Zum Inhalt springen

Header

Audio
Arbeitsmarkt trägt im März erste Anzeichen der Corona-Krise
Aus HeuteMorgen vom 07.04.2020.
abspielen. Laufzeit 01:02 Minuten.
Inhalt

Mehr Arbeitslose im März Kann die Schweiz eine Entlassungswelle abwenden?

Die Corona-Krise hinterlässt auf dem Schweizer Arbeitsmarkt deutliche Spuren. Die Zahl der Arbeitslosen stieg allein im März um fast 18‘000 auf über 135‘000 Personen an. Tendenz steigend.

Das Hilfspaket des Bundesrats gilt als beispiellos. Mitunter das wichtigste Instrument ist die staatliche Kurzarbeitsentschädigung. Sie soll verhindern, dass es zu Massenentlassungen kommt. Deshalb hat der Bundesrat Mitte März die Regelungen für Kurzarbeitsentschädigungen gelockert und damit seine Hilfe massiv ausgebaut.

Für viele Unternehmen ist die Entschädigung eine wichtige Stütze in dieser herausfordernden Zeit. Inzwischen haben über 100‘000 Firmen bei den kantonalen Wirtschaftsämtern Kurzarbeit beantragt. Damit ist inzwischen fast jeder Dritte Angestellte in der Schweiz betroffen.

Trotz der umfassenden staatlichen Hilfe entlassen Firmen aber auch Angestellte. «Noch nie gab es innert so kurzer Zeit so viele Kündigungen», sagt Boris Zürcher vom Staatssekretariat für Wirtschaft. Und er rechnet damit, dass die Zahl der Arbeitslosen weiter steigt.

Verlieren tatsächlich weiterhin pro Werktag rund 2000 Personen ihre Stelle, ist das eine besorgniserregende Entwicklung. Das wird die Konsumentenstimmung, und damit die gesamte Wirtschaft, negativ beeinflussen.

Gewerkschaften fordern Kündigungsschutz

«Es ist erschreckend, wie stark die Arbeitslosenzahlen gestiegen sind», sagt Daniel Lampart vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund. Sollte die Zahl weiter so stark steigen, fordere er einen «Corona-Kündigungsschutz». Und in einem Nebensatz fügt er an, der Kündigungsschutz müsse generell verbessert werden. Klar: Es geht dem Gewerkschafter in dieser Krise auch darum, ganz generell einen stärkeren Kündigungsschutz für Angestellte salonfähig zu machen, über die Coronakrise hinaus.

Ob ein solcher Kündigungsschutz allerdings zielführend ist, ist umstritten. Er könnte die Unternehmen daran hindern, Stellen neu zu besetzen, sobald der Wirtschaftsmotor wieder hochtouriger läuft. Das würde die Stellensuche für Arbeitslose schwieriger machen, denn im März ist die Zahl der offenen Stellen bereits gesunken.

Unternehmen fürchten Rezession

Die Unternehmen wehren sich denn auch gegen einen generell verschärften Kündigungsschutz. «Das führt nur dazu, dass weniger Leute eingestellt werden», argumentiert Fredy Greuter vom Arbeitgeberverband. Es brauche weiterhin einen möglichst anpassungsfähigen Arbeitsmarkt, so Greuter. Und ein «Corona-Kündigungsschutz» sei für Firmen in der aktuell ohnehin schon äusserst schwierigen Lage ein zusätzlicher Stein im Weg.

Der Grund für die zunehmenden Entlassungen seien vor allem die trüben Aussichten, rechtfertigt Greuter den Umstand, dass Unternehmen trotz der Möglichkeit von Kurzarbeit Angestellte auf die Strasse stellen. Die Aussichten sind tatsächlich düster. Inzwischen sind sich die Ökonomen einig: Es wird zu einer Rezession kommen. Viele Firmen rechnen deshalb mit weniger Aufträgen, selbst wenn die Wirtschaft bald wieder hochgefahren werden kann.

Die steigende Zahl der Arbeitslosen ist zweifellos alarmierend. Ob eine Entlassungswelle in der Schweiz verhindert werden kann, wird vor allem davon abhängen, wie lange die Krise dauert und wie sich die Lage in den Ländern entwickelt, in die die Schweiz exportiert. Die Schweiz hat viele und gute Instrumente mobilisiert, um den hiesigen Unternehmen durch die Krise zu helfen. Trotz allem hat sie ihr Schicksal nur bedingt selbst in der Hand.

Stefanie Pauli

Stefanie Pauli

Wirtschaftsredaktorin, SRF

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Die studierte Betriebsökonomin ist seit Herbst 2018 Wirtschaftsredaktorin bei Radio SRF. Davor war Stefanie Pauli für die Wirtschaftsredaktion der «Tagesschau» und von «10vor10» tätig. Sie arbeitet seit 2011 bei SRF.

Heute Morgen, 7.4.2020, 8 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

32 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    Um von der guten Konjunktur zu profitieren, wurden in den letzten Jahren viele Arbeitskräfte aus dem Ausland angeheuert, deren sich die Arbeitgeber jetzt - in der aufkommenden Rezession - möglichst schnell wieder entledigen. Die damit verbundenen Sozialkosten zahlen wir alle.
  • Kommentar von Leonhard Müller  (Pardon)
    Der Wunsch nach einem Kündigungsschutz ist verständlich. Wenn aber ein Unternehmen wegen Umsatzverlusten Konkurs geht, verlieren alle ihre Stelle.
  • Kommentar von Nicolas Mauron  (NJM)
    Ich bin nicht für einen Kündigungsschutz, denn wenn Unternehmen kein Geld mehr haben, um den Lohn der Angestellten zu bezahlen, müssen sie leider Angestellte entlassen. Aber wenn sie das nicht dürfen droht dem betroffenen Unternehmen der Konkurs. Wenn ein Unternehmen dann wirklich Konkurs anmelden muss, würde dann das ganze Personal des Unternehmens arbeitslos.
    1. Antwort von Susanne Küng  (suku)
      Die Unternehmen, die Angestellte entlassen müssen, sollten wenigstens die bestehenden Kündigungsfristen einhalten. Das OR ist nicht ausser Kraft gesetzt.