Negativzinsen: Das sind die Gewinner und Verlierer

Geschäftsbanken müssen künftig draufzahlen, wenn sie Geld bei der Nationalbank deponieren. Die Negativzinsen dürften allerdings über die Bankenwelt hinaus zu spüren sein. Nicht alle freut der Entscheid der Nationalbank.

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Bildlegende: SNB-Präsident Thomas Jordan gibt die Negativzinsen bekannt. Keystone

Wer Immobilien kaufen will, kann sich freuen; Die Hypothekarzinsen sind weiter gesunken. Denn die Banken richten sich an den Nationalbankzinsen aus, sagt Ansgar Gmür, Direktor des Schweizerischen Hauseigentümerverbandes.

Er habe heute morgen ein Hypotheken-Angebot für zehn Jahre zu einem Zins von 1,35 Prozent gesehen, so Gmür. «Sicher gibt es noch günstigere Hypotheken. Das ist einmalig. Das hat es meines Wissens noch nie gegeben.» Wie viele zusätzliche Hypotheken die Banken nun vergeben werden, ist unter Experten allerdings umstritten.

Exportindustrie zeigt sich erleichtert

Schon jetzt freut sich auch die Exportindustrie. «Wir begrüssen diesen Schritt der Nationalbank sehr, denn damit bekräftigt sie, dass sie den Mindestkurs zum Euro von einem Franken zwanzig unbedingt durchsetzen will», sagt Jean-Philippe Kohl, Leiter Wirtschaftspolitik beim Schweizerischen Maschinenindustrieverband Swissmem. Das gebe den exportierenden Unternehmen Planungssicherheit.

SNB führt Negativzins ein

9:38 min, aus Echo der Zeit vom 18.12.2014

Eine der Hauptsorgen der Exportindustrie ist nach wie vor der starke Franken, der Schweizer Produkte im Ausland verteuern würde. Entsprechend erleichtert sind nun auch die Angestellten der Exportindustrie.

«Die Einführung der Negativzinsen finden wir gut, weil es den Franken entlastet», sagt Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes. Der Franken sei immer noch stark überbewertet, was zu Druck auf Arbeitsplätze und Löhne in der Exportindustrie führe. Die Negativzinsen würden Druck wegnehmen, so dass in nächster Zeit hoffentlich weniger Arbeitsplätze abgebaut oder ins Ausland verlagert werden müssten.

Pensionskassen auf der Verliererseite

Wie bei jeder geldpolitischen Massnahme der Nationalbank gibt es allerdings auch Verlierer. Diesmal sind es in erster Linie Lebensversicherungen oder Pensionskassen.

Hanspeter Konrad, Direktor des schweizerischen Pensionskassenverbandes, geht davon aus, dass die Banken die Negativzinsen, die sie der Nationalbank neu bezahlen müssen, an ihre Grosskunden weitergeben. Künftig würde es also auch für Pensionskassen teuer, wenn sie Geld bei den Banken deponieren. «Für Pensionskassen sind das keine guten Nachrichten. Der Druck auf die Suche nach Renditen steigt weiter an.»

Pensionskassen müssen nun also vermehrt andere Möglichkeiten suchen, um ihr Vermögen anzulegen. Gut möglich, dass sie dabei mehr Risiken eingehen werden.

Drohen auch Kleinsparern Strafzinsen?

Bei der Frage, ob auch Kleinsparer künftig Strafzinsen bezahlen müssen, gehen die Meinungen der Experten auseinander. Einige Banken haben bereits angekündigt, dass das vorläufig nicht der Fall sein wird. Ob sie allerdings Gebühren oder Kommissionen anheben werden, ist offen. Klar ist aber, Sparkonti werfen tendenziell noch weniger Zinsen ab.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • SNB bekämpft Frankenstärke mit Negativzinsen

    Aus Tagesschau vom 18.12.2014

    Die Nationalbank belastet ab Januar die Guthaben der Banken bei der SNB mit einem Satz von -0,25 Prozent. Gut drei Jahre nach der Einführung des Euro-Mindestkurses verschärft die SNB damit ihren Kampf gegen die Frankenstärke. Einschätzungen von Wirtschaftsredaktor Christian Kolbe.