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XXXLutz: Möbelhaus aus Österreich erobert die Schweiz
Aus ECO vom 14.09.2020.
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Möbelhändler breitet sich aus XXXLutz: Österreicher kaufen die Schweiz auf

Pfister, Interio: Der Möbelkoloss XXXLutz treibt seine Expansion voran. Mit Konsequenzen für Schweizer Möbelhersteller.

Vor dem Laden in Spreitenbach warten mehr als 100 Personen. Innen wird der Countdown gezählt. Und dann beklatschen die Angestellten jeden einzelnen Kunden. XXXLutz eröffnet seinen ersten Möbelladen namens Mömax in der Schweiz.

Ikea lässt grüssen

Auf den 6000 Quadratmetern erinnert vieles an Marktführer Ikea. Möbel haben Namen, Kampfpreise sollen Kauflustige anlocken, der Kunde wird mit einem Pfeil durch einen Rundgang geführt. Auch die grossen Plastiktaschen sind hier zu finden, in diesem Fall in Grün.

Dass das österreichische Möbelhaus die Schweden einst überholen will, haben Firmenvertreter schon mehrmals kommuniziert.

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Kundenstimmen zur Mömax-Eröffnung in Spreitenbach
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Zwei Mömax-Filialen wurden Anfang August eröffnet, in Spreitenbach AG und in Emmen LU. Vier weitere sollen noch in diesem Jahr folgen: Dübendorf, Bern-Schönbühl, St Gallen-Abtwil und Pratteln BL.

Es sind ehemalige Interio-Standorte. XXXLutz hat die Deutschschweizer Filialen im vergangenen Jahr von Migros übernommen. Zusätzlich betreibt es grosse Möbelhäuser unter eigenem Namen. Eines steht bereits in Rothrist im Kanton Aargau. Zwei weitere XXXLutz-Häuser sind im Bau oder in Planung. Und es sollen nicht die letzten sein.

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So viel gehört in der Schweiz zu XXXLutz
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Eine zweite Übernahme schlug noch höhere Wellen: Pfister gehört seit elf Monaten den Österreichern. Und damit auch die Möbelhäuser Hubacher, Egger und Svoboda. Pfister-Präsident Rudolf Obrecht sieht im Verkauf nur Vorteile.

Er könne verstehen, dass das für die Öffentlichkeit «schwierig zu begreifen» gewesen sei. Entscheidend sei aber nicht die Öffentlichkeit gewesen, sondern die Sicherung der Arbeitsplätze.

Über Zahlen, und damit über die Dringlichkeit des Verkaufs, will er nicht sprechen. Aber mehrere Branchenkenner haben «ECO» berichtet, dass die Umsätze von Pfister rückläufig gewesen seien.

Chancen für einen Newcomer sind gut.
Autor: Meinrad FleischmannExpansionsleiter Schweiz XXXLutz

Expansionschef Meinrad Fleischmann will sich nicht zum Verkauf äussern. Dabei war er selbst bis 2015 Geschäftsführer von Pfister. Er habe mit dem Deal nichts zu tun.

Lieber spricht er über Mömax. Er ist überzeugt, dass XXXLutz es in der Schweiz besser machen kann als der Vorgänger Interio: «Der Schweizer Markt hat sich in den letzten Jahren sehr stark verändert. Gewisse Firmen haben zugemacht, neue sind gekommen. In so einer Veränderungsphase sind die Chancen für einen Newcomer immer gut.»

XXXLutz expandiert schnell, inzwischen in 13 europäischen Ländern.

Vor wenigen Wochen hat das Unternehmen gemeinsam mit einem Finanzinvestor aus den USA die 162 französischen Conforama-Filialen übernommen. Seit 2018 gehört die deutsche Möbelkette Poco mit 125 Filialen zu XXXLutz. Übernahmen wie Pfister sind da im Vergleich ein kleiner Deal.

Gleichzeitig wächst das Unternehmen durch die Eröffnung eigener Läden: Erst vor wenigen Wochen hat die Firma kommuniziert, dass sie sieben neue XXXL-Einrichtungshäuser in Tschechien eröffnen wird.

Druck auf Schweizer Möbelhersteller

Die Expansion spiegelt sich im Umsatz wider: ein Plus von 700 Millionen Euro 2019, von 4.4 Mrd. auf 5.1 Mrd. Euro. Und das betrifft nur die eigenen Häuser.

Negativ-Schlagzeilen in Deutschland

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In Deutschland steht XXXLutz als Arbeitgeber in der Kritik. Die deutsche Gewerkschaft Verdi berichtet von Kündigungen, starken Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen und einer feindseligen Haltung gegenüber Betriebsräten. Sie hat Ende 2018 ein 44-seitiges Paper mit dem Titel «XXXL - die mit dem rauen Stil!, Link öffnet in einem neuen Fenster» veröffentlicht.

Die Schweizer Gewerkschaft Unia hat hierzulande noch keine Klagen gehört. Sie habe das Unternehmen aber auf dem Radar.

Seine Grösse verleiht dem Unternehmen eine bedeutende Marktmacht im Einkauf. Es hat einen eigenen Einkaufsverband namens Giga, dem nun alle Möbelhersteller angeschlossen werden, die XXXLutz beliefern.

Derzeit müssen alle Schweizer Möbelhersteller, die Lieferanten von Pfister sind, neu mit XXXLutz verhandeln.

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Hannes Vifian, Möbelverband: «XXXLutz übt grossen Druck aus»
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Der Präsident des Verbands Möbelschweiz, Hannes Vifian, sagt: «Ich weiss von Mitgliedsfirmen, die Lieferant von Lutz und von Pfister sind, dass die neuen Einkäufer einen grossen Druck ausüben und dass die Art, wie verhandelt wird, nicht unbedingt als partnerschaftlich wahrgenommen wird.»

Harte Bedingungen akzeptieren oder neu aufstellen

«ECO» hat mit mehreren Herstellern gesprochen. Vor der Kamera will sich niemand äussern, doch ist auch hier die Rede von «grossem Druck», einer «harten Nuss» oder von «Erpressung». Pfister-Präsident Rudolf Obrecht bezeichnet harte Lieferantengespräche als «völlig normalen Prozess».

Zwei Hersteller berichten: XXXLutz mache einen «Chefbonus» zur Bedingung der Zusammenarbeit. Man müsse pauschal drei bis fünf Prozent des Umsatzes an die Eigentümerfamilie Seifert abgeben, ohne erkennbaren Geschäftszusammenhang.

XXXLutz-Sprecher Thomas Saliger schreibt dazu: «Keine der Bonusse kommen der Familie Seifert selbst zugute, sondern alle Konditionen fliessen den operativen Landesgesellschaften zu, in diesem Fall der Schweizer Gesellschaft.» Das Unternehmen gebe «zu Einkaufsgesprächen und Konditionen im Möbelhandel keine Detailinfos».

Viele Schweizer Hersteller müssen sich jetzt entscheiden: Akzeptieren sie die Bedingungen? Oder finden sie neue Wege, ihre Möbel zu verkaufen?

Positiver Corona-Effekt in der Möbelbranche

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Während einige Branchen während des Shutdowns und bis heute massive Umsatzeinbussen verzeichnen, scheint im Möbelhandel das Gegenteil der Fall zu sein. Mehrere Marktteilnehmer berichten von steigenden Umsatzzahlen.

Hannes Vifian, Präsident von Möbel Schweiz, berichtete vor wenigen Tagen nach einem Branchenanlass: «Die Stimmung ist unisono gut bis sehr gut. Der Lockdown Umsatzausfall konnte in der Zwischenzeit vollumfänglich wettgemacht werden.»

Für die Schweizer Möbelhersteller und -händler ist das eine Verschnaufpause nach Jahren der Umsatzeinbussen und des Verteilkampfes im Schweizer Möbelmarkt.

ECO, 14.09.2020, 22:25 Uhr

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25 Kommentare

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  • Kommentar von Mark R. Koller  (Mareko)
    Endgültig vorbei die Zeiten, als man seine Möbel hauptsächlich als Teil der Aussteuer zur Hochzeit am Wohnort beim Möbelhändler gekauft hatte. Welcher die Möbel bei Möbelfabriken in der Region bezogen hatte, selbst die Stoffe wurden vielfach in der Schweiz hergestellt. Später hat man sich, nachdem die Kinder ausgeflogen waren, beim gleichen Händler ein neues Wohn- oder Schlafzimmer angeschafft. Ich weine dieser Zeit eine leise Träne nach - mein Vater war 50 Jahre selbständiger Möbelhändler.
  • Kommentar von Urs Petermann  (Rhf)
    Lieber in österreichischer Hand als in chinesischen oder us-amerikanischen Fängen.
  • Kommentar von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
    Unter der Überschrift "Ausverkauf der Heimat" sei mir die Frage erlaubt, weshalb in diesem Bereich von der SVP nichts, absolut nichts zu hören ist ausser das der Markt das schon regle. Wander, Sigg, Pfister und viele, viele andere CH Firmen sind in ausländischer Hand. Die ganzen Gewinne werden ins Ausland gepumpt. Und natürlich werden auch Arbeits- und Sozialbedingungen aus dem Ausland diktiert. Doch in diesem Bereich schweigt die SVP. Will man sich die eigenen Gewinne nicht nehmen lassen?
    1. Antwort von Hans Peter  (Byron)
      Bei allem Verständnis für die Ablehnung einer gewissen Partei: was sollte diese KONKRET gegen den Verkauf alteingesessener CH-Firmen/Marken unternehmen ? Ich kenne von meiner früheren beruflichen Tätigkeit auch die von Ihnen erwähnten Unternehmen. Die Gründe für den Verkauf oder die Produktionsauslagerung waren sehr verschieden. Parteienbashing greift viel zu kurz und Polemik löst das Problem nicht. Und das ausländische Management muss sich in der CH an die lokalen Sozialbedingungen halten.