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Noch ist völlig unklar, welche Aussenwirtschaftspolitik Biden machen wird
Aus SRF 4 News aktuell vom 09.11.2020.
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Künftige US-Regierung Biden Schweizer Exporte in die USA könnten erschwert werden

  • Die USA sind nach der EU der zweitwichtigste Handelspartner für die Schweiz.
  • Unter Präsident Trump nahmen die Exporte nach Übersee um zehn Prozent pro Jahr zu.
  • Mit dem neuen Präsidenten Biden könnte dieses Wachstum gebremst werden, glaubt der Chef der schweizerisch-amerikanischen Handelskammer.

Martin Naville beobachtet die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA und der Schweiz seit vielen Jahren. Er ist Chef der schweizerisch-amerikanischen Handelskammer. Die Schweiz exportiere mittlerweile gleich viele Waren in die USA wie nach Deutschland, sagt Naville.

Was bedeutet der Wahlsieg von Joe Biden für die Schweizer Wirtschaft? «Vor allem viele Fragezeichen», sagt Naville. Biden habe kaum einen inhaltlichen Wahlkampf geführt, deshalb wisse man wenig über seine Haltung zum Welthandel. «Biden hat sich sehr zurückgehalten und darauf gewartet, dass sich Donald Trump selber in den Fuss schiesst – was ja auch passiert ist.»

Es herrschen viele Fragezeichen vor.
Autor: Martin NavilleChef der Handelskammer Schweiz-USA

Man wisse bis jetzt nur, dass Biden in der Umwelt- und Gesundheitspolitik Schwerpunkte setzen wolle. Zum Thema Handel dagegen habe er sich kaum verlauten lassen. Auch sei noch unklar, wer in Bidens Regierungskabinett kommt. «Es herrschen die Fragezeichen vor», so Naville.

Der ehemalige Wirtschaftsminister Johann Schneider Ammann im Gespräch mit Biden.
Legende: Der ehemalige Schweizer Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann im Gespräch mit dem damaligen US-Vizepräsident Biden 2016 am WEF. Keystone

Wie weiter mit Trumps Strafzöllen?

Völlig offen ist auch, wie Biden mit den protektionistischen Strafzöllen verfahren wird, mit denen Trump den Welthandel überzogen hat. Unter diesen Abgaben leiden kleine, offene Volkswirtschaften wie die Schweiz stärker als Volkswirtschaften mit einem grossen Binnenmarkt, wie zum Beispiel die USA oder China.

Naville rechnet nicht damit, dass es im Handelskrieg unter Biden zu einer Entspannung kommt. Im Gegenteil – der neue US-Präsident könnte den Protektionismus noch verstärken, denn schliesslich gehe es um Arbeitsplätze in den USA.

Der ehemalige Schweizer Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann im Gespräch mit dem damaligen US-Vizepräsident Biden 2016 am WEF.
Legende: Der ehemalige Schweizer Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann im Gespräch mit dem damaligen US-Vizepräsident Biden 2016 am WEF. Keystone

Trump machte vor allem viel Lärm

Zudem sei der Protektionismus unter Trump gar nicht wirklich gelebt worden, sagt der Chef der schweizerisch-amerikanischen Handelskammer. «Trump hat vor allem viel Lärm gemacht.»

Die Schweizer Exporte in die USA hätten unter Trump jedes Jahr um zehn Prozent zugenommen. «Das tönt nicht sehr nach Protektionismus.» Deshalb könne es durchaus sein, dass die Regierung Biden den US-Wirtschaftsraum stärker abschotten werde. Das hänge auch davon ab, wen Biden in die Regierung hole.

Chancen für Freihandelsabkommen sinken

Aus dem gleichen Grund glaubt Naville auch nicht daran, dass sich die Schweiz Hoffnung auf ein baldiges Freihandelsabkommen mit den USA machen kann. Über ein solches wird seit vielen Jahren geredet. Mit Biden seien die Chancen auf ein Abkommen Schweiz-USA eher gesunken – zumindest stehe es nicht zuoberst auf der Prioritätenliste der künftigen US-Regierung.

Als Vizepräsident unter Barack Obama war Joe Biden zweimal am World Economic Forum in Davos. Seine Frau Jill hat in der Schweiz das duale Bildungssystem studiert und erste Anstrengungen unternommen, es in die USA zu importieren – Affaire à suivre, darf man annehmen.

Martin Naville

Martin Naville

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Martin Naville ist seit 2004 CEO der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer. In dieser Funktion bemüht er sich um gute Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern., Link öffnet in einem neuen Fenster, Link öffnet in einem neuen Fenster, Link öffnet in einem neuen Fenster, Link öffnet in einem neuen Fenster

SRF 4 News, Heute Morgen vom 9.11.2020, 06.00 Uhr

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Ernst von Allmen  (MEVA)
    Die Regierung Bieden wird versuchen den Finanzplatz Schweiz zu Schwächen.
    Das haben die Regierungen von Clinton und Obama auch gemacht. Er wird sicher den Handel mit China noch mehr erschweren und Russland Anklagen wo er nur kann. Er wird das Pariser Abkommen wieder unterschreiben ohne es einzuhalten.
    Viel ändern wird sich also nichts.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Ernst von Allmen: Ich befürchte, das mit dem Pariser Abkommen wird genauso rauskommen, wie Sie schreiben. Ein Vertrag ist rasch unterschrieben und ratifiziert, aber nachher muss der Präsident seiner erdölsüchtigen Bevölkerung erklären, warum der Benzin mindestens doppelt bis dreimal so viel kosten muss wie jetzt, wenn man sich auch nur ein wenig den hochgesteckten Zielen annähern will. Die dicken Autos und den Swimming Pool vor dem Haus findet man sowohl bei Biden- als auch bei Trump-Wählern.
  • Kommentar von Jos Schmid  (Jos Schmid)
    Ich verstehe nicht, weshalb Lobbisten soviel Beachtung von Seiten der SRF zuteil wird. Ich würde unabhängigen Journalismus bevorzugen und nicht die Meinung von Interessensvertretern.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Jos Schmid: Der Chef der schweizerisch-amerikanischen Handelskammer ist sicher eine gute Adresse um Auskunft über die nach den Wahlen zu erwartenden Auswirkungen der Wirtschaftsbeziehungen Schweiz-USA zu den USA zu erhalten. Hätten Sie lieber dass SRF Fabian Molina dazu befragt hätte?
  • Kommentar von Mark. Jaeger  (jegerlein)
    Die US Demokraten waren seit den 90er Jahren nie nett mit der Schweiz. Wenn sie an der Macht waren kamen die nur hierher um Geld zu erpressen.
    Der geliebte Obama hat zB mal in einem Interview gesagt, dass er niemals in die Schweiz zum Skifahren kommen würde.
    1. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Ach so, das sind die Qualitäten, die ein Politiker braucht: Lust darauf, in der Schweiz Ski zu fahren.
    2. Antwort von Paul Schmid  (Psc)
      Jööööh. Das ist aber sehr informativ. Nach Meinung jegerlein könnten sich also während der trumpistischen Ära wiederum schweizerische Geschäftsleute kriminelle Taten unter dem Schutzschirm DT geleistet haben.
    3. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Mark. Jaeger: Falls Obama nicht skifahren kann, dann wird er weder in der Schweiz noch in Österreich, ja noch nicht einmal in Colorado skifahren gehen.