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Russland-Sanktionen: Energiezölle statt Energieembargo?
Aus Echo der Zeit vom 13.04.2022.
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Krieg in der Ukraine Zölle auf russische Energie – einfach und schmerzhaft

Zölle auf russischem Gas und Öl würden Putin richtig weh tun. Die neue Strategie könnte bald spruchreif werden.

Die Idee eines Zolls auf russischem Gas und Öl ist nicht ganz neu. Doch nun nimmt sie Fahrt auf. «Sie könnte schon nächste Woche spruchreif sein, im Rahmen des nächsten Sanktionspakets gegen Russland», sagt Simone Tagliapietra, Ökonomieprofessor in Mailand und Mitarbeiter beim ThinkTank Bruegel in Brüssel.

Ein Zoll auf russischem Gas und Öl wäre einfach umsetzbar: Bei einem Zoll von beispielsweise 20 Prozent müsste Russland 20 Dollar Zoll pro Fass Rohöl zahlen – wenn das Fass, wie aktuell, rund 100 Dollar kostet.

Schlag gegen russische Kasse

Ein solcher Zoll würde Russland empfindlich treffen, sagt Tagliapietra und verweist auf die Grössenordnung des russischen Energiegeschäftes: Jeden Tag zahle die EU rund 800 Millionen Euro an Russland für importiertes Gas und Öl. Eine riesige Summe und die bedeutendste Geldquelle des Kremls, um den Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren.

Mit einem Zoll auf russischem Gas und Öl könnte diese Einnahmequelle des Kremls reduziert werden, ohne dass die EU gleichzeitig auf die Energie aus Russland verzichten müsste. Noch stammen 40 Prozent des Gases und 25 Prozent des Rohöls, das die EU bezieht, aus Russland. Ein Embargo hätte für einige europäische Länder heftige wirtschaftliche Folgen.

Zoll auch als Verhandlungspfand

Der vorgeschlagene Zoll limitierte nicht nur die Fähigkeit Russlands, Krieg zu führen, die EU käme damit auch zu Geld, das man später teilweise für den Wiederaufbau der Ukraine verwenden könnte, schlagen Experten vor.

Laut Ökonomieprofessor Tagliapietra könnte ein solcher Zoll

für die EU zudem ein wichtiges Instrument für zukünftige Verhandlungen mit Russland darstellen. Denn der Prozentsatz könnte bei Bedarf erhöht werden. Zum Beispiel dann, wenn das russische Militär weiterhin so brutal gegen die Zivilbevölkerung vorgeht.

Besser als Embargo in aktueller Lage

Laut dem Mailänder Ökonomen wächst der Druck auf die EU mit jedem weiteren Kriegstag, den Krieg gegen Ukrainer und Ukrainerinnen nicht länger mitzufinanzieren. Weil Europa aber nicht komplett auf die russische Energie verzichten kann, steht der Zoll auf russischer Energie nun im Zentrum der Diskussionen.

Mit dem Embargo von russischer Kohle, das in der EU ab August gilt, wird Russland täglich 15 Millionen Euro verlieren. Mit einem Zoll von beispielsweise 20 Prozent auf Gas und Öl entgingen den Russen satte 160 Millionen Euro am Tag. Das würde schmerzen.

Echo der Zeit, 14.04.2022, 18:00 Uhr

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