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Klimaschutz: Neue Regeln für Massnahmen im Ausland
Aus Rendez-vous vom 29.12.2020.
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Pariser Klimaabkommen Was bringen Schweizer CO2-Reduktionen im Ausland?

Die Schweiz setzt auf Klimaschutzmassnahmen im Ausland, weil diese meist günstiger kommen. Deren Bilanz ist nicht rosig.

Schon der Vorgängervertrag des Pariser Klimaabkommens, das Protokoll von Kyoto, hat es Staaten und Unternehmen ermöglicht, Emissionen in einem andern Land zu reduzieren und dafür Zertifikate zu erwerben.

Mit äusserst beschränktem Erfolg allerdings, stellt Patrick Hofstetter, Leiter Klima und Energie beim WWF Schweiz und langjähriger Kenner der internationalen Klimadiplomatie fest: «Mehr als Dreiviertel der Reduktionen wären auch ohne Zertifikateverkauf zustande gekommen.» Die erhoffte Zusatzwirkung für den Klimaschutz sei ausgeblieben.

Aus Sicht der Atmosphäre ist es wichtig, dass die globalen Emissionen so schnell wie möglich zurückgehen. Unabhängig davon, wo dies geschieht.
Autor: Franz PerrezUmweltbotschafter im Bundesamt für Umwelt

Sprich: ein Industrieland hat in einem Entwicklungsland beispielsweise eine Windkraftanlage gebaut und sich dafür eine gewisse CO2-Reduktion gutgeschrieben, obschon die Windkraftanlage eigentlich auch ohne die Unterstützung des Industrielandes gebaut worden wäre.

Kommt neu dazu: Unter dem Pariser Abkommen haben alle Länder – auch die Entwicklungsländer – eigene Reduktionsziele, die sie erreichen müssen. Emissionsreduktionen eines Landes in einem anderen seien trotzdem sinnvoll, sagt Franz Perrez, Botschafter im Bundesamt für Umwelt und Chefverhandler der Schweiz an den internationalen Klimakonferenzen.

Kinder vor chinesischer Stadt auf vertrocknetem Boden.
Legende: Am 1. Januar tritt das Pariser Klimaabkommen in Kraft, das für Auslandreduktionen neue Grundsätze definiert. Bisher ist die Bilanz solcher Anstrengungen allerdings schlecht. Keystone

«Aus Sicht der Atmosphäre ist es wichtig, dass die globalen Emissionen so schnell wie möglich zurückgehen. Unabhängig davon, wo dies geschieht», so Perrez. Wenn die Schweiz zusätzlich zu Emissionen im Inland auch Emissionen im Ausland reduziere, helfe das, die globalen Emissionen zu reduzieren.

Allerdings konnten sich die Staaten bisher im Rahmen des Pariser Klimaabkommens nicht auf konkrete Regeln für solche Reduktionen eines Landes in einem anderen einigen. Weil die Schweiz laut CO2-Gesetz bis 2030 aber bis zu einem Viertel des eigenen Reduktionsziels im Ausland erreichen will, hat sie begonnen, bilateral mit Entwicklungsländern Verträge abzuschliessen.

Klimademo in Bern.
Legende: Bisher hat die Schweiz mit Peru und mit Ghana bilaterale Verträge über Klimaschutzmassnahmen abgeschlossen. Weitere Länder sollen folgen. Keystone

Hofstetter vom WWF findet diese Abkommen besser als gar nichts: «Aber so etwas hat kurze Beine. Irgendwann muss die Schweiz selber die Emissionen auf Null reduzieren.»

Tatsächlich setzt bisher nur eine Handvoll anderer Industrieländer auf solche Emissionsreduktionen im Ausland. Auch, weil die Gefahr besteht, dass dadurch Emissionen im eigenen Land «zementiert» werden, also weniger ambitioniert angegangen werden. Das würde den Zielen des Pariser Abkommens tatsächlich zuwider laufen, stellt auch Perrez vom Bafu fest.

Reduktionen auch im Inland

Perrez wiederholt aber: «Die Emissionsreduktionen im Ausland sollen zusätzlich und nicht anstelle von möglichst ambitionierten Emissionsreduktionen im Inland erfolgen.» Auch wenn Perrez Klimaschutzprojekte im Ausland derzeit für sinnvoll hält, räumt er ein, dass sie eine beschränkte Lebensdauer haben, weil schliesslich alle Länder ihre Emissionen möglichst auf null reduzieren müssen.

Auch diejenigen, in denen die Schweiz auf und für die eigene Rechnung Klimaschutz macht: «Je schneller diese Emissionen zurückgehen, desto weniger Raum bleibt für Auslandkompensationen. Sie werden teurer und konzentrieren sich zunehmend auf komplexe Bereiche. In dreissig Jahren wird die Schweiz viel weniger im Ausland kompensieren können.»

Sie kommt nicht darum herum, da sind sich Klimadiplomat und WWF-Experte einig, ihren Treibhausgasaustoss im Inland so rasch wie möglich reduzieren – ob Klimaschutz im Ausland dies beschleunigt oder eher behindert, bleibt umstritten.

Video
Aus dem Archiv: Bilanz nach fünf Jahren Pariser Klimaabkommen
Aus Tagesschau vom 12.12.2020.
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Rendez-vous vom 29.12.2020, 12:30 Uhr

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70 Kommentare

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  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Der Fokus müsste eigentlich die effiziente und effektive Reduktion von CO2 sein - sprich das Projekt. Sein Standort ist irrelevant! Es geht darum, die vorhandenen Mittel zielfokussiert optimal auszugeben. Wo das sein soll, spielt so betrachtet keine Rolle. Es sei denn, irgendwer möchte gerne vom Geldsegen profitieren, aber keine entsprechende Leistung erbringen - dann landen wir in einer ineffizienten Lösung! Macht nichts, ist ja eh das Geld der anderen!
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  • Kommentar von Monika Mitulla  (momi)
    Warum kommt keiner auf die Idee, in Entwicklungsländern wie Myanmar Abfallverbrennungsanlagen zu bauen? Die dortige "Abfallverbrennungskultur" stinkt zum Himmel - und es wird immer mehr Plastikschrottaus China geliefert...
    Mit dem weltweiten Bau von Abfallverwertungs- und verbrennungsanlagen könnte ein wirklich substantieller Beitrag zum WELTWEITEN Umweltschutz beigetragen werden - und: es könnten Investitionen in zukunftsträchtige Technologien getätigt werden.
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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Kein Geld der Welt, ändert eine Grund-Haltung-Einstellung! Für positive Veränderungen, benötigt es grundsätzliche Einsicht! Der Mensch hat KEINE WAHL, entweder Einsicht und verantwortungsbewusstes Umstellen, oder weitere sukzessive, ganzheitliche Zerstörung der eigenen "Lebensgrundlage"! Weder die CORONA-Pandemie, noch weitere Virus-Mutationen, schafften bislang ein ganzheitliches Umdenken und damit notwendige aktive Veränderungen von: AGRAR-Wirtschafts-Weltwirtschafts-Politik weltweit!?
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