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Der Klimawandel befördert ein architektonisches Umdenken
Aus Echo der Zeit vom 20.04.2021.
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Klimawandel und Architektur Sommerhitze: Wenn der Schattenwurf zum Plus wird

Weil die Zahl der Hitzetage in der Schweiz steigt, müssen Gebäude neu gedacht werden. Dem Schatten gehört die Zukunft.

Zürich wird Mailand. Zumindest, was die Temperaturen betrifft. Bis Mitte des Jahrhunderts wird sich die Zahl der Hitzetage – also der Tage mit Temperaturen über 30 Grad – in der Schweiz mehr als verdreifachen. Das zeigen Zahlen des Bundes. Entsprechend wärmer wird es in den Schweizer Büros und Wohnungen.

Marius Zumwald, Umweltwissenschaftler beim Beratungsunternehmen Wüest Partner, sagt: «Dies beeinflusst zum Beispiel unser Wohlbefinden, die Schlafqualität, die Arbeitsproduktivität und letztendlich auch unsere Gesundheit.» Für Zumwald bedeutet das: Wollen wir uns weiterhin in unseren Gebäuden wohlfühlen, werden Anpassungen nötig sein.

Anpassungsmöglichkeiten gibt es verschiedene. Auf der Hand liegt das Kühlen der Gebäude. Der Einbau von Kühlanlagen in Gebäuden kostet aber. Zumwald rechnet bis Mitte des Jahrhunderts mit Kosten von einer halben bis zweieinhalb Milliarden Franken pro Jahr. Kühlaggregate brauchen zudem grosse Mengen an Strom. Nur wenn dieser aus erneuerbaren Quellen stammt, wäre Kühlen aus Klimasicht unproblematisch.

Schattenspendende Gebäude

Noch ein Effekt von Kühlanlagen in Gebäuden dürfe nicht unterschätzt werden, betont Umweltwissenschaftler Zumwald: «Kühlaggregate, welche die Abwärme nach Aussen geben, erhöhen die Umgebungstemperatur weiter. Sie verschärfen also das Hitzeproblem. Dieser Effekt kommt insbesondere in Städten zum Tragen.»

Karte Schweiz
Legende: SRF

Günstiger und unproblematischer wäre es, wenn sich Gebäude künftig gegenseitig mehr Schatten spenden würden. Doch mehr Schatten hiesse weniger Licht. Mit guter Planung seien da gute Lösungen möglich, meint der Experte von Wüest Partner: «Die Beschattung könnte vor allem zur Mittagszeit optimiert werden. Die gewünschte Abendsonne könnte man aber trotzdem zulassen.»

Kein Lichterlöschen an der Goldküste

Bei bestehenden Bauten wird die Beschattung deutlich schwieriger – auch, weil bisher Schatten tunlichst vermieden wurde. Einfamilienhäuser mit Umschwung lassen sich relativ einfach mit zusätzlichen Bäumen beschatten. Lagen wie die Zürcher Goldküste bleiben deshalb auch in Zukunft attraktiv und werden deshalb auf dem Immobilienmarkt kaum von weniger besonnten Orten überholt.

Karte Schweiz
Legende: SRF

Der Wert von heute begehrten Dachwohnungen mitten in der Stadt aber könnte leiden, glaubt Zumwald: «Hier kann es sein, dass die Temperaturen ohne entsprechende Massnahmen im Sommer so hoch sind, dass die Aufenthaltsqualität sinkt oder die Temperatur sogar gesundheitsgefährdend wird. Dies hätte auch einen Einfluss auf die Vermietbarkeit.»

Natürlich hilft nicht nur Schatten gegen Hitze – auch beim Isolieren liegt noch viel Potenzial sowie bei der Wahl von Baumaterialien, die Wärme nicht aufnehmen, sondern zurückstrahlen. Dennoch: Schattenwurf wird mit der zunehmenden Klimaerwärmung neu interpretiert auf dem Immobilienmarkt.

Echo der Zeit, 20.04.2021, 18 Uhr

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Lukas Schmid  (Traugott)
    Es braucht zwischen den Häusern Wiesen und Bäume dann wird es auch kühl.
    Wohnte in einem Altbau Quartier und es war immer -5 Grad kühler als in der Stadt. Vieleicht sollte man auch Bäche die unter die Strassen verlegt wurden wieder Renaturieren und die Verkehsführung ändern. Den Asphalt ist ein enormer wärme speicher, schlimm, alles durch Kieswege ersetzen.
  • Kommentar von Andy Gasser  (agasser)
    Und wenn man dann endlich eine Klimaanlage hat, dann kommen die ganzen Hypochonder und Zugluftphobisten aus ihren Löchern und reklamieren über die angenehme Kälte. So gilt in der Schweiz, besonders bei dr SBB nach wie vor diese 3 Grad Unsitte. Statt die Züge angenehm zu kühlen, wird dann einfach von 37 auf 34 Grad gekühlt.
  • Kommentar von Philipp M. Rittermann  (airmaster1)
    die natürlich kühlung mit pflanzen, beschattungen etc. wird nie ausreichen um in den verdichteten betonwüsten an hitzetagen ein angenehmes klima zu erzeugen. siehe beispielsweise die europaallee in zürich. moderne, effiziente und energiesparende klimaanlagen würden helfen. aber die sind ja leider bei den behörden verpönt. schwierig.
    1. Antwort von Mark R. Koller  (Mareko)
      Besuchen Sie doch 'mal die vielgelobte Europaallee in Zürich an einem warmen Sommertag. 30°C werden dort gefühlte etwa 40°C. Die früheren Städteplaner mit ihrer Forcierung auf Grünflächen und Abstand zwischen den Häusern wussten, wie eine lebenswerte Stadt zu bebauen ist. Wer im übrigen im Sommer auf den Schatten der Nachbargebäude abzielt, der hat im Winterhalbjahr gar keine Sonne und lebt ein Schattendasein. Klimaschonend brennt dort oft ganztags das elektrische LED-Licht, wegen Lichtmangel.