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Wirtschaft Negativzinsen: Das sind die Gewinner und Verlierer

Geschäftsbanken müssen künftig draufzahlen, wenn sie Geld bei der Nationalbank deponieren. Die Negativzinsen dürften allerdings über die Bankenwelt hinaus zu spüren sein. Nicht alle freut der Entscheid der Nationalbank.

Porträt von Thomas Jordan.
Legende: SNB-Präsident Thomas Jordan gibt die Negativzinsen bekannt. Keystone

Wer Immobilien kaufen will, kann sich freuen; Die Hypothekarzinsen sind weiter gesunken. Denn die Banken richten sich an den Nationalbankzinsen aus, sagt Ansgar Gmür, Direktor des Schweizerischen Hauseigentümerverbandes.

Er habe heute morgen ein Hypotheken-Angebot für zehn Jahre zu einem Zins von 1,35 Prozent gesehen, so Gmür. «Sicher gibt es noch günstigere Hypotheken. Das ist einmalig. Das hat es meines Wissens noch nie gegeben.» Wie viele zusätzliche Hypotheken die Banken nun vergeben werden, ist unter Experten allerdings umstritten.

Exportindustrie zeigt sich erleichtert

Schon jetzt freut sich auch die Exportindustrie. «Wir begrüssen diesen Schritt der Nationalbank sehr, denn damit bekräftigt sie, dass sie den Mindestkurs zum Euro von einem Franken zwanzig unbedingt durchsetzen will», sagt Jean-Philippe Kohl, Leiter Wirtschaftspolitik beim Schweizerischen Maschinenindustrieverband Swissmem. Das gebe den exportierenden Unternehmen Planungssicherheit.

Eine der Hauptsorgen der Exportindustrie ist nach wie vor der starke Franken, der Schweizer Produkte im Ausland verteuern würde. Entsprechend erleichtert sind nun auch die Angestellten der Exportindustrie.

«Die Einführung der Negativzinsen finden wir gut, weil es den Franken entlastet», sagt Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes. Der Franken sei immer noch stark überbewertet, was zu Druck auf Arbeitsplätze und Löhne in der Exportindustrie führe. Die Negativzinsen würden Druck wegnehmen, so dass in nächster Zeit hoffentlich weniger Arbeitsplätze abgebaut oder ins Ausland verlagert werden müssten.

Pensionskassen auf der Verliererseite

Wie bei jeder geldpolitischen Massnahme der Nationalbank gibt es allerdings auch Verlierer. Diesmal sind es in erster Linie Lebensversicherungen oder Pensionskassen.

Hanspeter Konrad, Direktor des schweizerischen Pensionskassenverbandes, geht davon aus, dass die Banken die Negativzinsen, die sie der Nationalbank neu bezahlen müssen, an ihre Grosskunden weitergeben. Künftig würde es also auch für Pensionskassen teuer, wenn sie Geld bei den Banken deponieren. «Für Pensionskassen sind das keine guten Nachrichten. Der Druck auf die Suche nach Renditen steigt weiter an.»

Pensionskassen müssen nun also vermehrt andere Möglichkeiten suchen, um ihr Vermögen anzulegen. Gut möglich, dass sie dabei mehr Risiken eingehen werden.

Drohen auch Kleinsparern Strafzinsen?

Bei der Frage, ob auch Kleinsparer künftig Strafzinsen bezahlen müssen, gehen die Meinungen der Experten auseinander. Einige Banken haben bereits angekündigt, dass das vorläufig nicht der Fall sein wird. Ob sie allerdings Gebühren oder Kommissionen anheben werden, ist offen. Klar ist aber, Sparkonti werfen tendenziell noch weniger Zinsen ab.

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19 Kommentare

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  • Kommentar von M.Kaiser, Rebstein
    Uns , den Büezern , wird durch die Anbindung des Franken (1,2 ) an den Euro die hart erarbeitete KAUFKRAFT gestohlen und den Banken sowie grossen Unternehmern in den Hintern geschoben . Der Franken müsste HEUTE mindestens denselben Wert wie der EURO haben , ich behaupte, der FRANKEN wäre eher 1,3 EURO Wert . Aber da jammern dann die reichen Unternehmer sie können nicht mehr ins Ausland verkaufen -alles Lüge , Spitzenwahre kann immer verkauft werden ! So werden wir um unser Erspartes gebracht.
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    1. Antwort von Hanspeter Schwarb, Eiken
      Kaufkraft wird erst kleiner, wenn die Währung sinkt, so wie in Russland zur Zeit. Auf die Frage, wer profitiert ist es genau umgekehrt. Es ist der Büezer, der von einem tieferen Euro seinen Arbeitsplatz sichert. Die Firmen können hingegen abwägen. Die meisten haben ein Bein im Ausland und können Teile der Produktion auslagern. Herr Kaiser auch im Ausland kann gute Arbeit geleistet werden. Da würde ich nicht zu hoch aufs Ross steigen.
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  • Kommentar von Leo Nauber, 8052 Zürich
    Vermögende können nur noch auf dem Liengeschaftenmarkt anlegen, was der neuen Verschuldung eine Zeitbombe kreiert, sagt man. Denn wehe, wenn die Zinsen steigen und sie die Verschuldung nicht mehr stemmen können. Verstehe ich nicht ganz. Wenn ich soviel Geld hätte, dass ich es nirgends anlegen kann, dann muss ich mich doch gar nicht oder nur ganz minim verschulden. Kann ja dann eine hohe Summe Eigenkapital einbringen. Oder? Gut habe ich das Problem nicht. Suche Einkommen, nicht Anlage.
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  • Kommentar von H. Bernoulli, Zürich
    Je tiefer die Zinsen, desto mehr Geld bleibt den Erwerbstätigen. Die Zinsen sind die Hauptgrösse, welche die Verteilung des Kuchens zwischen dem Kapital und den Erwerbstätigen bestimmen. Je höher die Zinsen, desto mehr geht an das Kapital. Das die Erwerbstätigen von den Zinsen der PK profitieren ist ein Witz. Diese zahlen sie selbst - meist über die Mieten. Je tiefer die Zinsen, desto mehr bleibt den Erwerbstätigen in der Tasche - auch zum sparen.
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    1. Antwort von Hanspeter Schwarb, Eiken
      Ganz genau. Zur Ergänzung was die PK angeht, wäre es an der Zeit , die AHV gegenüber der PK aufzuwerten. Die AHV ist zwar umlagefinanziert aber das ist ein Politischer Wille. Die PK ist da um Die Arbeiter ins Boot der Spekulanten zu holen. Da beisst er sich meist selber in den Schwanz
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