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Der SBB-Chef im Home-Office - ein Portrait
Aus ECO vom 15.03.2021.
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Neuer SBB-Chef Vincent Ducrot will die SBB menschlicher machen

Der neue Chef führt die SBB in schwierigen Zeiten. Dabei scheint er vor allem eines zu sein: anders als sein Vorgänger.

Auch wenn SBB-Chef Vincent Ducrot ihn nicht direkt erwähnt: Der Kontrast zu seinem Vorgänger Andreas Meyer könnte kaum grösser sein. Das zeigt sich in Ducrots Antwort auf die Frage, welchen Führungsstil er pflege: «Ich bin sehr nah an den Mitarbeitern. Ich bin auch ein Teamplayer», sagt er im Interview mit «ECO».

Auch seine Aussage bezüglich des Kundendienstes ist vielsagend: «Mein Ziel ist es, die SBB etwas menschlicher zu machen.»

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Der SBB-Chef über seinen Führungsstil und die Grenzen des Home-Office
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Andreas Meyer, der die SBB von 2007 bis 2020 geführt hatte, galt als eher autoritär. Das zeigte sich auch im Vertrauen der Angestellten in die SBB-Führung.

Das Vertrauen lag 2019 gemäss Mitarbeiterbefragungen bei 46 von 100 Punkten. Mit Vincent Ducrot stieg dieser Wert 2020 auf 57. «Ich kommuniziere sehr viel», erklärt er diese Veränderung.

Der neue CEO lässt sich zu Hause im Homeoffice filmen. Er spricht über seine Rolle als alleinerziehender Vater von sechs Kindern. Und er wendet sich zweiwöchentlich per Video an seine Angestellten.

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Der SBB-Chef im Home-Office - ein Portrait
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Gleichzeitig führt er das Unternehmen in einer sehr schwierigen Zeit. Am 15. März musste die SBB einen rekordhohen Verlust über 617 Millionen Franken für 2020 bekannt geben.

Vor allem die tiefe Auslastung im Personenverkehr hat dieses Loch in die Kasse gerissen. Die SBB beförderte mit 843'000 Reisenden über ein Drittel weniger als im Vorjahr.

Bereits vor dem schwarzen Jahr 2020 gab es in einer Vielzahl von Bereichen Optimierungsbedarf. Vincent Ducrots Strategie: Fehler zugeben und sagen, was er vorhat.

Die Baustellen der SBB

Etwa im Bereich Verspätungen: «Wir versuchen, es besser im Griff zu haben», sagt Vincent Ducrot. Der Kern liege bei den Baustellen. Diese müssten besser koordiniert werden. «Wir hatten letztes Jahr eine bessere Pünktlichkeit. Und jetzt müssen wir daran arbeiten, dass wir das halten können, wenn die Kunden zurückkommen.»

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Ducrot über Verspätungen: «Wir haben etwas Zeit gewonnen»
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Oder beim Thema Immobilien: Die Immobiliensparte solle weiterentwickelt werden. Oder wie es Vincent Ducrot formuliert: «Die Immobilien sind unsere Lebensversicherung». Es ist denn auch die einzige Sparte, die mit 244 Millionen einen Gewinn erzielt hat. «Das erlaubt uns, sowohl die Pensionskasse zu sanieren als auch einen Beitrag an die Infrastruktur zu leisten.» Ausserdem könnten die Schulden abgezahlt werden.

Die SBB hat inzwischen Schulden beim Bund von 10.4 Milliarden Franken. Allein 2020 haben diese Schulden um fast 1.5 Milliarden Franken zugenommen.

Ducrot ist überzeugt, dass diese zurückgezahlt werden können. Man müsse die Relationen sehen: «Der alleinige Wert der Infrastruktur beträgt mehr als 120 Milliarden Franken.»

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Kommen die Kunden wieder zurück?
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Wieder Geld vom Bund

Der SBB-Chef geht davon aus, dass Corona das Unternehmen 2 Milliarden Franken kosten werde. Und er sagt ohne zu zögern, dass die SBB erneut Geld vom Bund fordern werde. «Wir haben letztes Jahr vom Bund mehr als 200 Millionen Franken erhalten. Das Geld werden wir dieses Jahr sicher wieder brauchen.»

Die Phase von zu wenigen Lokführer ist vorbei.

Eine weitere «Baustelle»: die Lokführer. In den vergangenen Jahren machte die SBB mit einem akuten Lokführermangel von sich reden. Grund dafür war eine Fehlplanung der SBB, wofür sich Ducrot-Vorgänger Andreas Meyer nachträglich schämte, wie ihn der «Blick» im vergangenen Herbst zitierte.

Die Corona-Pandemie verschärfte die Situation noch, da sich die Ausbildungen verzögerten. Dutzende Verbindungen fielen täglich aus, weil schlicht niemand die Züge fahren konnte.

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Lokführermangel? «Wir hatten 9000 Bewerbungen»
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Vincent Ducrot sagt, die Phase des Engpasses sei vorbei. «Wir hatten 2020 9000 Bewerbungen. Die Klassen 2020 waren voll, für 2021 sind sie voll, und wir rekrutieren schon für 2022.»

Eine Absage erteilt Ducrot den ambitionierten Digitalisierungsprojekten von Vorgänger Andreas Meyer. Von selbstfahrenden Zügen war die Rede, gar von Flugtaxis. «Wir haben viele Projekte gestoppt, um unseren Fokus auf die Bahn zu legen. Wir haben auch weniger Mittel, da muss man priorisieren.»

Das gilt auch für Softwareprojekte. «Wir digitalisieren jetzt unseren Kern: das Produktionssystem, das Trafficmanagement-System und das Unterhaltssystem. Das wird uns die nächsten vier Jahre beschäftigen.»

Zurück zum Wesentlichen, Beruhigung, Offenheit. Mit diesen Mitteln glaubt Vincent Ducrot, die SBB in die Zukunft führen zu können.

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Vier SBB-Angestellte und wie die Pandemie ihren Job beeinflusst
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ECO vom 15. März 2021

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Sam Meier  (tsam39947)
    Herr Ducrot macht mir einen bodenständigen, vernünftigen und bescheidenen Eindruck. Zudem kennt er die Branche und die SBB. Ich denke er wird das gut machen und den Karren aus dem Dreck ziehen.
  • Kommentar von Sam Meier  (tsam39947)
    "Anders" als sein Vorgänger ist schon mal gut, weil es nur besser sein kann.
  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Es reicht vollkommen aus, wenn er die SBB wieder dazu macht, wofür diese auch effektiv gemacht wurde = fairer "Service public"! Und nicht die masslose Bereicherung dessen "Managements"!