Zum Inhalt springen

Header

Video
Gottstein: «Es handelt sich um menschliches Versagen»
Aus News-Clip vom 29.07.2021.
abspielen
Inhalt

Nach Archegos-Skandal Credit Suisse: Kunden und erfahrene Führungskräfte laufen davon

Der Skandal rund um den Hedgefonds Archegos hat die Credit Suisse im ersten Halbjahr 2021 total fünf Milliarden Franken gekostet. Im Interview erklärt CS-Chef Thomas Gottstein, dass Angestellte und Kunden die Bank verlassen hätten.

ie Credit Suisse spürt die Auswirkungen des US-Hedgefonds-Debakels vom März auch im zweiten Quartal. Die Grossbank hat dazu nun einen Bericht veröffentlicht. Im Bericht werden diverse Mängel eingeräumt, die CS sieht aber kein betrügerisches oder rechtswidriges Verhalten von Angestellten.

Thomas Gottstein

Thomas Gottstein

CEO der Credit Suisse

Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen

Gottstein ist seit dem 14. Februar 2020 der neue Chef der Credit Suisse. 1999 stieg er bei der Bank ins Investmentbanking ein. Ab 2016 war er Chef der neu geschaffenen Division CS Schweiz.

SRF News: Thomas Gottstein, welchen Schaden hat der Fall Archegos bei der Credit Suisse hinterlassen?

Thomas Gottstein: Wir haben insgesamt 5 Milliarden Franken Verlust gehabt wegen dieses Vorfalls. Trotzdem ist es uns gelungen, wieder in die Profitzone zu kommen. Das zeigt, dass unser operatives Geschäft sehr gut läuft. Und was das Wichtigste für uns ist: Das harte Eigenkapital liegt bei 13.7 Prozent. Das ist der höchste Stand seit mehreren Jahren.

Die Bank hat im zweiten Quartal einen Abfluss von Kundengeld in der Höhe von 4.7 Milliarden Franken verzeichnet. Auch dies Nachwehen der jüngsten Skandale?

Es war sicher so, dass wir aufgrund der Schwierigkeiten, die wir hatten, insbesondere in den Monaten April und Mai gewisse Geldabflüsse sahen. Wir haben diese zum Teil auch proaktiv provoziert, nachdem wir unser Kreditbuch nochmals analysiert hatten. Wenn man aber die gesamten sechs Monate dieses Jahres anschaut, so hatten wir Nettoneugeld von 24 Milliarden. Also ein positives erstes Halbjahr.

Video
Gottstein: «In den Monaten April und Mai gewisse Geldabflüsse»
Aus News-Clip vom 29.07.2021.
abspielen

Wenn man sich in der Branche umhört, heisst es, die Credit Suisse verliere derzeit auffällig viele wichtige Angestellte. Diese würden der Bank nach den jüngsten Ereignissen den Rücken kehren. Stimmt das?

Die Fluktuation hat allgemein zugenommen nach der Pandemie 2020. Aber es ist effektiv so, dass wir bei den Managing Directors mehr Fluktuation gesehen haben als in vergangenen Jahren. Wir hatten einen 5-Milliarden-Verlust und wollen, dass die Leute Solidarität mit den Aktionären zeigen. Wir werden dieses Jahr nicht so hohe Boni zahlen wie andere Banken. Da müssen wir gewisse Abgänge in Kauf nehmen. Wir werden diese ersetzen mit internen und externen Talenten.

Wir werden dieses Jahr nicht so hohe Boni zahlen wie andere Banken. Da müssen wir gewisse Abgänge in Kauf nehmen.
Autor:

Man hört auch, dass die Credit Suisse wichtigen Angestellten einen sogenannten «Retention Bonus» bezahlt, also einen zusätzlichen Bonus, damit diese Leute bleiben. Können Sie das bestätigen?

Ja, solche Boni wurden offeriert. Aber wir sind momentan in einem Markt, wo die Konkurrenz sehr aggressiv ist. Das müssen wir jetzt in Kauf nehmen und die nötigen Massnahmen treffen.

Video
Gottstein: «Wir haben mehr Fluktuation gesehen»
Aus News-Clip vom 29.07.2021.
abspielen

Sie haben den Vorfall rund um Archegos untersuchen lassen. Zu welchem Schluss kommt diese Untersuchung? Was ist schiefgelaufen?

Im Wesentlichen handelt es sich hier um menschliches Versagen. Limiten wurden nicht eingehalten. Es wurde nicht eskaliert. Und die Überwachung im Investment Banking und im Risk Management war nicht so, wie sie hätte sein sollen.

Im Wesentlichen handelt es sich hier um menschliches Versagen. Limiten wurden nicht eingehalten.
Autor:

Sind dafür Fehlanreize für die Angestellten schuld?

Das kann man nie ausschliessen. Wir überprüfen das. Aber unser Anreizsystem ist dasselbe wie dasjenige bei unserer Konkurrenz. Es ist kein Credit-Suisse-spezifisches Problem. Es war, wie gesagt, menschliches Versagen in einem relativ überschaubaren Team.

Das Gespräch führte Andi Lüscher.

SRF 4 News, 29.07.2021, 10:00 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

8 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Bruno Müller  (Krötenprinz)
    Wo auch immer kein persönliches Haftungsrisiko besteht (z. B. mit dem Privatvermögen), werden stets auch unbeschränkte Risiken eingegangen werden.
  • Kommentar von Roman Weibel  (Roman67)
    Ich fass es nicht! Da verliert die CS 5‘000‘000‘000 CHF und als Begründung wird „menschliches Versagen“ genannt? Wo waren die systemischen Kontrollmechanismen? Kann also bei der CS jemand mit 5 Milliarden geschäften und wenn es blöd läuft bzw. wenn er die Limiten nicht einhält, dann sind halt die 5 Mia. weg? Man kann bei der CS also die Limiten überschreiten, massiv überschreiten, und niemand, weder Mensch noch Software intervenieren? Miserabel!
  • Kommentar von Max Lanthemann  (Max J.)
    Die Frage ist doch wie lange gehts bis die nächste Bank an der Öffentlichkeit ein Fehlverhalten eingestehen muss. Schon die Bussensumme der letzten Jahre zeigt die Unverbesserlichkeit im Bankmanagement.
    1. Antwort von Alois Keller  (eyko)
      und trotzdem kassieren die Herren ihre hohen Löhne und Boni. Ein Skandal. Die Banke sind auch nicht mehr das was sie einmal waren. Vertrauen futsch.