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«Ohne die Staatshilfe wäre die Lufthansa in kurzer Zeit insolvent»
Aus HeuteMorgen vom 25.06.2020.
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Poker um Lufthansa-Hilfspaket Ist die Swiss jetzt aus dem Schneider?

Die Aktionäre der Lufthansa stimmen darüber ab, ob dem deutschen Staat im Zuge der geplanten neun Milliarden schweren Rettung der Airline ein Anteilspaket von 20 Prozent zugestanden werden soll.

Weil die Flugzeuge wegen der Corona-Krise am Boden bleiben, verliert die Lufthansa aktuell rund 800 Millionen Euro pro Monat. Zuletzt waren private Investoren allerdings nicht bereit frisches Kapital einzuschiessen. In der Folge musste die Lufthansa beim deutschen Staat für Unterstützung anklopfen.

Wieso regte sich Widerstand gegen eine Staatsbeteiligung?

Lange hatte sich der grösste Lufthansa-Aktionär, Heinz Hermann Thiele, gegen eine Staatsbeteiligung bei der Lufthansa gewehrt. Seiner Meinung nach würde der Staat wegen der nötigen Sanierung der Lufthansa, insbesondere eines massiven Stellenabbaus, im Wege stehen.

Gestern hat Thiele in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» allerdings angekündigt, dass er dem Antrag zustimmen werde. Seine Zweifel seien zwar nicht beseitigt, letztlich werde er jedoch nicht für eine Insolvenz stimmen können, zitiert ihn die Zeitung weiter.

Wer ist Heinz Hermann Thiele?

Der 79-jährige gehört zu den reichsten Deutschen, auf gut 16 Milliarden Dollar schätzt die Nachrichtenagentur Bloomberg sein Vermögen. Als 28-Jähriger fing er nach seinem Jurastudium 1969 beim Münchner KMU Knorr-Bremse an, als Sachbearbeiter in der Patentabteilung. 1979 wurde er Vertriebschef, 1985 übernahm er die Firma. Aus dem Sanierungsfall Knorr-Bremse machte er einen profitablen Weltmarktführer für Zug- und LKW-Bremsen mit mehr als sechs Milliarden Euro Umsatz. Mit 75 Jahren legte Thiele den Aufsichtsratsvorsitz nieder, mit 79 kehrt er jetzt wieder in das Gremium zurück. Thiele sagt von sich selbst: «Ich bin Unternehmer und werde bis zum letzten Atemzug unternehmerisch tätig sein.»

EU-Kommission genehmigt Lufthansa-Rettungspaket

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Kurz vor der entscheidenden Aktionärsversammlung haben heute Morgen die Wettbewerbshüter der EU-Kommission das Lufthansa-Rettungspaket der deutschen Regierung genehmigt. Mit dem Geld soll Europas grösster Flugkonzern die Coronakrise überstehen.

Die Freigabe der Rekapitalisierungshilfen in Höhe von sechs Milliarden Euro unterliegt allerdings der Bedingung, dass die grösste deutsche Fluggesellschaft Verpflichtungen zur Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen einhält. Zu diesen zählt, dass die Lufthansa 48 Start- und Landerechte an den Hauptstandorten Frankfurt und München abgeben muss. Dies soll es der Konkurrenz ermöglichen, eine Basis mit bis zu vier Flugzeugen an den Standorten aufzubauen.

Wie geht es nun mit der Lufthansa-Tochter Swiss weiter?

Für die Swiss ist die Zusage des Grossaktionärs Thiele von entscheidender Bedeutung: Auch die Swiss ist mit ihren rund 10'000 Angestellten auf frisches Geld angewiesen und hat deshalb um staatliche Unterstützung beim Bund gebeten.

Zwar haben sich die Fluggesellschaft, der Bund und die beiden Grossbanken CS und UBS schon Ende April grundsätzlich auf einen Hilfskredit von insgesamt 1.5 Milliarden Franken geeinigt. Allerdings sind die Verträge bislang nicht unterzeichnet worden, wie die Swiss mitteilt. Demzufolge ist bislang auch kein Geld geflossen.

Eine Bedingung für den Kredit war denn auch, dass die Lufthansa gerettet sein muss, bevor das schweizerische Hilfspaket aktiviert wird.

Lufthansa und Gewerkschaft einigen sich auf Sparpaket

Kurz vor der ausserordentlichen Generalversammlung hat sich die Deutsche Lufthansa als erstes mit der Flugbegleitergewerkschaft UFO auf ein Sparpaket in der Krise verständigt.

Das Paket umfasse einen vierjährigen Kündigungsschutz sowie ein Einsparvolumen von über einer halben Milliarde Euro bis Ende 2023, teilte die Kabinengewerkschaft heute Nacht mit. Ein grosser Teil davon komme aus freiwilligen Massnahmen.

Laut Lufthansa beinhaltet das Massnahmenpaket unter anderem das Aussetzen von Vergütungsanhebungen, eine Flugstundenabsenkung bei entsprechender Reduzierung der Vergütung sowie temporär reduzierte Beiträge zur betrieblichen Altersversorgung.

«Mit dem jetzt beschlossenen Krisenpaket kann das Unternehmen für die 22'000 Kabinenmitarbeiter der Deutschen Lufthansa AG betriebsbedingte Kündigungen für den Zeitraum der Krise vermeiden», heisst es in einer Mitteilung der Airline.

Dem vereinbarten Paket müssen die UFO-Mitglieder noch im Rahmen einer in Kürze startenden Urabstimmung zustimmen. Vereinbarungen mit den anderen Gewerkschaften stehen bisher noch aus.

Trotz eines höheren Angebots an Einkommenseinbussen der Lufthansa-Piloten haben sich die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) und die Lufthansa noch nicht auf ein Krisenpaket geeinigt.

Video
Lufthansa-Aktionäre entscheiden über Rettungspaket
Aus Tagesschau vom 25.06.2020.
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Heute Morgen 25.06.2020, 07:00 Uhr; fulu;from

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Peter P. Odermatt  (Peter P. Odermatt)
    Die Leute fliegen dieses Jahr garantiert nicht mehr. Die ganze Sache ist also ein Verlustgeschäft. Wenigstens kein grosser Fluglärm mehr.
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  • Kommentar von Peter Müller  (PeRoMu)
    Wetten, dass bei derartigen Deals die Ökologie auf der Strecke bleibt! Wenn der Staat an einem Unternehmen beteiligt ist, verkommt er zum Feigenblatt und Handlanger. Die Verflechtung des Staates mit Unternehmen schränkt seine Handlungsoptionen stark ein und verleitet zur unternehmensfreundlichen Einflussnahme auf Legislative, Behörden, Regulierung etc.. Verwaltungsräte sind in allererster Linie dem Unternehmen verpflichtet, in dessen VR sie sitzen. Man kann nicht Diener zweier Herren sein.
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    1. Antwort von Christophe Bühler  ((Bühli))
      Die Schweiz wollte die Swissair nicht retten. Heute könnte es angebracht sein, die 1,5 Milliarden Hilfskredite an die Swiss an eine 50% Aktienbeteiligung des Bundes zu koppeln um Arbeitsplätze wenigstens für eine gewisse Zeit zu erhalten. Nur zuviel Staat öffnet dem Politfilz die Türen, der Staat verkommt zum Handlanger des Unternehmens, da ist Vorsicht angesagt.
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    2. Antwort von Astrid Meier  (Swissmiss)
      Ich glaube nicht, dass die privaten Investoren wie z. B. Thiele an der Ökologie interessiert sind. Diese Leute treiben einzig ökonomische Interessen, nämlich der eigene Profit.
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