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Lieferengpässe wegen Wetter Haselnuss-Ernteausfälle treffen Nutella-Hersteller Ferrero

Die diesjährige Ernte von Haselnüssen ist miserabel. Der Preis verdoppelt sich. Für den Hersteller von Nutella eine Herausforderung.

Ernteausfälle in der Türkei: Es ist ein grosses Paradox. Haselsträucher wachsen in der Schweiz auf dem Land fast überall. Und man würde erwarten, dass es einen Überfluss dieser Nüsse gibt. Doch weit gefehlt. Auf den Weltmärkten gibt es Engpässe wie selten zuvor. Der wichtigste Lieferant für die Lebensmittelindustrie ist die Türkei. Dort sind die Ernteerträge im laufenden Jahr um bis zur Hälfte eingebrochen. Normalerweise liefert die Türkei zwei Drittel des weltweiten Bedarfs, zwischen 600'000 und 700'000 Tonnen. Pro Jahr werden etwas mehr als 8000 Tonnen Haselnüsse aus der Türkei in die Schweiz geliefert.

Pflanze
Legende: So sieht eine gesunde Haselnusspflanze aus. Ferrero

Frost und Schädling: Das Wetter hat den türkischen Produzenten einen Strich durch die Rechnung gemacht. Im Frühling wurde es kälter als normal und der Frost hat den Pflanzen zugesetzt. Hinzu kommen Schädlinge. In der Folge wurden die Haselnüsse zum Spekulationsobjekt. Zwischenhändlerinnen und -händler kauften die spärliche Produktion und hoffen auf ein lukratives Geschäft. Laut Financial Times hat sich der Preis seit dem Sommer fast verdoppelt – auf 18'000 Dollar pro Tonne, ohne Schalen.

Rückgang auch in Italien: Nicht nur in der Türkei gibt es Lieferschwierigkeiten, sondern auch im zweitwichtigsten Ernteland Italien. Im laufenden Jahr ist die Erntemenge auf nur noch 70'000 Tonnen eingebrochen – viel weniger als in den Vorjahren. Es ist die tiefste Ernte von Haselnüssen in Italien seit 1969.

Strukturwandel in Italien: Dürre im Sommer, milde Winter, Regen im Frühling sowie Schädlinge – das sind die Gründe für die magere Ernte in Italien. Die Produktion konzentriert sich auf die Regionen Piemont, Kampanien, Latium und Sizilien. Gemäss letzter Zählung gab es 2020 in Italien fast 26'000 Betriebe mit Haselnüssen, das sind 22 Prozent weniger als zehn Jahre zuvor. Allerdings bewirtschaften die verbleibenden Bauern jeweils grössere Flächen.

Jede vierte Nuss bei Ferrero: Weltweit grösster Käufer von Haselnüssen ist die Firma Ferrero aus Italien. Das Unternehmen verbraucht einen Viertel der weltweiten Haselnussproduktion. Oder mit anderen Worten: Jede vierte Haselnuss der Welt landet bei Ferrero. Das Unternehmen ist bekannt für seinen Brotaufstrich Nutella, der unter anderem aus Haselnüssen fabriziert wird.

Brot mit Nutella
Legende: Kennt man in vielen Haushalten: Nutella, der Brotaufstrich aus Italien. Keystone / DPA / Hendrik Schmidt

Reich dank Haselnüssen: Die Geschichte von Nutella hat im Zweiten Weltkrieg begonnen. Pietro Ferrero war Konditor im Piemont in Italien. Dem jungen Mann sind die vielen Haselnüsse in der Region aufgefallen. Ferrero begann die Nüsse zu mahlen, mischte diese mit Zucker und Nahrungsmittelöl und so entstand der Brotaufstrich. Das Unternehmen wird in dritter Generation von Verwaltungsratspräsident Giovanni Ferrero geführt. Die Haselnüsse haben die Ferreros zur reichsten Familie Italiens gemacht, mit einem von Forbes geschätztem Vermögen von 41 Milliarden Dollar. Zu den bekannten Marken gehören Kinder Schokolade, Ferrero Rocher und Tic Tac. Beim Unternehmen arbeiten 47'000 Personen.

Mehrere Personen in Plantage.
Legende: Haselnussplantage in Chile: Ferrero erweitert seinen Kreis der Lieferanten. Ferrero

Neue Lieferanten: Schon vor Jahren hat sich Ferrero auf die Suche nach weiteren Lieferanten von Haselnüssen gemacht, zusätzlich zur Türkei und zu Italien. In Kanada und Australien wurden mehr als 900'000 Sträucher gepflanzt, später kamen auch Chile und die USA als neue Standorte von Plantagen hinzu. Das Unternehmen profitiert von dieser Diversifikation. Noch ist offen, ob aufgrund der Lieferengpässe die Preise von Nutella erhöht werden müssen.

SRF 4 News, 31.10.2025, 16:12 Uhr;liea

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