Zum Inhalt springen

Header

Video
Fleischverarbeiter Bell setzt auf Veggie-Burger
Aus 10 vor 10 vom 12.02.2021.
abspielen
Inhalt

Pflanzliche Burger Ein «Metzger» setzt auf Vegi-Produkte

Fleischersatz-Produkte boomen: Sogar einer der grössten Fleischverarbeiter der Schweiz will ganz vorne mit dabei sein.

Ob Lachs aus Rüebli, Burger aus Soja oder hochtechnologisches Poulet aus Erbsenproteinen – das Angebot an pflanzlichen Fleischersatzprodukten vermehrt sich rasant. Der Absatz hat sich gemäss den Grossverteilern im letzten Jahr nahezu verdoppelt.

Auch eine Untersuchung der UBS sieht in pflanzenbasiertem Fleisch grosses Potential. So soll der globale Markt bis 2025 auf 51 Milliarden Dollar anwachsen, was eine Verdreifachung des Marktes bedeuten würde. Begründen lasse sich dieses Wachstum unter anderem durch eine Veränderung des Konsumverhaltens. Umweltverträglichkeit, Ressourcenknappheit, Tierwohl und Bedenken um die Gesundheit gehören gemäss der Untersuchung zu den Gründen, wieso vermehrt auf Fleischersatzprodukte gesetzt wird.

Auch der «Metzger» mischt mit

Um den Anschluss in einem der grössten Wachstumssegmente der Nahrungsindustrie nicht zu verpassen, hat auch einer der grössten Fleischproduzenten der Schweiz mittlerweile solche Produkte im Angebot. Die Rede ist von der Coop-Tochterfirma Bell. Sie deckt bereits eine breite Palette an veganen und vegetarischen Konsumbedürfnissen ab: vom Vegiburger, über Vegi-Hackfleisch, bis zu pflanzenbasiertem Fleischkäse.

Mann vor rotem Bell Logo
Legende: Lorenz Wyss ist seit 2011 Chef von Bell. Keystone

Der Spagat vom Fleisch- zum Vegi-Ersatzproduktproduzenten ist für Lorenz Wyss, Geschäftsführer von Bell, kein Widerspruch. Es gehe um ein Kundenbedürfnis: «Unser Ziel ist es, das herzustellen, was bei den Konsumenten in der Mitte des Tellers ist.» Wenn sich der Inhalt des Tellers verändere, dann müsse sich Bell anpassen, sagt Wyss. Es sei die Antwort auf den veganen und vegetarischen Trend.

Trend könnte ungewollte Wirkung haben

Michael Siegrist, Professor für Konsumentenverhalten an der ETH Zürich, sieht den Trend hin zu mehr Konsum von pflanzenbasierten Produkten nicht nur unproblematisch. «Wie stark die neuen Proteinquellen tierische Proteine ersetzen, ist noch vollständig unklar», meint er. Man wisse zudem nicht, ob es zu einem Mehrkonsum an Proteinen kommen wird: «Konsumieren die Leute zusätzlich zum Fleisch diese pflanzlichen Proteine, dann haben sie am Schluss nicht weniger Fleisch, sondern mehr Proteine konsumiert», sagt Siegrist.

Ebenfalls ist laut Siegrist unklar, ob nur bei günstigen Restprodukten der Fleischproduktion wie Hackfleisch und Würste, die von weniger nachgefragten Teilen des Tieres stammen, die Nachfrage sinkt, dafür aber «bei den Edelstücken die Nachfrage nach wie vor hoch bleibt». Auch in diesem Fall hätte der Trend zu mehr Konsum von pflanzenbasiertem Fleischersatz eine ungewollte Wirkung.

Kommt bald das Labor-Fleisch?

Neben den Investitionen ins Segment der pflanzlichen Ersatzprodukte hat Bell einen weiteren Fleischersatz im Blick: aus tierischen Zellen gezüchtetes Labor-Fleisch. Der Herstellungsvorgang von Labor-Fleisch sei besonders nachhaltig. Das Unternehmen hat deshalb in ein holländisches Start-up investiert. Was nach Science Fiction tönt, könnte bald vor der Marktreife stehen.

Mann mit Fleisch in Gefäss
Legende: In sechs bis acht Wochen wächst ein kleiner Klumpen des sogenannten In-vitro-Fleischs zum Burger. Reuters

Laut Siegrist ist die Akzeptanz dafür aktuell aber noch nicht vorhanden: «Wenn man Konsumenten mit der Idee von Labor-Fleisch konfrontiert, dann haben viele Assoziationen wie: Das ist nicht natürlich oder das ist eklig.» Ob sich die pflanzenbasierten Ersatzprodukte oder gar das Fleisch aus dem Labor von den Vorbehalten und ihrem Nischendasein befreien können, ist offen. Klar ist: Sie werden immer beliebter.

10vor10, 12.02.2021, 21:50 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

15 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Eduard Biner  (Eduard Biner)
    Diese Burger (Junkfood) ob Vegie oder Schlachtabfall esse ich nicht. Lieber echt vegetarisch oder gelegentlich ein gutes Stück Fleisch.
    1. Antwort von Urs Felber  (ursus felber)
      Man kann auch ein gutes Stück Fleisch für einen tollen Burger nehmen. Ich empfehle ribeye steak grob gewolft. Zu einem 200 gr patty formen und schön auf dem gasgrill kurz grillieren, medium garstufe. Dazu etwas speck, eine grillierte zwiebelscheibe, eine tolle hausgemachte sauce, salatblatt und natürlich ein hausgemachtes burgerbrötchen. Top sag ich ihnen
  • Kommentar von Marianne Berger  (Marianne)
    Es ist schon klar, wenn man Essgewohnheiten umstellt, muss man sich ein bisschen "schlau" machen, um eine ausgewogenes Verhältnis zwischen Proteinen, Kohlehydraten und Fetten und dazu viel Gemüse, Salat und Früchte. Ich bin Vegetarierin seit 40 Jahren, esse auch keine Milch- oder Eierprodukte. Diese vegetarischen Fleischersatzprodukte schmecken herrlich und sind ganz einfach zuzubereiten. Ich bin topfit und meine Blutanalyse ist hervorragend. Ausprobieren, es lohnt sich!
    1. Antwort von Franziska Beetschen  (Himbeeri)
      Diese Produkte helfen auch sich langsam zu entwöhnen, falls man sich aus ethischen- und Bewusstseinsgründe vegetarisch ernährt... ich bin auch mega froh dass hier die Industrie am "pröblen" ist... ;-)
  • Kommentar von Luvy Müller  (Lucy56)
    Solche Produkte dürften überhaupt keine Ähnlichkeit zu „Fleisch“ „Meat“ oder wie auch immer haben. Ebenso wenig darf hier der Begriff Metzger genannt werden. Es sind Produkte ohne jeglichen Bezug zu Fleisch und es darf bei der Nennung, Verkauf, Werbung auch nicht in irgendeiner Form mit Fleisch in Verbindung gebracht werden. Entweder ein Produkt ist Fleisch oder eben nicht.
    1. Antwort von Franziska Beetschen  (Himbeeri)
      Was ist mit zum Beispiel Fruchtfleisch?
    2. Antwort von Marianne Berger  (Marianne)
      Warum nicht ? Man nennt sie Fleischersatzprodukte und sie sind ganz klar gekennzeichnet (z.B Vegi-Burger) . Wo ist das Problem ? Auch haben sie einen Bezug zum Fleisch: sie sind proteinreich, schmecken wie Fleisch (mit Geschnetzeltem könnten sie manchen überraschen), haben die gleiche Farbe und sind in der Form auch ähnlich. Gerade für Menschen, die es einmal "fleischlos" probieren möchten, ist es eine Orientierungshilfe.