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Legende: Audio Droht eine weltweite Rezession? abspielen. Laufzeit 01:33 Minuten.
Aus HeuteMorgen vom 15.08.2019.
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Krise der Weltwirtschaft Eine Rezession ist wohl unausweichlich

Die Angst vor einer Rezession der Weltwirtschaft geht um. Nach enttäuschenden Wirtschaftsdaten aus China und Deutschland am Mittwoch sind die asiatischen Börsen am Donnerstag schlecht in den Tag gestartet. Auch die Schweizer Wirtschaft und der Franken dürften dies zu spüren bekommen.

Deutlichere Signale als erwartet

Die einzelnen Signale kommen nicht überraschend. Dass die deutsche Wirtschaft dümpelt, war schon vor den Zahlen von Mittwoch bekannt und dass China weniger stark wächst als auch schon ebenfalls. Zusammen und in dieser Deutlichkeit sind sie aber besorgniserregend.

Definition für Rezession

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Rezession ist die Bezeichnung für eine Abschwungsbewegung. Sie ist eine Phase des Konjunkturzykluses einer Volkswirtschaft. Auf eine Rezession folgt im Konjunkturzyklus die Depression. Sie markiert das Konjunkturtief. Ist die Depression überstanden, zieht die Konjunktur wieder an. Diese Phase heisst expansive Phase, auch Aufschwung genannt. Auf den Aufschwung folgt die Hochkonjunktur oder der Boom. Zur Bestimmung einer Rezession bedienen sich Experten einer Hilfskonstruktion, in der bestimmte Kennzahlen innerhalb einer bestimmten Zeit erreicht und bestimmte Ereignisse eintreten müssen.

Denn die Signale sind noch ein bisschen deutlicher ausgefallen als erwartet: Die Deutsche Wirtschaft dümpelt nicht nur, sie schrumpft sogar leicht und die chinesische wächst statt um 5.8 Prozent nur um 4.8 Prozent. Der Handelsstreit zwischen den beiden grössten Volkswirtschaften China und USA hinterlässt definitiv Spuren.

Auch an der Schweizer Volkswirtschaft geht das kaum spurlos vorbei. Sie dürfte im letzten Quartal kaum gewachsen sein und der Franken wird wohl weiter Auftrieb erhalten. Das alles ist dem Vertrauen der Anleger in die Weltwirtschaft alles andere als förderlich.

Zinskurve wie 2007

Ein Indiz für die Unsicherheit: In den USA haben Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zwei Jahren am Mittwoch zeitweise mehr Zins abgeworfen als zehnjährige. Normalerweise gilt das Gegenteil: Wer Geld für lange Zeit ausleiht, erhält mehr Zins dafür, als derjenige, der es nur für kurze Zeit tut. Zu einer solchen Inversion der Zinskurve ist es letztmals vor zwölf Jahren gekommen.

Ein Alarmsignal für viele Beobachter, denn in der Regel stürzt die Weltwirtschaft ein paar Monate nach einer solchen Inversion in eine Rezession.

Die Lage ist auf jeden Fall besorgniserregend: Das viele Geld, das die Zentralbanken in den letzten Jahren in die Märkte gepumpt haben, weiss kaum mehr wohin.

Dabei treibt es ungesunde Blüten. Unzählige Firmen profitieren vom billigen Geld, Staaten sind verschuldet wie nie. Und die Zentralbanken scheinen keinen Plan zu haben, wie und wann sie das Geld wieder absaugen sollen. Dass die Weltwirtschaft vor einer Rezession steht, scheint ausgemacht – die grosse Frage ist aber, ob sie rein schlittert oder ob es zum Knall kommt.

Klaus Ammann

Klaus Ammann

Wirtschaftsredaktor, SRF

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Der Historiker und Russist ist seit 2004 als Redaktor bei Radio SRF tätig. Seit 2011 arbeitet Klaus Ammann für die Wirtschaftsredaktion. Sein Schwerpunkt liegt dabei auf Energie- und Klimathemen.

Legende: Video Rezessionsängste schicken Börsen auf Talfahrt abspielen. Laufzeit 01:44 Minuten.
Aus Tagesschau vom 15.08.2019.
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67 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    Mit regelmässigen Crash-Nachrichten wird den kleinen Leuten der Aktienerwerb vermiest.

    Ich warte schon lange auf den Tag, an dem die Medien den seit Jahren andauernden Aufschwung des Aktienmarktes mit gleicher Vehemenz kommentieren wie dann, wenn er kurzfristig „abstürzt“. Ich frage mich: Ist das Schlechtreden des Aktienmarktes eine Strategie der Linken und der Banken? Sollte man den Leuten nicht schon in der Schule die Funktion des Eigenkapitals erklären?
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  • Kommentar von Beat Reuteler  (br)
    4.8% Wachstum in deiner der grössten Wirtschaftsregionen der Welt ist definitiv zu viel. Dass China lange zeit sogar 2-stellige Wachstumsraten hatte war bie dieser Art Aufholjagd nicht besonders überraschend. Dass ein solches horrendes Tempo nicht sehr lange durchgehalten werden kann war aber auch klar. Das Problem ist nicht, dass ein aktuelles Wachstum geringer ausfällt, sondern das Problem ist, dass viel zu viele grosse Financiers mit völlig überrissenen Erwartungen im Kopf herumlaufen.
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    1. Antwort von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
      Eindrückliches Beispiel, wie die Finanzwelt tickt: https://www.srf.ch/news/wirtschaft/pharmakonzern-im-umbruch-novartis-plant-stellenabbau-auch-schweiz-betroffen#main-comments Genau dieses Denken ist die Ursache so mancher Probleme. Wird aber systembedingt nicht nur gefördert sondern gefordert. Das Geld- und Finanzsystem sollte so sein, dass solches Denken kein Schaden mehr der Gesellschaft zufügen kann und auch nicht gefördert noch belohnt wird, im Gegenteil.
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  • Kommentar von Lothar Drack  (samSok)
    2. Versuch: Ich staune über die vielen Fachleute, die hier kommentieren. In Wirtschaftsfragen völlig unbedarft freue ich mich aber über Sätze wie: „Das viele Geld (...) weiss kaum mehr wohin.“ Das stell mir so richtig bildhaft vor: wow, wie verzweifelt dieses Geld wohl suchen mag...

    Spass beiseite, aber 1 % weniger Wachstum als erwartet, kann das so schlimm sein? Stures Wachstumsdenken versus einem eigentlich angesagten Konsumverzicht angesichts wachsender Umweltproblematik?
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    1. Antwort von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
      1% bei einem Bruttoinlandprodukt von 600 Mrd. sind 6 Mrd. Also 6 Mrd., welche weniger verdient werden können, als geplant. Das ist nicht wenig... Und die gewinnmaximierenden Unternehmen werden versuchen, dies auf die Erwerbstätigen und der Allgemeinheit abzuwälzen (max. Kapitalgewinne haben Vorrang!) - > es trifft die "Kleinen". Ein irres System, das sich eine Mehrheit gefallen lässt und sogar gegen kleine Reformschritte stimmt wie die Vollgeldinitiative...
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    2. Antwort von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
      P.S.: 6 Mrd. weniger zu verdienen als erwartet, welche aber in den Aktienkursen als zukünftige Gewinne eingepreist sind (Aktienpreis = kapitalisierte zukünftige Gewinne) ! Um die Aktionäre bei Laune zu halten, werden die Unternehmensführungen wie schon immer alles daran setzen, die Gewinne trotzdem möglichst hoch zu halten. Was das für die Belegschaft, für die Kunden, die politische Lobbyarbeit usw. bedeutet, kann man sich leicht vorstellen.
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    3. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Nicht der "Einbruch" ist das Problem, sondern die Reaktion der Leute darauf.
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