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Er hat die Zukunft der Lufthansa in der Hand
Aus 10vor10 vom 23.06.2020.
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Kann auch Swiss aufatmen? Lufthansa-Grossaktionär macht Weg frei für Rettung

  • Unmittelbar vor der wichtigen Hauptversammlung der Lufthansa von heute hat Grossaktionär Heinz Hermann Thiele Zustimmung zu dem milliardenschweren Rettungspaket für die Fluggesellschaft signalisiert.
  • Damit stünde einem damit verbundenen Einstieg des Staates bei der Lufthansa nichts mehr im Wege.
  • Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» zitierte Thiele mit den Worten: «Ich werde für die Beschlussvorlage stimmen.»
  • Er stimme gegen die Insolvenz, denn: «Es liegt im Interesse aller Lufthansa-Mitarbeiter, dass das Management zügige Verhandlungen mit den Gewerkschaften über die nötige Restrukturierung führen kann.»

Auf der ausserordentlichen Hauptversammlung entscheiden die Aktionäre am Donnerstag über eine Kapitalbeteiligung von Deutschland und damit auch über das damit verbundene Rettungspaket von neun Milliarden Euro. Der Milliardär und Industrielle Thiele könnte allein mit seinen Anteilen von 15.52 Prozent den Staatseinstieg blockieren.

So tickt Heinz Herrmann Thiele

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Der 79-jährige Unternehmer ist Hauptaktionär der Vossloh AG (Bahninfrastruktur) und der Knorr-Bremse AG (einer der weltweit führenden Hersteller von Bremssystemen für Schienen- und Nutzfahrzeuge). Stand Mai 2020 führte das Ranking-System «Bloomberg Billionaires Index» ihn mit 15.5 Milliarden US-Dollar auf Platz 74 der weltweit reichsten Menschen. Im Umgang mit den Medien ist Thiele äusserst zurückhaltend, Fernsehinterviews gibt der Multimilliardär keine.

Einen Grossteil seiner Milliarden hat Thiele mit dem Bremsenhersteller Knorr gemacht. Weniger Hochglanz erleben seine Angestellten. Aus dem Gesamtarbeitsvertrag ist Thiele ausgestiegen. Die Gewerkschaften sind nicht gut auf ihn zu sprechen.

Während der Covid-19-Pandemie im Jahr 2020 investierte Thiele erheblich in die angeschlagene Fluggesellschaft Lufthansa: Im Laufe des März baute er seinen Anteil von 5 Prozent auf zunächst über 10 Prozent aus; seit dem 15. Juni 2020 hält Thiele 15.52 Prozent der Stimmrechte. Damit ist er der grösste Einzelaktionär der Lufthansa und hat nun grosses Mitspracherecht.

Grund ist die bereits feststehende geringe Beteiligung von weniger als 38 Prozent der Stimmrechte, die Thiele eine Sperrminorität verschafft. Lufthansa hat für den Fall des Scheiterns den Aktionären angekündigt, möglichst schnell ein Schutzschirmverfahren zu beantragen, das ist eine Variante eines Insolvenzverfahrens.

«Politik könnte eine Sanierung erschweren»

Gegenüber der FAZ hatte Thiele vergangene Woche den mühsam ausgehandelten Rettungsplan vor allem kritisiert, weil er gegen den Staatsanteil von 20 Prozent an der Lufthansa ist. Der Milliardär befürchtete nach eigenen Worten, dass die Politik bei der Lufthansa eine notwendige Sanierung erschweren würde.

«Es liegt im Interesse aller Lufthansa-Mitarbeiter, dass das Management zügige Verhandlungen mit den Gewerkschaften über die nötige Restrukturierung führen kann», so der Grossaktionär. Solche Verhandlungen laufen gerade noch. Die Gewerkschaften der Piloten und Flugbegleiter hatten erklärt, zusammen rund 1.5 Milliarden Euro Personalkostensenkungen auf mehrere Jahre verteilt angeboten zu haben. Doch bis zum Abend war die Einigung nicht gelungen.

«Ich auch in Zukunft Einfluss nehmen»

Der von der Coronakrise hart getroffene Konzern hat wegen der dauerhaft geringeren Nachfrage den weltweiten Personalüberhang auf 22'000 Stellen beziffert. Davon entfallen rund 11'000 Stellen auf Deutschland. Bei den Verhandlungen sollen nun Massnahmen vereinbart werden, um möglichst viele Mitarbeiter an Bord zu halten.

Das Drohszenario verfing bei Thiele offenbar. «Es gibt nach wie vor unterschiedliche Positionen mit den Regierungsvertretern», zitierte die FAZ ihn weiter. Seine Zweifel seien nicht beseitigt. Letztlich habe er jedoch nicht für eine Insolvenz stimmen können. Es sei klar, dass er als Ankeraktionär künftig im Risiko stehe. «Deshalb werde ich auch in Zukunft Einfluss nehmen auf die Entwicklung der Lufthansa.»

10vor10, 23.6.2020, 21:50 Uhr;

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Elgyn Sulaco  (Elgyn)
    @Sandy: Billigairline Co-Piloten bezahlen sogar noch drauf, dass sie Flugstunden sammeln können... im Schnitt brauchen sie 5000 Std um später bei groseen Airlines sich bewerben zu können...
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  • Kommentar von Roland Brechbühl  (RoBre)
    Da sehen wir wieder einmal, wie abhängig wird von andern Ländern, ja in diesem Beispiel sogar von einzelnen Personen aus dem Ausland sind. Dann tun wir in andern Fällen wieder so, als seien wir selbstbestimmt und eine Insel. Falls eine Dienstleistung wirklich stark systemrelevant ist und nicht weggedacht werden kann, dann muss sie verstaatlicht oder mit hohen staatlichen Auflagen versehen werden, damit nicht wenige nach Lust und Laune darüber verfügen können, was geschehen soll.
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  • Kommentar von Robert Kümmerli  (Kaliminion)
    Ich wiederhole mich... warum kriegt so eine Firma so viel Geld und das Gesundheitswesen muss sogar darum betteln das man ihr ein Teil des Schadens übernimmt der durch die Coronakrise entstanden ist?!?!
    Alter ist das eine Kranke Welt...
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