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Thomas Klühr verlässt die Swiss
Aus Tagesschau vom 29.09.2020.
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Mitten in der Coronakrise Swiss-Chef Thomas Klühr tritt Ende Jahr zurück

  • Bei der Fluggesellschaft Swiss geht der Chef Thomas Klühr Ende Jahr überraschend von Bord.
  • Klühr verlässt das von der Coronakrise hart getroffene Unternehmen nach rund fünf Jahren aus persönlichen Gründen auf eigenen Wunsch.
  • Über seine Nachfolge soll noch bis Ende Jahr entschieden werden.

Klühr habe den Verwaltungsrat gebeten, ihn per Ende 2020 von seiner Funktion zu entbinden, teilte die Swiss mit. Der Verwaltungsrat habe dieser Bitte mit grösstem Bedauern entsprochen, respektiere aber seine privaten Gründe und danke ihm schon jetzt ausdrücklich für seine grossen Verdienste für die Swiss. Klühr tritt auch als Verwaltungsratspräsident der Swiss-Schwester Edelweiss ab.

Einschätzungen von SRF-Wirtschaftsredaktor Daniel Daester

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Für mich zeigt der Rücktritt vor allem eines, nämlich dass der dauernde Krisenmodus ermüdend ist. Klühr wird jetzt gemerkt haben, dass er nicht mehr mag und das Zepter lieber einem Neuen übergibt.

Klühr hat vor allem zwei Dinge erreicht: Einerseits hat er die Swiss auf Erfolgskurs gehalten – auch finanziell – und so die Unabhängigkeit vom Mutterkonzern Lufthansa garantieren können. Andererseits hat er eben auch die Flotte erneuert – und das ist wirklich nicht einfach. Klühr war im Unternehmen sehr beliebt. Er ist immer bodenständig geblieben, trotz des grossen Erfolges.

Für die Swiss ist sein Abgang keine einfache Angelegenheit. Gerade in Krisenzeiten wie jetzt kommen so weitere Unsicherheiten ins Unternehmen. Aber die Swiss hat heute Morgen versichert, dass man bei der Suche nach einem neuen CEO bereits sehr weit sei. Und es könnte gut sein, dass bald wieder ein Schweizer die Leitung des Unternehmens übernimmt.

Von der Lufthansa bestellt

Der heute 58-jährige Klühr hat in seiner Zeit bei der Swiss einiges bewegt. Er stiess 2016 von der Lufthansa zur Schweizer Fluggesellschaft und löste Harry Hohmeister ab, der in die Zentrale der Muttergesellschaft Lufthansa nach Frankfurt ging.

Unter der Leitung Klührs habe die Swiss die grösste Flottenmodernisierung in ihrer Geschichte vorangetrieben, heisst es. Zudem habe er Swiss als Premiummarke gestärkt. Im Jahr 2018 flog die Swiss das höchste Ergebnis ihrer Firmengeschichte ein und der Umsatz übertraf erstmals die Marke von fünf Milliarden Franken.

Abgang in schwierigen Zeiten

Klühr verlässt den Kommandostand der Swiss in einer für die Luftfahrt äusserst schwierigen Zeit. Die Coronapandemie und die weltweit verfügten Reiserestriktionen haben den globalen Tourismus während Monaten praktisch zum Erliegen gebracht und belasten die Reisebranche nach wie vor. Darunter leiden die Fluggesellschaften schwer.

Auch die Swiss ist von der Coronakrise hart getroffen worden. Während des Lockdowns konnten nur noch vereinzelt Flüge durchgeführt werden und bis heute ist das Hochfahren des Flugbetriebs angesichts verschiedener Reisebeschränkungen schwierig. Pro Tag verliert Unternehmen rund eine Million Franken. Das Vorkrisenniveau dürfte frühestens 2024 wieder erreicht werden.

Wer folgt auf Klühr?

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In der Branche wird nun darüber spekuliert, wer die Swiss durch die stürmischen Zeiten lotsen soll. Der Verwaltungsrat der Swiss will im vierten Quartal über Klührs Nachfolge entscheiden. Als mögliche Nachfolger Klührs werden der Chef des Kommerzgeschäfts bei der Swiss, Tamur Goudarzi-Pour, sowie Finanzchef Markus Binkert genannt. Nicht ausgeschlossen ist allerdings, dass die Lufthansa erneut jemanden aus der Zentrale in die Schweiz schicken wird.

In Verlustzone gelandet

Die von der Coronapandemie ausgelösten Probleme zeigen sich in der Rechnung der Swiss. In der ersten Jahreshälfte landete die Airline tief in der Verlustzone: Die Swiss schrieb einen operativen Verlust von 266 Millionen Franken, während der Umsatz um rund 55 Prozent auf 1.17 Milliarden eingebrochen war.

Die Coronakrise war laut der Mitteilung aber nicht der Grund für Klührs Rücktritt. Dieser habe seinen bereits für das erste Quartal dieses Jahres geplanten Rücktritt nach Abzeichnen der Krise zurückgeschoben und die Swiss souverän durch diese schwierige Zeit manövriert, hiess es.

Einsitz in Luftfahrtstiftung

Nach seinem Rücktritt wird Klühr weiterhin im hiesigen Luftfahrtgeschäft tätig sein. Er nimmt in der neu zu begründenden Schweizer Luftfahrtstiftung Einsitz. Für diese Aufgabe sei Klühr mit seiner Erfahrung in der Luftfahrt und innerhalb der Lufthansa-Gruppe geradezu prädestiniert, sagte Swiss-Verwaltungsratspräsident Reto Francioni laut der Mitteilung.

Gewerkschaften machen sich Sorgen

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«Wir machen uns Sorgen um die Arbeitsplätze, Löhne und Arbeitsbedingungen der Swiss-Mitarbeitenden», sagte Philipp Hadorn, Präsident der Bodenpersonalgewerkschaft SEV-GATA, laut einer Mitteilung. Die für Mittwoch angesetzten Verhandlungen zu Sparmassnahmen beim Bodenpersonal wurden vorerst auf Eis gelegt. Die Swiss sei den Gewerkschaften den Nachweis schuldig geblieben, dass die geplanten Einsparungen aufgrund ihrer Verträge mit dem Bund zwingend seien, begründet SEV-GATA.

Die Luftfahrtstiftung wacht über die Einhaltung der Standortvereinbarung zwischen dem Bund und der Lufthansa-Gruppe bezüglich der Entwicklung des Hubs in Zürich. Das war eine Voraussetzung dafür, dass der Bund die Swiss in der Coronakrise mit einer Kreditgarantie stützt.

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Daniel Daester, SRF-Wirtschaftsredaktor: «Rücktritt zeigt, Krisenmodus ist ermüdend»
Aus Tagesschau vom 29.09.2020.
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SRF 4 News, 29.9.20, 10 Uhr;

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Martin H. Meier  (Mahame)
    Herr Klühr führte das Unternehmen erfolgreich und sorgte für grosse Investitionen in moderne Flieger. Dann wollte er kündigen aus persönlichen Gründen, blieb dann aber sechs Monate länger wegen der Corona-Krise. Hâtten wir uns einen besseren Swiss-Chef wünschen können?
    Diese Kommentare, liebe Neidgenossen, die hat er wirklich nicht verdient!
    Danke Herr Klühr, alles Gute !!
  • Kommentar von Roger Ebischer  (RO.Ebi)
    Ein guter Leader erkennt man dann, wenn Er oder Sie auch in schwierigen Zeiten Ideen bereit hat... es ist schon etwas Surreal wenn es Menschen gibt, die in einer solchen Situation freiwillig Ihren Job kündigen, während andere darauf hoffen Ihren Job zu behalten. Dies muss man sich mal vor Augen führen.
  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Die Top bezahlten "Manager, verlassen die sinkenden Schiffe..."! Nach mir die Sintflut...