Umsatz stammt von 2014 und betrug 603 Mio. Franken. Laut mehrerer Branchenstimmen sind die Umsätze zuletzt gesunken, wie in der gesamten Branche.

Und hinter den Kulissen? Was hat sich für das Personal oder für den Einkauf verändert?

Pfister bleibt Pfister. Und Pfister ist heute noch der Pfister, der er vor einem Jahr war. Wir konnten schlichtweg die erfolgreiche Strategie weiterverfolgen.

Die Verträge sind genau die gleichen?

Es sind die gleichen Verträge, es sind die gleichen Chefs, es ist alles so, wie es früher gewesen ist, jetzt aber ganz klar mit Zukunftsperspektiven – mit der Hilfe von dieser Lutz-Familie.

Mit dem Verkauf letztes Jahr haben Sie die Schweizer Öffentlichkeit ziemlich erschreckt. War Ihnen das bewusst?

Ja, das war mir sehr, sehr bewusst, und mir ist auch klar gewesen, dass das für viele Aussenstehende etwas sehr Schwieriges ist zu begreifen.

Am Ende ist für uns aber nicht die Öffentlichkeit entscheidend gewesen, sondern die Frage: Wie können wir die Arbeitsplätze in Zukunft sichern? Und wie können wir sicherstellen, dass es die Marke Pfister und dass es das Unternehmen auch noch in 20, 30 oder 40 Jahren gibt?

Es ist klar gewesen, dass wir zu XXXLutz gehen.

Viele haben sich damals gefragt: Weshalb verkauft man an ein ausländisches Unternehmen?

Wir haben im Verwaltungsrat natürlich verschiedenste Optionen angeschaut und sind am Ende nach vielen Diskussionen zum klaren Entscheid gekommen, dass XXXLutz die beste Möglichkeit ist.

Fassade von Möbel Pfister.
Legende: Marke mit Geschichte: 1882 eröffnete Jakob Pfister in Basel einen Möbel- und Bettwarenladen (hier Filiale Zürich). Keystone

Wenn man die Kriterien anschaut: Marktfähigkeit, Erfolgsaussichten und Erfolgsausweis und vor allem auch fast die gleiche Unternehmenskultur wie bei uns, dann ist es klar gewesen, dass wir zu Lutz gehen.

Sie kennen das Unternehmen XXXLutz seit Jahrzehnten. Welchen Eindruck haben Sie?

Die Erfahrung, die wir in der Beurteilung dieses möglichen Käufers gemacht haben, war sehr positiv und hat sich jetzt auch gezeigt.

In der Kultur, wie man mit Menschen umgeht, sind wir uns sehr ähnlich.

Lutz ist ein familiär patronal geführtes Unternehmen, das einen sehr grossen Wert auf Mitarbeiter legt. Die obersten Führungskräfte sind alle schon lange dabei. Und in der Kultur, wie wir mit Leuten umgehen und wie Lutz mit ihnen umgeht, sind wir sehr ähnlich.

In Deutschland eilt dem Unternehmen ein negativer Ruf voraus. Dass es gegen Gewerkschaften arbeiten würde, dass es auch Leute relativ schnell entlasse. Das ist das Gegenteil von einer hohen Unternehmenskultur.

Ich kann für Deutschland schlichtweg nicht Stellung nehmen, weil ich das nicht weiss und nicht kenne.

Ich kann nur das sagen, was ich erfahren und erlebt habe. Und das ist alles deckungsgleich mit dem, wie wir das Verständnis haben, wie man mit Mitarbeitern umgeht.

Teilweise fühlen sich Schweizer Möbelhersteller unter Druck gesetzt in den Verhandlungen mit XXXLutz. Es seien keine Verhandlungen auf Augenhöhe gewesen. Ich habe auch gehört, sie hätten sich erpresst gefühlt. Was sagen Sie dazu?

Lieferantengespräche sind in dem harten Markt, in dem wir sind, ein völlig normaler Prozess. Wir führen sie seit Jahren, und der Prozess hat sich nicht verändert.

Er ist immer sehr hart, und das wird auch in Zukunft so sein.

Sind also die Verhandlungen, die zwischen XXXLutz und den Herstellern laufen, nicht anders als jene, die zwischen Pfister und den Herstellern gelaufen sind?

Die Verhandlungen, die jetzt innerhalb der Lutz-Gruppe geführt werden, sind nicht anders als das, was wir früher in der Pfister-Arco-Gruppe geführt haben. Das ändert sich nicht, das ist sehr wichtig.

Wir stehen zu den Schweizer Lieferanten.

Für uns sind Schweizer Lieferanten ein fundamental wichtiges Moment. Wir beziehen auch einen richtig grossen Anteil unserer Möbel aus der Schweiz, und das wollen wir auch in Zukunft machen. Wir stehen zu den Schweizer Lieferanten.

Jedoch braucht man in einem globalisierten, europäisierten Marktumfeld kompetitive Konditionen, und da sind die Schweizer Lieferanten wie auch die ausländischen Lieferanten sehr stark gefordert.

Das Interview führte Manuela Siegert.

ECO, 14.09.2020, 22:25 Uhr;

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