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Mehrere US-Bundesstaaten verklagen Google
Aus Echo der Zeit vom 18.12.2020.
abspielen. Laufzeit 03:10 Minuten.
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Klagen gegen Techgiganten Für Google und Facebook bricht eine neue Ära an

In den USA haben diese Woche gleich zweimal mehrere Bundesstaaten Klage gegen den Tech-Giganten Google eingereicht. Und letzte Woche geriet Facebook in den Fokus der Justiz – die soziale Plattform sah sich ebenfalls mit einer Klage konfrontiert.

Im Kern steht immer derselbe Vorwurf: Google oder Facebook seien Monopolisten in gewissen Märkten und nützten ihre Marktmacht aus, verdrängten Konkurrenten oder schalteten sie gleich ganz aus. Etwa bei der Internetsuche, der Online-Werbung oder im Social-Media-Bereich.

Klagen mit Ankündigung

Es sind Vorwürfe, die in Europa seit Jahren vorgebracht werden, die auch schon zu mehreren Bussen mit Milliardenhöhe geführt haben. In den USA sah man diese Bussen der EU häufig als Angriff auf die erfolgreichen amerikanischen Tech-Konzerne. Jetzt kommen die Klagen also auch von den US-Behörden selbst. Und sie kommen nicht unerwartet.

In der Tech-Branche wurde die Kritik an den grossen Dominatoren in den letzten Jahren immer lauter. Die Politik erhörte diese Kritik und so wurden die Verantwortlichen der grossen Tech-Multis auch öfters zu Anhörungen nach Washington beordert. Dabei ging es auch um die Monopolstellung der Konzerne.

Gleichzeitig untersuchten die US-Behörden zum Beispiel die Vorwürfe, dass Google seine Marktmacht im Bereich Online-Werbung ausnütze. Untersuchungen, die nun zu den bekannt gewordenen Klagen geführt haben und von den Technologiekonzernen bestritten werden.

EU erlässt neue Spielregeln

Während die US-Behörden klagten, geht die EU bereits einen Schritt weiter, lancierte gerade diese Woche neue Spielregeln für die grossen Technologiekonzerne. Gesetzesvorlagen, die eine stärkere Kontrolle ermöglichen sollen.

Über Jahre konnten sich Google und Facebook praktisch ohne Einschränkungen im digitalen Raum ausbreiten und so ihre Marktmacht festigen. Neue Gesetze in der EU und die jüngsten Klagen in den USA dürften die Ausgangslage für Big Tech aber nun ändern. Und zwar schon bevor die Gesetze in Kraft treten und die Richter endgültige Urteile fällen.

Grössere Vielfalt des Angebots?

Das zeigt ein Blick zurück: Die Verfahren gegen IBM in den 1980er-Jahren oder die Klagen gegen Microsoft in den 90er-Jahren haben die Entwicklung dieser Firmen beeinflusst. Bei den neuen Technologiemultis werden Übernahmen, Absprachen oder ändernde Nutzerkonditionen bereits jetzt kritischer angeschaut.

Was heisst das aber nun für die Nutzerinnen und Nutzer, die täglich googeln oder sich auf den sozialen Netzwerken von Facebook austauschen? Kurzfristig wird sich für sie kaum etwas ändern.

Längerfristig könnte das Zurückbinden der grossen Firmen aber durchaus positive Effekte haben, wenn etwa eine grössere Vielfalt an starken Internetsuchmaschinen entsteht oder sich neue soziale Netzwerke breit machen.

Und genau das haben die Klagen, die eben in den USA eingereicht wurden, zum Ziel.

Samuel Emch

Samuel Emch

SRF-Wirtschaftsredaktor

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Die Digitalisierung der Wirtschaft und ihre Auswirkung auf die Gesellschaft bilden den Kern der Arbeit von Samuel Emch. Ausserdem stehen die Entwicklungen auf den internationalen Finanzmärkten in seinem Fokus.

Echo der Zeit vom 18.12.2020, 18 Uhr

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Andreas Bern  (AndyBern)
    Es muss ein nichthierarhisches Netzwerk her! (Paralell).
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  • Kommentar von Lily Mathys  (Alle vergeben)
    „In den USA sah man diese Bussen der EU häufig als Angriff auf die erfolgreichen amerikanischen Tech-Konzerne.“
    Ist mit USA die Wallstreet gemeint? Ausserhalb der Wallstreet habe ich ganz andere Töne bez. Der Bussen gehört. Explizit Aussagen von US-KMUlern gegen GoogleAds gibt es bereits seit >10J. Heute kommt kein Unternehmen noch eine Onlinezeitung daran vorbei. Der Monopolist zeigt sich ggü Parlament immer hilfsbereit, setzt seinen eigenen Standard u. alle anderen müssen folgen.
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  • Kommentar von Mark R. Koller  (Mareko)
    Europa bzw. die EU hatten es über zwei Jahrzehnte versäumt, etwas Eigenes, sowohl in den Bereichen HW, SW, Social Media usw. auf die Beine zu stellen. Die Amerikaner und mit ihnen die Chinesen dominieren nun das ganze "business" rund um Smartphones und Tablets. Jetzt wollen die Abgehängten quasi Strafgelder von den Grossen der Branchen erpressen, weil sie nicht in der Lage waren/sind, etwas Ebenbürtiges zu kreieren? Wer soll diese Mia.-Strafbeträge letztlich finanzieren? Der Konsument in Europa?
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    1. Antwort von Andreas Würtz  (Andhrass)
      Nein, nur diejenigen, die überheblich genug sind, das alles im Alleingang bewältigen zu wollen. Also die Schweizer zum Beispiel...
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