Zum Inhalt springen

Header

Audio
CO2 aus der Luft absaugen?
Aus Rendez-vous vom 25.07.2022.
abspielen. Laufzeit 5 Minuten 5 Sekunden.
Inhalt

Kampf gegen den Klimawandel CO₂ aus der Luft absaugen: Neue Technologie soll durchstarten

Die Technologie ist teuer und bringt noch nicht viel fürs Klima. Doch das ETH-Spin-Off Climeworks hat grosse Pläne.

Umgebungsluft ansaugen und an Filtern vorbeiführen, die das CO₂ auffangen: Die Anlagen von Climeworks funktionieren ähnlich wie Staubsauger, sagt Technologiechef Carlos Härtel: «Mit dem Unterschied, dass der Staubsauger kontinuierlich läuft. Bei uns gibt es eine Phase des Durchsaugens und eine Phase der Regeneration des Filters.»

Aufgefangenes CO₂ kann entweder weiter verwendet werden – zum Beispiel, um Wasser sprudelnd zu machen oder in der Landwirtschaft. Oder es wird in den Boden gepumpt und langfristig gelagert.

CO2-Absauganlage in Hinwil
Legende: Planerische und bauliche Massnahmen gegen die Hitze sind das eine. Dem Klimawandel ganz grundsätzlich entgegen zu wirken das andere: Zum Beispiel, indem das klimaschädliche CO₂ aus der Luft gesaugt wird. Solches tut man seit ein paar Jahren in der Kehrichtverbrennungsanlage im zürcherischen Hinwil. Keystone

Grundsätzlich könne so eine Anlage irgendwo auf der Welt stehen, sagt Härtel: «Man kann die Anlagen dort hinstellen, wo sie am günstigsten sind – also dort, wo es ausreichend erneuerbare Energie und Speicherlagen gibt.» Zudem brauche es Infrastruktur, etwa für den Transport und Wartungsarbeiten.

Ambitionierte Ziele

Die ersten grösseren Anlagen hat Climeworks auf Island gebaut, weil dort sowohl klimafreundliche geothermische Energie als auch die Möglichkeit, das CO₂ im Boden zu lagern vorhanden ist. Bis jetzt saugen diese Anlagen ein paar Tausend Tonnen CO₂ pro Jahr an. Zum Vergleich: Allein die Schweiz stösst pro Jahr rund 45 Millionen Tonnen aus.

Video
Der grösste CO2-Staubsauger der Welt kommt aus der Schweiz
Aus Kultur Webvideos vom 01.09.2021.
abspielen. Laufzeit 1 Minute 42 Sekunden.

Im Millionen- beziehungsweise Mega-Tonnen-Bereich CO₂ aus der Atmosphäre holen, das will Climeworks bis 2030. «Das ist eine Hausnummer. Wenn man aber im Jahr 2050 CO₂ im klimarelevanten Massstab abschreiben will, müssen das eine bis drei Milliarden Tonnen im Jahr sein.»

Microsoft-CEO Satya Nadella
Legende: Heute investieren grosse Unternehmen, die sich ambitionierte Klimaziele gesetzt haben, in die Technologie. Prominentes Beispiel ist der Software-Konzern Microsoft, der bis 2050 alles CO₂ aus der Atmosphäre holen will, das er in seiner Geschichte je ausgestossen hat. Keystone

Damit bis 2050 tatsächlich Milliarden Tonnen CO₂ aus der Luft gesaugt werden, muss die Technologie günstiger werden. Mit mehr und grösseren Anlagen will Climeworks den Preis von heute über 500 Franken pro Tonne CO₂ auf 100 bis 150 Franken drücken. Damit wäre CO₂-Absaugen preislich ungefähr gleichauf mit dem, was heute der Ausstoss einer Tonne CO₂ kostet – dort wo sie etwas kostet, zum Beispiel im europäischen Emissionshandel.

Oliver Geden, Klimapolitik-Forscher bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin mit Spezialgebiet CO₂-Entnahme aus der Atmosphäre, hält diese Preisentwicklung für realistisch. «Die Praxis wird es zeigen. Entscheidend wird nicht nur die Verbesserung der Filtertechnologie sein, sondern was der Energie-Input kosten wird.»

Technologie jetzt hochfahren

Dazu seien bald auch die Staaten gefordert. Diese werden bekanntlich nicht alle Treibhausgasemissionen – wie etwa jene von rülpsenden Kühen – verhindern können und deshalb auf CO₂-Entnahme angewiesen sein: «Wenn die Staaten das Netto-Null-Ziel ausgeben, sagen sie damit bereits Ja zur CO₂-Entnahme. Sonst wäre es bloss ein Null-Emmissionsziel und kein Netto-Null-Ziel. Dann sind sie auch verpflichtet, den Bereich auf- und auszubauen», sagt Geden.

CO2-Absauganlage in Hinwil
Legende: Das CO2-Absaugen klingt vielversprechend. Noch ist offen, ob die Technologie tatsächlich einen substantiellen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel leisten kann. Klar ist aber: Allein wird sie es nicht richten. Keystone

Das Absaugen von CO₂ ist dabei nur ein möglicher Weg – andere «Negativ-Emissionstechnologien» sind das Einbringen von Pflanzenkohle im Boden oder das Aufforsten von Wäldern.

CO₂-Absaugen aus der Luft ist noch vergleichsweise teuer. Trotzdem müsse man die Technologie jetzt hochfahren, findet Klimapolitik-Forscher Geden: «Es genügt nicht, jetzt noch 20 Jahre abzuwarten und zu schauen, wie viele Emissionen es noch gibt.» Man müsse die Technologie jetzt fördern, Anreize schaffen und sie regulieren.

Sprich: Staaten müssen sich einigen, wie die Menge des abgesaugten CO₂ gemessen wird, wie ein Staat das Absaugen an die eigenen Klimaschutzbemühungen anrechnen kann, und so weiter.

Rendez-vous, 25.07.2022, 12:30 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

109 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Guten Abend liebe Community, vielen Dank für die angeregte Debatte - für heute schliessen wir die Kommentarspalte und wünschen Ihnen eine gute Nacht. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Brigitte Sponchia  (Brigitte Sponchia)
    CO2 aus der Atmosphäre abzusaugen funktioniert nicht wie beim Staubsauger zuhause- das ist Geo engineering und kann gravierende Konsequenzen mit sich führen. Es gibt zu einigen Methoden des Geo engineering einen guten Artikel, eine Abhandlung im Nature Ecology & Evolution- wen's interessiert
  • Kommentar von Christian Berger  (Ch. Berger)
    800g CO2 pro produzierte kWh Strom aus Steinkohle bedeutet im Umkehrschluss 1.250 kWh pro kg CO2, resp 1250 kWh pro Tonne CO2, mit anderen Worten: die Extraktion von CO2 aus der Luft braucht fast gleich viel Energie wie damit produziert wurde, und damit ist das CO2 noch nicht gelagert. Anstatt das Geld in eine solche Anlage zu stecken, kann es gleich in Erneuerbare stecken, um Kohlekraft aus dem Pseudo-Markt zu drängen.